
Meine ursprüngliche Freude über die Wiedervereinigung, die wir Kohl, Gorbatschow und Bush sen. zu verdanken haben, ist inzwischen in Wut umgeschlagen: Mit jeder Landtags- und Bundestagswahl, in der die Kommunisten (in freien Wahlen!) bis zu 30 % der Stimmen bekommen - was bedeutet, daß trotz Rekord- Rentenniveau, nagelneuer Infrastruktur und Sozialleistungen, die dem Arbeitsunwilligsten einen höheren Lebensstandard sichern, als vormals der DDR- Durchschnitt war, die alten Versager und Peiniger zurückgewünscht werden. Mein Vorwurf an Kohl: Die SED hätte - wie das braune Vorläufermodell 1945 - ohne Wenn und Aber verboten, das Parteivermögen zwecks Wiedergutmachung konfisziert und den Kadern Bewährung in den demokratischen Parteien nahegelegt werden müssen. Wer konnte sich 1989/90 vorstellen, daß die Hauptstadt und das sie umgebende Land jemals wieder in einheitssozialistische Hand geraten würde?

"Die „Generation Einheit“ aber weiß kaum noch, wer die Mauer baute und warum. " Diese arme Generation! Ist das tatsächlich so? Gibt es da repräsentative Umfragen, die diese Vermutung bestätigen?
Und wenn es tatsächlich so ist, dann liegt es möglicherweise daran, dass sowohl die Schule, Vereine und Institutionen, sowie die Politik, als auch die Familie sich ausschliesslich damit beschäftigen, was tatsächlich im WK II passierte, jedoch nicht vermitteln, was vorher und nachher geschah. Ich als 84er-Jahrgang konnte damals noch nicht begreifen, was los war und hole das heute häppchenweise nach.

Die sofortige Währungsreform hat die DDR-Produkte über Nacht um den Faktor 5 verteuert und somit ´das Ende für tausende Betriebe eingeleitet. Die Folge war eine Massenauswanderung, die bis heute anhält. Heute haben wir einen entvölkerten und de-industrialisierten Osten und ehemals wohlhabende Gebiete im Westen, die von Arbeitslosigkeit geplagt werden. Es hätte eine bessere Wiedervereinigung mit Übergangsphasen geben können, auch wenn diese vielleicht nicht den Wahlsieg Kohls gesichert hätte. Selbst der Anschluss des Saarlandes wurde in Phasen vollzogen.

Kohl hat bestenfalls am Ende des Geschehens mit der Wiedervereinigung zu tun. Was ist mit Solidarnosz, mit Egon Bahr, mit Brandt, mit Gorbatschow, mit Ungarn, vor allem mit den ostdeutschen Widerständlern? Sie möchten Kohl die Jacke des großen Staatsmanns anziehen, der wissentlich die Einheit voran getrieben hätte. Kohl ist zum Kanzler der Einheit geworden wie später Merkel zu Bundeskanzlerin. Für beide war das Hemd schon immer näher, als der Rock. Beide wurden durch die Ereignisse nach oben gespült, weil sie den gleichen Drang zur absoluten Macht haben. Beide sind Selbstdarsteller, denen der Staat und das Recht einerlei sind, wenn diese mit ihren Ziele nicht übereinstimmen. Kohl und die FDP haben uns die höchste Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit eingebrockt. Schon vergessen! Diese Lobhudelei ist nur widerlich.

Alljährlich feiern die Mächtigen am 9.11. die Ankunft von 17 Mio. neuen Konsumenten in Deutschland. Und selbst der letzte Westdeutsche in der marktwirtschaftlichen Nahrungskette kann sich an diesem Tag sicher sein, im Leben alles richtig zu machen.

Ist es denn noch keinem aufgefallen, dass seit der Niederreißung (nicht Fall!) der Mauer in Berlin, nur Leute den Preis bekommen haben, die sich gegen die demokratischen Werte einsetzten. Mit sehr wenigen Ausnahmen.
Der Kommentar war sehr gut und auch zeitlich angebracht! Ein Mann wie Kohl oder die Frauen und Männer, die sich aufmachten, den Kommunisten das Fürchten beizubringen, werden nie den Friedenspreis bekommen. Denn die Leute in Oslo haben eine ganz andere Vorstellung vom Frieden: Für die ist Frieden, wenn man den Amerikanern eins ans Schienbein treten kann - und das kräftig!
Aber wir sollten mal öffters nach dem heutigen Berlin schauen. Wir hatten noch nie eine so feige und uninformierte sowie sturköpfige, frei gewählte, regierung gehabt, wie heute. Die drei mächtigsten Politiker unseres Landes gehen nach Amerika und wollen die Amerikaner über Demokratie unterrichten. Und das während unsere Regierung unseren Soldaten anordnet, sich aus den Kämpfen zwischen US- und Afghansoldaten einerseits und den Taliban andereseits rauszuhalten. Hatten unsere Kanzlerin und und ihre Minister Blechgesichter auf, als sie in Washington waren? Die Amerikaner starben einst und sterben heute für uns. Und wir hassen sie. Das ist ungerecht!!!

Ich weiß auch nicht, warum die Faz immer so ignorant gegenüber Russland ist. Wenn jemand den Nobelpreis für die deutsche Wiedervereinigung verdient hat, dann ist das Gorbatschow, und der hat ihn ja auch bekommen. (Natürlich auch das ostdeutsche Volk, das mit soviel persönlichem Einsatz das Ganze in die Wege geleitet hat, aber da ist es halt sschwierig mit einem Nobelpreis). Aber Kohl, nein, bei aller Liebe, der hat doch nur auf die Ereignisse reagiert, von Handlungsfreiheit, wie bei Rußland, konnte doch keine Rede sein. Ja, er hat es in ordentliche Bahnen geleitet, aber das war eigentlich ja nur sein Job. Ich hätte mir gewünscht, daß Gorbatschow doch ein bißchen mehr gewürdigt wird. Er hat die größte Umwälzung in der neueren Geschichte erst möglich gemacht und sollte eigentlich der Mann des vergangenen Jahrhunderts sein.

Die freudetrunkene Inszenierung dieses 20-Jahre-Vereinigungs-Gedenktages ist eine Sache von Politikern und Medien. Für den Rest der Bevölkerung ist die Endlosschleife der immergleichen Jubelreden, des Sich-gegenseitig-auf-die-Schulter-Klopfens inzwischen hochbetagter Politiker ebenso aufregend wie die Sonntagspredigt in der Dorfkirche.

Ihre Hasstiraden sind grotesk. Helmut Kohl ist einer der ganz wenigen noch lebenden Menschen, die schon heute ein Teil der Weltgeschichte sind und dort auch in Tausend Jahren noch genannt werden als die großen Persönlichkeiten ihrer Zeit.

Niemand wird die Leistung der Regierung Kohl zur deutschen Einheit in Frage stellen. (Was wenige wissen: das definitive Buch zur deutschen Einheit stammt von eeiner Stanford Professorin Namens Condolezza Rice. Kohl's Rolle wird dort sehr schoen beschrieben). Nur, er konnte erst wirken, nachdem (!) der grundsaetzliche Wechsel in der DDR vollzogen wurde, und der wurde, friedlich, von den Deutschen im Osten herbeigeleitet, nicht von denen im Westen des Landes, auch nicht von Helmut Kohl.
Man darf Wandel im Osten und Einheit mit dem Westen nicht als das selbe betrachten. Wuerdigen wir am 9 November die einen, und am 3October die anderen.
Beide haben ihren verdienten Platz in der Geschichte. aber es sind nicht dieselben.
Von den FAZ Redakteuren wuerde ich mir eine differenzierte Wuerdigung der verschiedenen Akteure wuenschen.

die danach durch den östlichen Teil des Kontinents lief, führte dazu, dass heute fast alle europäischen Völker in Freiheit, Frieden und Sicherheit leben...“
Diese Kettenreaktion begann in Polen mit der einzigartigen Freiheitsbewegung in dem damaligen sozialistischen Block „Solidarnosc“ im Jahr 1980 und der Abschaffung des Sozialismus in Polen durch Wahlen am 04.Juni.1989.
Dieser Umbruch wäre ohne die amerikanische Herausforderung durch Reagan nicht möglich gewesen, die letztendlich zur Schwächung/dann Zusammenbruch der Sowjetunion geführt hatte.
Die Teilung Europas und auch die deutsch-deutsche Mauer ist eine direkte Folge des 2.Weltkrieges.
Nicht zu vergessen, dass diese Mauer von den Deutschen Ost selbst errichtet und aufrecht erhalten wurde.

Was am Abend des 9. Nov. 1989 auf friedliche Weise mit der Öffnung der Mauer passsiert ist, kann man erst teilweise im Nachhinein begreifen.
Ja es war ein großes Glück und vieles passte zusammen.
Die Solidanornoc in Polen ab 1981, der polnische Papst Johannes Paul II,
Regan der die UDSSR bankrott gerüstet hatte. Präsident Bush, Michael Gorbatschow und Helmut Kohl, drei Männer die sich vertrauten und auf dessen Wort man sich verlassen konnte. Die Bürger der DDR, die in friedlichen Demonstrationen ihre Unterdrückung ablegten und ihre Forderung nach Freiheit kundtaten.
Noch nie ist ein Staat wiedervereinigt worden, ohne daß ein Schuß fiel.
Ich selbst , Jahrgang 1943, Westerwälder, habe am Abend des 9. Nov. 1989, nachdem die Nachrichten über die Öffnung der Mauer gelaufen waren, in unserer Kneipe im Hausflur auf der Treppe gesessen und vor Glück und Zufriedenheit "Rotz und Wasser" geheult. Dabei hatte ich einen Gedanken für die Zukunft: Wenn ich es, der eigentlich keinen Krieg erlebt habe (als Baby zu klein um Erinnerungen zu haben) es noch erleben könnte, daß wir in einem vereinten Europa in Frieden und Freiheit leben könnten, dann wäre mein Leben vollkommen.
Dafür allen danke!

...aber vielleicht meint man, mit dem Nobelpreis für Gorbatschow sei alles gesagt?

"Wohl nur hierzulande kann man auf die Idee kommen, es sei ein Geburtsfehler der Einheit gewesen, es nicht durch eine neue Verfassung ersetzt zu haben."
Warum war es eigentlich die bessere Lösung, keine neue Verfassung zu schreiben, also ein Grundgesetz 2.0? Hier wurde eher eine einmalige Chance verpasst, eine gesamtdeutsche Verfassung zu verfassen und die eine oder andere bisher bestehende Tücke zu abzuschaffen bzw. zu verbessern. Juristisch ist der Osten "nur" beigetreten und nicht zwei Teile vereint worden - soviel zur Ausdrucksweise!
Die sog. Bonner Republik hatte auch genung Macken, die es bis heute verdient hätten, verbessert zu werden.
Das einmal als Denkanstoß.

Der Ostblock war politisch bankrott. Als seine Machthaber den Wandel wollten, sahen Millionen Menschen die Chance. Viele Hasenfüße und blinde Trottel schätzten die Lage völlig falsch ein. Es hätte daher schlimmer laufen können, aber auch noch deutlich besser. Michail Gorbatschow hat den Friedensnobelpreis ja bereits bekommen. Helmut Kohl als Hauptverantwortlichen hinzustellen, ist grotesk. Er ist unser Kanzler der Einheit, war aber kein großer Staatsmann, sondern nur ein gewiefter Machterhalter. Kurzsichtige opportunistische Lügen sind normalerweise ebenso wenig wie korrupte Machenschaften und vorgeschobene Ehrenwörter ein Zeichen von Wundertätigkeit. Wem soll die Legendenbildung nützen? Der Wahrheit sicher nicht.

Ja ja, es wäre in der Tat eine nette Geste gewesen, wäre der Friedensnobelpreis allen jenen zusammen verliehen worden, die in den Wochen vor dem 9. November demonstrierten und dem System den Boden unter den Füßen wegzogen. Wenn die Demonstranten doch auch den letzten Schritt gegangen wären, nämlich aus eigenem Willen die Inner-Berlin und innerdeutsche Grenze zu überschreiten. Wenn sie doch nur am 4. November von der Kundgebung weg zum Brandenburger Tor gegangen wären! Stattdessen ließen sie sich von halbherzigen Illusionisten und Handlangern der SED täuschen und besänftigen, statt auf dieser Demonstration die Regierung der "DDR" für abgesetzt zu erklären. Und so kam es, dass erst die Ankündigung von Seiten des Systems, die Grenze sei offen, die Massen auf die Beine brachte. Das stört. Erfreulicher, auch für die Nachwelt, wäre es gewesen, hätten die Massen gegen den Willen der Machthaber die Öffnung der Grenze erzwungen.