
@Ronald Bach:Ich habe verstanden – danke.Das Problem ist,dass die Finanzwirtschaft es sich leisten kann,unseriös zu sein,denn sie hat die Macht,die Kritik nicht.Schon Marxens Kapital begnügte sich nicht damit, die Fehler der bürgerlichen Ökonomie aufzudecken,sondern musste eine Wissenschaft begründen.Die bürgerliche (National-)Ökonomie ist niemals eine Wissenschaft geworden,sie kann es auch nicht, denn der erste Schritt dieser Wissenschaft wäre ihre ‚Selbstkritik’.So begnügt sie sich z.B. damit über Zinstheorien u.ä. ein Maximum an Mechanismen zu erfinden,die letztlich ihre Handlungen verschleiern helfen.Diese Verschleierungen – und die Gefahren daraus – aufzudecken, ist eine Sache, sie zu belegen (um sie zu bekämpfen), eine andere.Der Mastertrick des Finanzkapitals ist alles zu „Wert“ zu machen,um neue Profitmöglichkeiten zu erschließen.Dass aber „(Mehr-)Werte“ nur geschaffene Werte sein können, von Menschenhand- und kopf (Sie haben es beschrieben), verschweigt sie.Das Finanzkapital erwirbt auch Ihren Bauchnabel und lässt den patentieren,aber das ist kein „Wert“,jedenfalls nicht im ökonomischen Sinne und nicht in der Regel.Und daher ist die Frage für die Kritik so wichtig,wo Werte geschaffen werden, oder nur welche neu verteilt.

@Rüdiger Kalaupner: „Mit steigenden Zinsen gehen also die Unternehmens-Investitionen und die Konsumausgaben in die Knie, und das Sparvolumen der Reichen geht in die Höhe“. Und genau das habe ich aus dem Verhältnis von Geldgeschäft zu Produktionsgeschäft (80:20) geschlussfolgert („Eine Geldfalle“), wobei ich mir der Problematik einer linearen Funktion bewusst bin (sie dient nur der Veranschaulichung, nicht eines Beweises), denn Teile des Produktionsgeschäftes sind eigentlich Geldgeschäft (z.B. dort wo über Kredite das Produktionsgeschäft finanziert wird, bzw., was passiert, wenn der Kapitalstock einer Firma derart belastet ist, dass sie dann in Einzelteilen auf dem Markt angeboten wird, Stichwort: Hedge Fund, ist das dann nur ein Geldgeschäft?). Umgekehrt: Geldgeschäfte fließen auch in die Produktionsgeschäfte. Ich denke, dass genau dies der Grund für das Überhandnehmen von Geldgeschäften überhaupt ist. Positiv wie negativ. In einer Finanzblase machen viele Unternehmen mehr Gewinn mit den Aktien als in der Produktion (Siemens z.B.), umgekehrt aber auch: die Schuldentilgung vieler übersteigt womöglich den Gewinn aus der Produktion. – Daher Geldfalle.

Waere die Nationaloekonimie eine Wissenschaft, haetten wir kein Problem. Aber sie ist es nicht und kann es niemals sein. Ein wissenschaftliches Experiment fuehrt bei gleichen Voraussetzungen stets zum vorausberechneten Ergebnis. Nicht so in der realexistierenden Oekonomie, da hier die Zahl der Variablen(die groesste ist der Mensch selbst) unendlich ist. Krisenmanagement kann also allenfalls der Versuch einer Loesung sein. Dies beweist die maerchenhafte Zahl von unterschiedlichen Loesungsansaetzen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Keynes musste nicht damit rechnen, dass die alles entscheidende Geldindustrie sich ohne Grund selbst und damit auch die Realwirtschaft zerstoeren kann. Intransparenz, Inkompetenz, Amoralitaet, Habgier und fehlendes unabhaengiges Monitoring im Geldsystem haben zum Desaster gefuehrt, und das Vertrauen der Menschen vermutlich nachhaltig erschuettert. Warum sollte der Buerger auch Vertrauen zu Banken haben, wenn die sich untereinander am wenigsten trauen. Dass der Fall Madoff(weitere werden sicher folgen) ueberhaupt moeglich war, demaskiert in ganz besonders anschaulicher Weise den Morast im Geldsystem, das unsere Lebensverhaeltnisse bestimmt.

@ Herold Binsack: sollte ja auch eine Bestätigung sein... ...und ein Hinweis darauf, dass das Verhältnis zwischen Real- und Geldwirtschaft immer "ungesünder" wird und besonders in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Es ist doch ein Unterschied, ob ich tatsächlich reale Werte schaffe, verteile, repariere etc. oder einfach nur mit Finanztricksereien aus Geld mehr Geld mache (siehe Carry-Trades u.ä.). Diese Abkopplung der Geldflüsse vom Warenverkehr führt dann in regelmäßigen Abständen dazu, dass die Blasen etwas Luft lassen. Siehe die 7 Billionen Dollar, die in den USA in der aktuellen Finanzkrise einfach so verpufft sind. Welch ein Gegenwert... - oder gab es den überhaupt nicht? Scheint ja nur virtuelles Geld gewesen zu sein. Oder die aktuelle Übernahme der Sperrminorität des Bundes bei der Commerzbank. Wo lag denn das Geld dafür? Oder hat man sich das direkt bei der Konkurrenz geliehen? Fragen über Fragen :-)

Nachtrag: Die Reaktionszeit von Zinsveränderungen zu Investitiones-/Konsumausgabe-/Zinseinkommens-/Sparvolumens-Änderungen ist für den Konjunkturverlauf entscheidend, d.h. von der Festzins- und Variabelzins-Festlegung bei den Krediten/Anlagen. In den USA haben wir einen hohen Anteil von Variabelzins-Krediten. Sie erzwingen einen dynamischeren Konjunkturablauf. Deshalb auch die hohen Wellen bei der Zinspolitik der FED. Wenn man die Interessenlage analysiert, die für Keynes spricht, dann ist eines klar: der gut verhüllte Systemirrtum S = f(Y), der einen Megadefekt darstellt, dient in genialer Weise der Installierung eines kapitalstockmaximierenden Wachstumszwang-Regimes. BIP-Wachstum und ein stabiles Kapitalisten-/Kapitaleinkommens-Paradies wird mit Keynes nur über Investitionen erreichbar. Wegen dieses Effektes hatte Joseph Schumpeter keine Chance. Ein weiterer Defekt des Keynes'schen Modells ist die Annahme, dass die Bruttoarbeitskosten nicht sinken (können), d.h. dass die Schere zwischen steigenden Faktorkosten für Arbeit zu nichtsteigenden Energie-/Sachkapital nicht umgekehrt werden kann. Im Rahmen der ökosozialen Umfinanzierung ist dies aber möglich und zum Sturz des Wachstumszwang-Regimes auch existenziell notwendig.

Der Defekt im Keynes'schen S = f(Y) = I = f(r) -Modell ist offensichtlich - aber von keinem Ökonomen offengelegt, weil er den Mächtigen dient. Nachvollziehbar ist doch, dass in den (früh-)entwickelten Industrienationen (= mit hochverschuldeten Konsumenten und kapitalstockintensiver Wirtschaft) die Zinsveränderung massiv sowohl auf die Konsumausgaben der zinszahlenden, verschuldeten Konsumenten wie auf die Sparvolumen der Kapitalgeber/(Super-)Reichen einwirken. Im kurzfristigen Abschnitt gilt S = f(r) - ganz einfach deshalb, weil die reichen Kapitalbesitzern/-geber hauptsächlich sparen, d.h. deren Konsumausgaben sind ja wohl unabhängig von den kurzfristig steigenden/fallenden Zinseinkommen. In Deutschland werden wohl über 20 Mrd € pro Zinsprozent zwischen Konsum und Sparen so hin oder herbewegt. Wenn wir die Seite der nicht-reichen Konsumenten und besonders die Hypothekennehmer-Haushallte betrachten, so ist K = f(r), weil diese auf die höhere Zinslast sofort mit Konsumverzicht/Zwangsparen antworten. Mit steigenden Zinsen gehen also die Unternehmens-Investitionen und die Konsumausgaben in die Knie, und das Sparvolumen der Reichen geht in die Höhe. Es kommt zum S=I-Gleichgewicht - ohne Y-Einwirkung. Fazit: Vergesst Keynes!

Grundsätzlich, eine sehr schöne Darstellung des keynesianischen Modells. Aber, ist die expansive Fiskalpolitik tatsächlich die gesuchte Lösung für die heutige Situation? Ich wage es zu bezweifeln. Die Geldpolitik mit ihren Zinssenkungen funktioniert nicht (obwohl wir ja bekanntlich ein halbes Jahr abwarten müssen). Die exp. Fiskalpolitik, wird gleichermaßen kläglich scheitern. Dies hat mit den bereits in den anderen Beiträgen geschilderten Ursachen zu tun, den außenwirtschaftlichen Faktoren und der strukturellen Unzulänglichkeit des Finanzsystems. Keynes geht 1936 (!!!) von einem durchlässigen Finanzsystem, bei einem vergleichbar sehr geringem Konsum aus. Heute (2009) ist es (durchlässiges Finanzsystem) nirgendwo mehr auf der Welt existent (auch s. in dieser Zeitung, Commerzbank). Die mangelnde Durchlässigkeit des Finanzsystems, hat die Zinssenkungen in allen Volkswirtschaften im Jahre 2008 zunichte gemacht. Das Geld kommt beim Verbraucher (Konsumverhalten unverändert) nicht an. Es können, trotz staatlicher Intervention weder Unternehmens-, noch Privatkreditte gewährleistet werden. Der Staat, müsste sich auch bei keynesianischer Fiskalpolitik des gleichen Finanzsystems bedienen. Dies hätte den gleichen "Erfolg".

@Ronald Bach: 1:180: Ich widerspreche Ihnen höchst ungern, denn damit bestätigen Sie meine Erklärung ja nur, aber ich denke, dass man den Vergleich so nicht machen kann. Zu den Gütern, die dem Geld gegenüberstehen, muss man fairerweise auch die, die nicht gerade bewegt werden - als Ware - , benennen, zum Beispiel solche, die zwecks jener ‚Bewegungen’ investiert sind (und zum Teil auch ins Geldgeschäft eingegangen sind), also die Industrieanlagen, z.B..Desweiteren muss man bei den ‚Gütern’ herausarbeiten, ob sie als ‚Tauschwerte’ generell dem Markt zur Verfügung stehen, oder eben nicht (wie ordne ich privaten Wohnungsbesitz ein?). Noch schwieriger ist das mit den Dienstleistungen. Wie bezeichne ich z.B. unbezahlte Hausarbeit (unbezahlte ‚Liebesarbeit’)? Ist sie Teil der Werterfassung oder nicht? Hochkomplexe Fragestellungen - und daher auch so schwierig zu beantworten. Aber nur so kann man den Wert des Geldes (und die Bedeutung des Geldgeschäftes) seriös messen und damit auch die Problematik erfassen, auf die ich verweise. Am Rande erkennbar natürlich auch: die unermessliche Quelle für jene Geldgeschäfte, wenn es diesen gelingt, alles zu „Wert“ zu machen, und: so schwierig ist Kapitalismuskritik.

dann sind ja alle Probleme in Kürze gelöst, warum dann die ganze Aufregung, wenn man so ein leichte Lösung der Probleme kennt.

Nun wird wieder Keynes bemüht, ohne aber dem Bürger zu verraten, worum es eigentlich geht, bzw. was sich grundlegend verändert hat - seit Keynes und durch das Finanzkapital. Dass man Geld doch nicht essen kann, ist keine rhetorische Phrase, sondern ein ganz ernst gemeinter Einwand, denn Kapital wird gegenwärtig gegessen, aber Geld ist halt kein Kapital. - Und das ist wesentlich! Kapital ist heute alles was von Wert ist, und dahinter verbergen sich reale Güter - noch! -, und die werden verfressen. Geld ist nur die Form, das Äquivalent hiervon, und das ist tatsächlich ungenießbar, da nicht wirklich. Kapital hingegen ist wirklich, aber nur in der Realisierung des Mehrwerts, also nachträglich, nach der Produktion von Gütern, auf dem Markt, und auch nur als Abstraktum. Bleibt diese Realisierung aus, ist auch das Kapital plötzlich weg, so als wäre es nie dagewesen. So unwirklich wie Geld, ja unwirklicher, denn Geld erscheint immerhin auf dem Papier, Kapital dann nicht mal mehr in den Büchern. Und dann kommt das Merkwürdigste: im Kapitalismus haben dann plötzlich auch reale Güter keinen (Gebrauchs-)Wert mehr, da keinen Tauschwert. Brot ist dann nicht mehr zum Verzehr bestimmt, sondern für den Müllhaufen. - Eine verdrehte Welt.

Was Sie meinen ist die Stagflation als Folge der keynesianischen Wirtschaftspolitik in Reaktion auf die Wirtschaftskrise der Jahre 74/75 in Deutschland. Nach Keynes soll eine Inflation nur einen Aufschwung begleiten können, tatsächlich stiegen die Preise jedoch, da die Unternehmen die steigenden Lohnkosten direkt in Preiserhöhungen umsetzten ("Lohn-Preis-Spirale"), ohne daß das BSP stieg. Ich finde den Artikel auch sehr gut, es müßte nun ein Artikel folgen, warum Keynes heute von vielen als ein Übel angesehen wird.

Ich kann mich erinnern, dass die klugen Volkswirtschafts-Sachverständigen wie Herr Keynes zu ihrer Zeit noch gar nicht so hießen, sondern damals nannte man das Fach welches wir heute als VWL kennen: Nationalökonomie Daher kann man die Lehren von damals nicht unbedingt 1:1 in die heutige Zeit übernehmen, denn wir haben keine abgeschotteten Nationalökonomien mehr. Nicht mal China, Iran oder Korea sind völlig losgelöst von der Weltwirtschaft, wir schon gar nicht! Deswegen können diese Modelle nur das sein, was alle Modelle sind: stark vereinfachte Abbilder eines angenommenen Sachverhaltes... Daher auch die Geraden in den Modellen, die tatsächlich unter der sog. ceteris-paribus-Annahme (alle anderen Parameter bleiben gleich) erstellt werden. Wir wissen aber alle, dass es unendlich viele Parameter gibt, die eben doch Auswirkungen auf das Ergebnis haben. @ devin08: ich habe gelesen, dass das Verhältnis des Wertes aller international gehandelten Waren zur Gesamtheit aller Geldflüsse im letzten Jahr in etwa bei 1:180 gelegen hat. D. h. es ist 180 mal mehr Geld im Umlauf, als man als realen Gegenwert per Container zu Luft, Land, Wasser weltweit transportiert und verkauft hat. Wo sind denn die 7.000.000.000.000 Dollar in den USA geblieben?

Schöner Artikel - aber bei allem Gerede über Konjunkturpakete und Berufen auf Keynes, es fehlt leider die entscheidende (Grund)Voraussetzung: Nach Keynes sollten Staaten in wirtschaftlichen Hoch-Zeiten Rücklagen schaffen, um in Krisenzeiten intervenieren zu können... - D. h. dass man einen Staatsüberschuss investieren sollte bzw. wenigstens eine scharze 0 vor der Intervention (so dass man nach der Krise die Schulden wieder tilgt)! Da Deutschland aber lediglich Schulden angehäuft hat, fehlen schonmal die Grundvoraussetzungen des Keynes-Modell! Über die Sinnhaftigkeit kann dann jeder selber urteilen...

Keine Frage, alles deutet auf eine Liquiditätsfalle.Und unter diesen Umständen könnte der Staat,das Geld das er zur Zeit den Banken schenkt – wobei die damit nichts bewirken – gleich dem Bürger schenken,in der Hoffnung,dass sich dadurch was bewegt.Die Frage ist aber:was soll sich bewegen?Und um das zu beurteilen, sollten wir erstmal wissen,wie viel Geld wie viel Gütern und Dienstleistungen gegenübersteht.Oder anders gefragt:welche Rolle spielt die Produktion an Gütern und die Bereitstellung von Dienstleistungen noch im Verhältnis zum reinen Geldgeschäft? Ich hörte mal 20% (Güter und Dienstleistungen) zu 80 % (Geldgeschäft).Und dann stellt sich die nächste Frage:wohin fließt das Geld? Ins Geldgeschäft gar?Und was wäre dann gewonnen?Mir scheint dies nicht nur eine Liquiditätsfalle,sondern eine Strukturkrise unbekannten Ausmaßes bzw. von hoffnungslosem Zustand!Denn es ist doch klar,dass ein solches Geldgeschäft die Produktion nicht mehr fördert,sondern belastet,da die (Kapitalmarkt-)Zinsen tendenziell immer nach oben getrieben werden,womit letztlich nur das Geldgeschäft gefördert wird. – Eine Geldfalle also!Und wie kann da noch „Wert verwertet“ (Kapital geschaffen) werden,doch wohl nur noch verzehrt.Aber Geld kann man nicht essen.

Ich bin leider nicht so wissend, was wirtschaftliche Zusammenhänge angeht. Aber ich kann mich daran erinnern in der Schule gelernt zu haben, dass es in den 70er Jahren beim Staat in Mode war, bei einer Konjunkturflaute viel zu investieren, um die Konjunktur anzukurbeln, um dann im Aufschwung das Geld wieder reinzubekommen. Wir haben auch gelernt, dass das nicht funktioniert hat und dass wir deshalb heute eine so hohe Verschuldung haben. Zwei Fragen: wieso machen die leitenden Politiker, also der Staat, immer das gleiche, obwohl man weiß, dass es nicht funktioniert und nur die Probleme auf die Zukunft abwälzen? Wie lange geht das noch gut? Manch einer behauptet auf letztere Frage, dass Staaten nicht pleite gehen können; Island und Lettland haben doch Staatsbankrott angemeldet? Außerdem eine Kritik als Physiker: Keynes Modell scheint auf einem linearen Modell zu beruhen (deshalb die Geraden in den Diagrammen). Ich glaube aber, dass diese komplexen Wirtschaftszusammenhänge nur mit einem nichtlinearen Modell korrekt beschrieben werden kann, was natürlich dann wesentlich komplexer ist (anschaulich: aus den Geraden würden Schlangenlinien). Hab ich da irgendwo einen Denkfehler? Kann das mal jemand aufklären?