
Ihrer Kollegen über die Schallplattenkollektion mit Wagner-Musik wäre vielleicht weniger groß gewesen, wenn sie Baudelaires Seufzer 'Ach könnte ich doch heute Abend noch ein wenig Wagner hören' gekannt hätten...

[wobei mir einfällt: Berlin braucht dringend ein monumentales Bismarckdenkmal vor dem wieder aufgebauten Schloß bzw. dem Reichstag, damit die mehr oder wenig politisch begabten Epigonen im Inneren auch wissen, wem sie das Dach über dem Kopf zu verdanken haben...] Aber mal im Ernst, liebe Medien: Ist da was im Busch oder was soll all dieser Terz? Man meint ja wirklich die beiden politischen Turteltäubchen wären dabei ihr Aufgebot zu bestellen? Und das böse Achsenwort schmieren wir uns bitte hier in die Haare! Man kann ja über die Österreicher im I. Weltkrieg sagen was man will: Aber schlecht geschlagen haben sie sich nicht! Doch die Pleite mit der Achse im II. Weltkrieg sollte genügen! Und diese Lachnummer Mussolini spiegelt sich allzu deutlich im Sarkozys Nikolaus wieder und selbst der Putins Wladimir wäre hier ein ziemlich zweifelhafter Aspirant: Bedenkt man, dass er in Tschetschenien ähnlich zu kämpfen hatte wie Mussolini in Abessinien. Also genug jetzt mit dem Achsenunfug...

...als Kompliment und Vertrauensbeweis und Zeichen der Versöhnung sehen denn als Lapsus? Ich finde es gut, dass es im Programm stand - der Geste wegen. Ich finde es auch gut, dass es nicht gesungen wurde - die dritte Strophe ist nunmal einfach schöner und genauso alt, und dass die Werte unserer heutigen Bundesrepublik schon damals so hochgehalten wurden, finde ich eine schöne Sache, deswegen bevorzuge ich diese zeitlose Strophe.

Wenn man, wie Herr Altwegg, dies Ende des 18. Jh. entstandene und von der Furcht vor ausländischen Invasoren motivierte Kampflied eines sich soeben als Nation von Staatsbürgern und nicht als Untertanen begreifenden Volkes als faschistisch bezeichnet, dann hat man den Entstehungszusammenhang der Quelle außer acht gelassen. Mit der gleichen methodischen Schwächekönnte man Cäsars De bello Gallico in die Nähe von Mein Kampf rücken. Ein irrer Gedanke, den ich mir in "meiner" FAZ nicht vorstellen mag.
Dahinter steckt natürlich - wie immer - ein kluger Kopf. Aber heute brummt ihm mächtig der Schädel!

Ihre Geschichtswahrnehmung ist doch arg einseitig und wohl auch revanchistisch.
Am 11.11.1918 hörte das Gemetzel auf. Das war wohl auch im Sinne der deutschen Soldaten, z.B. meiner beiden Grossväter. Zwei Tage vorher wurden wir endlich das aristokratische Pack los, das das deutsche Volk ausbeutete und diesen Krieg massgeblich mitverursacht hatte.
Dass die Niederlage bitter war und wir mit den Konsequenzen schlecht umgehen konnten, ist eine andere Geschichte. Es ist eben nun einmal so, dass wir Deutschen für den grössten Teil unserer Geschichte selbst verantwortlich sind.
Im übrigen gilt, dass der Vertrag von 843 eben doch ein grosser Fehler war, der nun langsam endgültig korrigiert wird.

ist der 1. WK erst mit Unterzeichnung des 2+4 Vertrages endgültig beendet worden. Alles dazwischen waren Etappen des Hasses, der Ungerechtigkeit, der Verbrechen, der Ignoranz, der Mißverständnisse, der Gewalt, aber auch der Freundschaft, Wiedergutmachung, Versöhnung, Eingeständnisse, des Verzeihens und des Aufeinanderzugehens. Es gibt keinen Grund mehr "dem anderen " etwas vorzuhalten. Wir können endlich "normal" darüber reden und die Dinge beim Namen nennen.

Europa war in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Spielball anderer Mächte, durch eigene Schuld. Seltsamerweise ist das vielen nicht bewußt. Ein Europa, das seine eigenen Interessen vertritt, kann nur auf einem engen Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland existieren. Zwischen unseren beiden Nationen, die einander in der Vergangenheit schwere Wunden geschlagen haben, brauchen wir viel Realismus und Sympathie. Auf dieser Basis müssen wir unsere Interessen und unser Verhältnis zu allen anderen Nationen definieren, vor allem den verschiedenen Großmächten des 21. Jahrhunderts. Sonst besteht die Gefahr, daß wir ein Anhängsel sind und unsere eigenen Interessen nicht mehr wahren können.

Die deutsch-französische Freundschaft, die Adenauer und de Gaulle begründet, Kohl und Mitterand vertieft, deren Früchte wir nun ernten dürfen, ist wohl das schönste Geschenk an beide Völker. Kulturell verbindet uns viel mehr als nur die Kriege. Die Wurzeln reichen viel weiter zurück, denken Sie nur an Karl den Großen, und sie wirken bis heute nach, insbesondere in den Grenzregionen. Ich habe das Glück mehrmals im Jahr Frankreich und insbesondere das Elsass besuchen zu dürfen. Man spürt dort besonders die Geschichte und die Verantwortung, aber auch das Glück. Zwischen Frankreich und Deutschland schlägt das Herz Europas. Und es ist immer wieder ein unglaubliches Gefühl, wenn man bedenkt, was beide Völker einander einmal angetan haben.

Ich finde das super, und an der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich kann ja auch kein Zweifel bestehen, diese erwächst schon aus der gemeinsamen weltweiten Interessenlage. Auch, daß Sarkozy in seiner Rede zugestanden hat, daß der Versailler Vertrag nicht vom Friedenswillen, sondern von Rache und Ressentiment getragen worden war, ist ein schöner Zug (wenn auch kein Geheimnis). Eine große Geste wäre es, wenn er zugestehen würde, daß Deutschland nicht die Alleinschuld an den Weltkriegen trägt. Denn alle Freundschaft und alle guten Worte trübt der Verdacht, daß diese Freundschaft nur möglich war, weil Deutschland seit Jahrzehnten und bis heute mit Geld bezahlt und sein Haupt gebeugt hält, für eine Schuld die ihm in die Schuhe geschoben wurde als es wehrlos war.
***Aber psst... das sagt man nicht!!!***

Die französische Nationalhymne ist nicht zu überarbeiten, da sie aus dem Geist der Entstehungszeit zu sehen und verstehen ist, dies gilt gleichwohl für die deutsche Hymne, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts von H. v. Fallersleben auf Helgoland geschrieben wurde, zu der Zeit gab es noch nicht das Deutsche Reich. Dies kam in der Ausdehnung und Form 20 Jahre später. Die drei Strophen könnten vorurteilsfrei gesungen werden, insofern ist dies in Paris angekündigte Singen nicht als peinlich einzustufen. Die Franzosen verbanden nicht das was uns nach dem 2.Weltkrieg vorgegebene, die Beschränkung der Nationalhymne auf eine Strophe. Der Inhalt der Hymne mit dem Text von der Maas bis an die Memel - von der Etsch bis an den Belt ist aus den Zeitgedanken des Dichters allein zu sehen. Nicht das Denken der Politik und damit verbundene Ansprüche sollten das Kriterium hierzu sein. Kurzer Exkurs dazu: meine Vorfahren sind aus Tirol über Salzburg nach 1775 als sogen. Habsburger Protestanten vertrieben worden und unter Friedrich dem Großen bei Stettin, Finkenwalde (poln. Podjuche) angesiedelt worden. Eine Nation sollte sich geistig entwickeln können, dies ist hier nicht ausdehnungsmäßig zu verstehen. Ist in Deutschland ein Nationalbewußtsein da ?

Haetten sie "Deutschlandlied" sagen sollen? Oder ist die Nationalhymne schon abgeschafft? Wer sagt denn, es sei peinlich?

Zwei Gedanken-Ableitungen von Herrn Altwegg sind mehr als fragwürdig: Der Gang von Mitterand und Kohl über die Felder von Verdun war eine Versöhnungsgeste der Franzosen als Überfallene an ihre nachbarländischen Aggressoren. Welchen "Canossagang" unter dem Stichwort "Vichy" sollte heute Merkel denn Sarkozy erleichtern in den Trümmern von Oradour? Das Sinnbild deutscher Barbarei, nun auch das Sinnbild des Tabus der Colaboration? Absurd!!! Dr. Merkel als Friedenspädagogin - la Marianne wird sich bedanken.
Kaum weniger schräg und arg kurz gesprungen: von dem mehr als erheiternden Beinahe-Protokoll-Lapsus der ersten Strophe des Deutschland-Liedes kommend die natürlich naheliegende Reflexion über die Marseillaise als "ziemlich faschistische(r/n) Gesang" anzustellen. Ca va pas de tout! In der Marseillaise fließt Blut, aber die französischen Truppen kannten sich mit Rotwein stets besser aus. Das Deutschlandland ist hehre Dichtung, reines Ideal, himmlischer Haydn - und doch war deutsches Militär, teutsche Herrenmenschen, später die Herrenrasse ein ganzes Jahrhundert lang der Inbegriff von Unmenschlichkeit und Barbarei.
Herr Altwegg, dommage!, tres dommage en ce jour d'amitie et d'esperance.

Warum um Himmels Willen moechte man unseren Nachbarn diese hervorragende Idee ausreden :-)

Jetzt müssen die Deutschen offenkundig erst über die Franzosen lernen, wieder unverkrampft mit ihrer eigenen Geschichte umzugehen. Aber Deutschland zickt und ziert sich - sooo weit will man doch nicht gehen, ein peinlicher Ausrutscher des französischen Staatspräsidenten, wie es reflexartig heißt. Wir sollten aber alle aufpassen: wenn wir Deutschen den Ball, der uns hier zugeworfen wird, nicht aufnehmen, laufen wir Gefahr, dass dieses 'Deutschland über alles' demnächst nur noch als Spottvers (über uns) verwendet wird. Europa hat gewisse Anforderungen an Deutschland, die aller vergangenheitsbewältigenden Tabus zum Trotz ernst genommen werden sollten. Der ganze Vorgang erinnert mich übrigens an einen französischen Arbeitskollegen aus den 80er Jahren in einer Beraterfirma im Ruhrgebiet. Der junge Kollege und Musikliebhaber hatte Geburtstag, und zum totalen Entsetzen der (deutschen) Kollegen wünschte er sich die Schallplattenkollektion von ... Richard Wagner ! 'Wieso ausgerechnet die Musik dieses teutonischen Monsters', hieß es im Kollegenkreis... man war baff, wo man dem französischen Kollegen doch so gerne Bert Brecht geschenkt hätte ...

Da bin ich ganz und gar nicht Ihrer Meinung.
Sie können doch nicht ernsthaft das Verhalten der Franzosen von vor 1914 den heutigen Franzosen vorwerfen.
Die heutigen Franzosen, die ich kenne, sind sich der historischen Verantwortung Europas bewusst und sehen den amerikanischen Imperialismus der letzten Jahre. Insofern wäre es für Deutschland sinnvoller sich mit Frankreich kurzzuschließen als mit den USA, deren europäischer Verbündeter GB bleiben wird. Da kann Frau Merkel mit Herrn Obama flirten soviel sie will.

Die Betrachtung der Entstehung des 1. Weltkriegs ist eine ganz andere als die des 2. Weltkriegs.An der Entstehung des 1.Weltkriegs waren auch die Franzosen nicht so ganz unschuldig,wie jetzt (auch jetzt beim Treffen der Kanzlerin mit Sarkozy im Rahmen der Feierlichkeiten) dargestellt wird. ALLE europäischen Grioßmächte -natürlich auch England,Österreich-Ungarn,Rußland-waren gemeinsame Verursacher.
Die europäischen Großmächte,aber auch etliche kleine Staaten und Völker (wie etwa die zu ÖSterreich-Ungarn gehörenden Jugoslawen,Serben,Kroaten) durchlebten während der Jahre vor dem Krieg mit Begeisterung einen Nationalistischen Höhenflug .Ohne darauf Acht zu geben,daß diese überhöhten National-Gefühle eines Tages explodieren müßten !
Die Franzosen haben bis heute ihre Mitschuld am 1.Weltkrieg nicht anerkannt.Wie sie auch nach dem 2.Weltkrieg alles daran setzten,wieder in die alte Rolle einer weltbeherrschenden Groß- und Kolonialmacht zu schlüpfen.Hier sei zB die kriegerische Rückkehr nach Vietnam genannt (mit dem Verlangen nach einem Atomwaffeneinsatz,dem die Amerikaner gottseidank nicht nachkamen!).Es war völlig richtig,sich außenpolitisch mehr den Amerikanern anzunähern!Denn dort war die größere Vernunft und Freundschaft angesiedelt!

Wenn man darüber spricht, daß Deutschland zu seiner kulturellen Identität und Normalität finden soll, so sollte daran erinnert werden, daß es bezüglich des 11.11.1918 für uns nichts zu feiern gibt. Das deutsche Unglück begann mit diesem Tag. Der Krieg wurde weitergeführt, „alle gegen einen, wenn auch ohne Sprengstoffe“ (Walther Rathenau). Die englische Hungerblockade, die noch bis Juni 1919 andauerte, forderte 1 Millionen Tote. Man demütigte unsere Nation und verweigerte ihr alle Rechte, die ansonsten großartig als „universal“ und „ewig“ deklariert worden waren. Angesichts der Menschheitsverbrechen, mit denen sich die Kolonialmächte der Entente seit Jahrhunderten besudelt haben, haben wir Deutsche nicht im Mindesten Anlaß, den ersten Weltkrieg, seine Entstehung, seinen Verlauf und Ausgang und vor allem seine Folgen mit unterwürfiger Zerknirschung zu quittieren.

Keine schlechte Idee.
Doch danach sollte ein Besuch Freudenstadts folgen.
Die Deutsch-Französische Freundschaft kann nur kompromisslose Ehrlichkeit in puncto gemeinsamer Vergangheit der beiden Nationen auf eine neue Ebene gebracht werden.

die deutsch-französche Freundschaft von der grossen Politike missachtet wurde. Die deutsch-französischen Partnerschaften auf Regionalebene funktionieren nach wie vor gut. Die hohe deutsche Politik kümmerte sich aber um sowjetische und US-amerikanische Interessen. Nach meiner Meinung wurde dies gezielt von den Großmächten gefördert.
Deutschland wurde hoffiert, Frankreich gebasht. Deutschland und Frankreich wären nämlich die einzigen Länder gewesen, die Europa eine Rolle im Spiel der Großmächte hätten verschaffen können. Nachdem nun durch die Finanzkrise der amerikanische Stern sinkt, hätte Europa die Chance wieder an alte Bedeutung anzuknüpfen.
Insofern würde ich mich freuen, wenn diese Freundschaft vertieft würde.