„Zunächst hat das Individuum an Freiheit gewonnen.“
Früher dachte ich immer, solche Aussagen seien Zynismus oder zumindest vorsätzliche Täuschung. Mittlerweile bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass solche Aussage auf einer unglaublichen Realitätsresistenz beruhen.
Die Ähnlichkeit solcher Marktradikalen wie Friedman zu religiösen Fanatikern ist unübersehbar. Alles wird der vermeintlich reinen Lehre untergeordnet, der Lehre wird gefolgt bis in den Untergang.
Friedman sagt es im Interview ja selbst, dass er ein Radikaler ist. Die Kommunisten waren auch Radikale, die basierend auf einer Theorie unsägliches Leid über viele Menschen gebracht haben. Es ist bekannt, wie das geendet hat.
Friedman ist ein Kommunist mit umgekehrten Vorzeichen. Statt den Markt zu verteufeln (Kommunismus) erhebt er einen entfesselten freien Markt zum Ziel. Beide Theorien versprachen und versprechen ein besseres Leben für alle. Beide Theorien sind an der Realität gescheitert, nicht ohne vorher erheblichen Schaden anzurichten.
Oh großer weiser Mann....
Andreas Wessels (PhunkyData)
08.09.2006, 12:39
Noch kurze sachlicher Anmerkungen:
Arbeitslosen-Geld II z.B. ermöglicht ein Leben, das sich (auch relativ) ein einfacher Fabrikarbeiter in China sich (noch) nciht von seinem Lohn leisten kann. Arbeiter in aufstrebenden Industrien aber verdient dort so viel, dass sie von weit her anreisten und Geld an die zurückgebliebene Verwandscahft überweisen.
Ausbeutung ist ein noch unpräziser gebrauchter Begriff wie Armut. Versachlicth wäre er normierend zu präzisieren; mit statistischen Daten zu versehen. Z.B. - Ausbeutung kann nur sein: erbrachte Leistund weit unter ortsüblichem Niveau zu honorieren.
Friedmans Äusserungen bestätigen die bekannten Vorurteile gegen die US-Amerikaner. Die freie Marktwirtschaft erfährt den Status eines Dogmas, das zu hinterfragen fast zum "Negationismus" wird. Das soziale Europa wird belächelt und mit einem Museum verglichen. Die Autobahnen China und Indien schauen bekanntlich auf die USA als Vorbild, sind noch jung und unverdorben, bieten der Welt unfreiwillig billige Arbeitskräfte an, sind daher die perfekten Kandidaten für eine zukünftige "kollegiale" Führung der Welt. Dass die USA auch ihren Teil daran haben werden, steht für H. Friedman ausser Frage: wie es sich gehört, "good or bad, it is my country!".
Und so fortschrittlich ist auch einer nicht, der vor 5 Jahren nicht wußte, was Google ist und seine erste Tasse Kaffee erst vor 15 Jahren trank.
Müssen wir uns wirklich jedes Geschwätz aus den USA anhören?
Auf:
Andreas Wessels (PhunkyData)
08.09.2006, 12:39
Die Globalisierung hat also nach Friedman`s Auffassung viele Menschen aus der Armut geholt?!
Meiner Meinung nach liegen die Zahlen derer, die dank der Globalisierung in die Armut gerutscht sind jedoch wesentlich höher als anders herum.
Und wo soll Armut durch die Globalisierung enstanden sein? Bitte um Beispiel.
Und gleich vorweg. Das zählt nicht: Dass sich nciht mehr alle Putzfrauen in Deutschland jetzt mehr den Wochenendtripp nach Mallorca leisten können
Es ist wirklich ermüdend, immer wieder den gleichen Sermon in der Zeitung lesen zu müssen. Der "Freihandel", als "Globalisierung" verbrämt, hat unsäglich viel Leid in die Welt gebracht.
Er führt dazu, daß sich Reiche die Staaten aussuchen können, in denen sie besteuert werden wollen, womit ihre Steuerlast sinkt.
Er führt dazu, daß sich Unternehmen die Staaten aussuchen können, in denen die Löhne und Sozialabgaben am niedrigsten sind und die Arbeitsschutz und Umweltauflagen am geringsten sind, was zu einem Absinken des Sozial- und Umweltschutzniveaus führt.
Die Folge dieser anarchistischen Weltordnung sind hemmungslose Umweltzerstörung und Lohn- und Steuerdumping. Durch letzteres entsteht eine Vermögensverteilung, die -- mangels Nachfrage -- in Erwerbslosigkeit auf der einen und -- mangels realer Investitionsmöglichkeit -- zu Spekulation auf der anderen Seite führt.
Diese Realität hartnäckig zu leugnen und z.B. Staaten, in denen viele Menschen nicht lesen und nicht schreiben können und in Slums leben, Staaten, in denen Kinderarbeit herrscht, als vorbildlich anzupreisen, das ist Ideologie!
Eine dumme obendrein, da sie auch den Reichen, die vor der Kriminalität in Schutzburgen flüchten, keinen Vorteil bringt.
Ich finde du hast z.T. recht.
Dennoch sollte man hier korrigieren:
Nicht:
"Marktwirtschaft verbessert permanent die Lebenssituation jeder agierenden Person."
Sondern:
"Jede agierende Person verändert permanent die Situation der Marktwirtschaft".
Das ist neutraler.
Hahaha. Flach sind hier eher sämtliche Gehirnströme.
Wenn Starbucks ein innovatives Unternehmen mit exzellentem Kaffee ist und Google das Tool des Jahrzehnts,.. dann sollte Papa Razzi, Paris Hilton als die neue Jungfrau Maria küren.
Es ist doch irgendwie schon wieder total langweilig contentmäßig eigenen Content, web2.0-technisch rumzubloggen, weil die Pipeline zur Timeline gerade extrem billig ist.
Wie wäre es denn mal wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen und die schönen Berge und Täler, die unsere Welt immer noch ausmachen, zu betrachten. Und vor allem mal gescheite Bücher lesen.
Was die beiden ersten Kommentatoren völlig zu übersehen scheinen, ist der Umstand, daß es in einer freien Marktwirtschaft keine Ausbeutung geben kann.
Jeder Vertrag, jede Leistung und jeder Handel beruht ausschließlich auf Freiwilligkeit. Erst die angeblich so tolle Politik, erst staatliche Gewaltanmaßung, politische Gewaltandrohung und staatliche Gewalttat unterbindet die für alle beteiligten vorteilhaften Geschehnisse auf einem freien Markt.
Deswegen freue ich mich über das Eintreten für Marktwirtschaft, wie es Friedman hier leistet. Für Probleme ist die Politik zuständig. Und zwar als Auslöser.
Marktwirtschaft verbessert permanent die Lebenssituation jeder agierenden Person.
ja andreas, ich kann dir nur recht geben: unser ganzer wohlstand ist auf ausbeutung aufgebaut, das war in ägypten so, das ist in europa so und wird vermutlich auch in china so sein. wir müssen jetzt zwar keine pyramiden mehr mit hilfe von sklaven bauen, es ist jedoch heute einfach nicht mehr so ersichtlich. wenn man es genau nimmt ist die ganze welt, jeder einzelne mensch, ein sklave des westens. wir streuben uns zwar hunger und leid in afrika anzuerkennen, aber es wäre um einiges schlimmer, wenn wir für unseren pullover, taschenrechner,.... das doppelte zahlen müssten.
uns europäern bleibt jetzt nur zu hoffen, dass wir nicht mehr erleben wie china und indien den ton angibt oder sie einen anderen rücken finden auf dem sie ihren wohlstand aufbauen.
ich hoffe für uns das beste, also dass wir ausbeuten!!!!!!!
Warum China und Indien sechspurige Schnellwachstumsglobalisierungsautobahnen sind, dazu brauche ich nicht Friedman heissen.
Dort kann jeder Konzern und sei er noch so klein die Angestellten für einen Apfel und ein Ei ausbeuten.
Das ist also der Grundtenor der Globsalisierung, wenn ich das mal für mich zusammenfassen darf.
Ausbeutung!
Die Globalisierung hat also nach Friedman`s Auffassung viele Menschen aus der Armut geholt?!
Meiner Meinung nach liegen die Zahlen derer, die dank der Globalisierung in die Armut gerutscht sind jedoch wesentlich höher als anders herum.
Auch die angeblichen Beispiele mit dem nahen Osten hinken. Es geht nur indirekt um Religion.
In erster Linie geht es auch dort um Ausbeutung und ungerechte Behandlung der Länder im nahen Osten durch Ölkonzerne und Industrienationen.
Religion ist "immer" schon, der letzte Halt für Menschen gewesen, wenn es besonders schlimm um eine Nation stand.
Das war früher nicht anders als heute.