Unsicherheit über die eigene Rolle: deutsche Soldaten in Kundus

Die politische Klasse hat der Öffentlichkeit bis heute nicht Rechenschaft über das abzulegen vermocht, was in Afghanistan wirklich geschieht. Die Versuche, die Soldaten auf den Einsatz vorzubereiten, liest sich als eine Geschichte verpasster Gelegenheiten. Von Michael Hanfeld

Lesermeinungen zum Beitrag

18. Dezember 2009 23:25
Ebenso gut könnte man verkünden, dass der Tag hell und die Nacht dunkel sei!  
Harry LeRoy (Cimon)

Denn jedem Menschen, der in den letzten 8 Jahren die Nachrichten verfolgte, sollte klar sein, dass in Baktrien Krieg geführt wird; seitdem die Amerikaner dort mit ihren Vasallen (zu denen leider auch dieser unglückliche Staat gehört), eingefallen sind; ob man den dazu gebrauchten Vorwand gelten lassen soll, ist fraglich: Zum einen sind die Amerikaner 1998 bei den Anschlägen in Kenia und Tansania nicht gegen den Sudan und Baktrien in den Krieg gezogen, sondern haben es mit einigen symbolischen Luftschlägen bewenden lassen und zum anderen muß, schon allein aufgrund des angeblichen Kriegsgrundes in Vietnam (der später als Lüge zugegeben wurde), der ganze Vorgang ohnehin skeptisch betrachtet werden; feststeht aber, dass die USA nicht grundsätzlich wegen eines größeren Anschlags gegen die vermeintlichen und tatsächlichen Verantwortlichen und deren staatliche Gönner ins Feld ziehen. Es bleibt also die Frage, was die USA in Baktrien genau bezwecken: Die Ausbreitung der Demokratie scheidet nach den gefälschten Wahlen aus, bleiben also die üblichen geo-strategischen Sandkastenspiele, um Einflusssphären und Rohstoffe und will man wirklich dafür seine Truppen opfern? Zumal der Krieg ohnehin nicht in kurzer Zeit zu gewinnen wäre…

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18. Dezember 2009 18:56
Versäumnisse des Parlamentes?  
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)

Leser Dieter und Wolf, Ihr seid ganz schoen naiv. Die Berliner Funktionaere haben nichts 'versaeumt', haben vielmehr verschleiert (den tatsaechlichen Grund fuer das (Schein-)Engagement Deutschlands in Afghanistan) - was ethisch noch viel verwerflicher ist.

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18. Dezember 2009 15:48
Ein guter und mutiger Artikel  
Gerhard Wolf (G.Wolf)

Herr Hanfeld beschreibt die Situation ungeschminkt wie sie ist. Die Politik hatte nicht den Schneid dem Volk den Afghanistan-Einsatz zu erklären, statt dessen flüchtete man sich in verbale Scheingefechte und verstrickte sich damit immer mehr in die eigene Scheinrealität, die mit der tatsächlichen Lage in Afghanistan nichts mehr zu tun hatte. Zu einem Krieg gehört eben auch Mut (zur unschönen und unbequemen Wahrheit) von Seiten der Politiker, doch der scheint dort nicht vorhanden zu sein. Es gibt nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder man wacht auf, engagiert sich mit vollem Einsatz und schafft endlich Rechtssicherheit und Handlungsspielraum für die Bundeswehr, der der afghanischen Realität gerecht wird oder man beendet das ganze und überlässt das Land den skrupellosen, religiösen Eiferern, mit ungeahnten Folgen für unsere weltweite Reputation. Gleichzeitig gäbe man ein Signal an alle terroristischen Vereinigungen, dass sie nur hartnäckig genug sein müssen, denn der Westen hält keinen längeren Waffengang mehr durch. Zu Guttenberg spricht bereits von einer Rückzugsstrategie...

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18. Dezember 2009 15:44
Gravierende Versäumnisse des Parlamentes  
Hans-Heinrich Dieter (hhkfdieter)

Danke für den guten und treffenden Artikel.
Die deutsche Politik hat es versäumt, für den Afghanistan-Einsatz ein gesamtstrategisches Konzept zu formulieren, an dem sich die Politik sowie die Politiker mit ihren Aussagen orientieren können und auf dessen Grundlage dem Bürger unser Einsatz im Rahmen des Bündnisses plausibel erklärt werden könnte. An den szenarien-abhängigen Zielsetzungen eines solchen Konzeptes wäre dann natürlich auch sicherheitspolitischer Erfolg und Misserfolg zu messen sowie die Stimmigkeit der daraufhin getroffenen politischen Maßnahmen. Das scheuen unsere Politiker.
Das Parlament hat es außerdem versäumt, die politischen, juristischen und militärischen Rahmenbedingungen entsprechend der stark verschlechterten Sicherheitslage zu definieren und entsprechende Maßnahmen ergreifen zu lassen, damit die Soldaten im Einsatz ihren Auftrag mit Aussicht auf besseren Erfolg erfüllen können. Das Parlament wird so seiner Verantwortung für die Parlamentsarmee Bundeswehr nicht gerecht. Der ehemalige Generalinspekteur hat als der erste militärische Berater einen großen Anteil an dieser traurigen Lage.
Und es wird höchste Zeit, dass der deutsche Außenminister die Federführung für die vernetzte Sicherheitspolitik wahrnimmt.

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18. Dezember 2009 12:35
Die Trottel unserer Nation...  
Uwe Wagner (view)

... wer darf sich so fühlen?
Unsere Soldaten in Afghanistan? Wir die Bürger/innen? Oder unsere Politiker?
Kann sein wir alle sind Trottel: weil wir uns alles vorlügen lassen, weil wir jeden Quatsch mitmachen, weil wir nur Mist bauen, weil wir nur Käse labern, weil wir Trottel als unsere Volksvertreter wählen.
Deutschland der Trottelstaat! Als Taliban würde ich die Sachlage so bezeichnen.
Versuche, Rechenschaft, vergeudete Zeit, verpasste Gelegenheiten → sprich nur Pleiten Pech und Pannen geschmückt mit blauäugigem Unvermögen und abstruser Verlogenheit.
Ich lebe im aussereuropäischen Ausland und beginne mich als Deutscher zu schämen. Die Blicke die mir die Leute auf der Straße zuwerfen sind die schon mitleiderregend? Sind sie hämisch? Meine Güte, was haben unsere Politheinis da angerichtet?

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18. Dezember 2009 12:13
Hätten wir doch ...  
Reinhard Liesaus (R.Liesaus)

... endlich einen Kriegsminister mit Rückgrat ? Ich glaube viele der Kommentatoren verkennen die Situation gewaltig. Es geht doch nicht um SPD, FDP oder CDU oder Linke, Grüne oder um irgendeine Partei. Es geht um die Soldaten in Afghanistan. Nur darum geht es. Eben dieser balublütige Kriegsminister hat einfach nicht das Rückgrat sich hinter seine Soldaten zu stellen, weil es unbequem ist. Merkt das sonst niemand ? Ob nun SPD oder Frau Meyer den Hochwohlgeborenen angreift ist mir relativ egal, es muss etwas passieren und zwar "JETZT". Da braucht es einen Mann und keinen gelackten Sesselpupser, der erstmal klären muss ob etwas angemessen war oder nicht. Verantwortung heisst die Devise, seinen eigenen Popo kann er morgen absichern. Ertsmal müssen die Soldaten aus der Schusslinie, danach kann er seinen Kopf einziehen und zur gepflegten Selbstverteidigung übergehen. Das hat er nicht und viele Kommentatoren hier nicht verstanden. Wird er auch nicht, werden aber vieleicht bald ein paar mehr Leute in Deutschland. Er wird weiter Soldaten ins Feuer schmeissen und hat aus all dem nichts gelernt. Raus aus Afghanistan oder einen klaren Auftrag mit allen Konsequenzen muss es "JETZT" geben.

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18. Dezember 2009 12:08
Neuer Bundestag, neues Mandat  
Robert Schrey (etiterum)

Diese Demokratie ist eine gute Methode, sich für alles zuständig aber für nichts verantwortlich zu erklären. Das Mandat stammt noch vom alten Bundestag, der neue hat dazu nie irgendetwas gesagt. Damit sind die Politiker dieser Wahlperiode für nichts verantwortlich was in Afghanistan geschieht.

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18. Dezember 2009 11:43
Nun ja  
Ronald Gruenebaum (bruxman)

Der Artikel selbst ist ja eine verpasste Gelegenheit zur Beschreibung der Wahrheit.
Die BW ist in Afghanistan, weil die NATO eine Aufgabe braucht. Eine Behörde wie die NATO kann sich eben nicht selbst abschaffen, nur weil ihr der Feind abhanden gekommen ist. Deshalb wurde der "Bündnisfall" konstruiert: Al-Kaida Sympathisanten fliegen in zwei Häuser in New York, Al-Kaida hat Freunde in Afghanistan, also hat Afghanistan die USA angegriffen. Die NATO muss nach dieser schlichten Denkweise den Amerikanern zu Hilfe eilen und Krieg in Afghanistan führen.
Das Dumme ist nur, dass Al-Kaida längst nicht mehr in Afghanistan ist und dass die Afghanen sich ihrer alten Tradition der Bekämpfung fremder Invasoren besinnen. Dass die Taliban ein kranker Haufen sind, wird da schnell sekundär. Und damit befinden sich NATO und BW in einem Guerillakrieg, der nicht zu gewinnen ist. Trotzdem bleibt ein zynischer Nutzen: Die NATO hat wieder eine Aufgabe, die Soldaten kriegen praktische Übung, die Politiker fühlen sich als global players und die Rüstungsindustrie macht Geschäfte.

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18. Dezember 2009 11:30
Nachher sind alle schlauer  
Harry Hain (zx10)

und haben es schon immer gewußt. Vor allem diejenigen, die den Auftrag erteilten (SPD/Grüne). Heuchler.

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18. Dezember 2009 11:14
Fahne auf Halbmast  
A. Hund (TriPro)

Der Platz des Soldaten soll in der Mitte der Gesellschaft sein!
In jedem der Konflikte, der vergangenen 20 Jahre haben sich Soldaten der Bundeswehr in Gefahr begeben und habe hierfür Waffen zur Verteidigung seitens
des Dienstherren geliefert bekommen. In den meisten Fällen haben diese Waffen den Zweck der Drohgebärde; in Afghanistan ist der Schwelle der Gebärde von Anfang überschritten worden und die gegnerische Partei hat von Anfang an mit offener Aggression agiert.
Das eine Nato Bombe auf den Befehl eines deutschen Offiziers hin auch Zivilisten getötet hat ist mehr als bedauerlich und für einen schnellen Befriedungsprozess sicher nicht hilfreich aber seitens der gegnerischen Partei gewollt. Denn Zivilisten oder zivile Gebäude als Schutzschild zu benutzen ist schon immer ein Mittel des faktisch unterlegenen Kontrahenten gewesen.
Wir werfen unsere Soldaten in ein Hornissennest und wundern uns, dass sie versuchen sich zu verteidigen und zeigen wenn es uns in Kram passt tiefe Betroffenheit wenn die Soldaten im Blechsarg zurück kommen.
Die Fahnen im Wind hängen auf Halbmast weil es leichter ist anzuklagen als Stellung zu beziehen.

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18. Dezember 2009 11:10
der Hanfeld-Artikel  
Horst Dettweiler (dettw)

endet mit dem Wörtchen "Jetzt". Dieses gibt es in der deutschen Politik aber nicht, ausgenommen bei Steuererhöhungen. Sonst wäre dieses Wörtchen "Jetzt" nämlich zu Beginn des Kriegseinsatzes gefallen. Wir sagen der ganzen Welt - ob sie es hören will oder nicht - wie man alles richtig macht. Nur wie es funktioniert, wissen wir nicht.

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18. Dezember 2009 11:04
Unwissenheit  
Mario Bracke (DerMajo)

Das dass, was in den Medien verbreitet wird (meist für bare Münze genommen), auf die goldene Waage gelegt wird, ist sicher jedermanns Recht. Meiner Meinung nach aber nicht erforderlich. Otto Normalverbraucher kann ohne Offiziersrang oder hohem politischen Einfluß nie wissen, was genau in Afghanistan vorgeht. So sprudeln Gerüche um GSG9 Operationen, Zahlen von Zivilen Opfern und Angriffsplänen des Taliban und und und ans Tageslicht.
Mein Standpunkt dazu ist, dass ich hinter den getroffenen Entscheidungen stehe. Auch ein Herr Oberst Klein wurde gründlichst ausgebildet und nicht ohne Grund mit diesem Posten vertraut. Es wird sicherlich Gründe geben, warum er dieses Bombardement angeordnet hat. Situationsbedingt hat er nach besten Wissen und Gewissen gehandelt und ich denke, dass auch Faktoren eine Rolle gespielt haben, die Herrn Oberst Klein die Entscheidung, trotz bekannter verheerender Folgen, erleichtert haben. Kein schießwütiger Mensch würde auf solch eine Position gesetz werden, der aus Spaß an der Freude leichtfertig ein Bombenangriff befiehlt. Ich find es schade, dass Regierung und Militär nicht zu ihrem "Personal" steht. Anstatt in Afghanistan für eine klare Linie zu sorgen wird der schwarze Peter hin und her geschoben.

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18. Dezember 2009 10:55
Mediales Vakuum  
Sascha Stoltenow (stoltesa)

So richtig Ihr Beitrag ist, Herr Hanfeld, er lässt die Frage unbeantwortet, warum auch die Medien das Vakuum nicht gefüllt haben. Das erinnert ein wenig an die Berichterstattung über die Finanzkrise, deren Vorzeichen ebenfalls schon lange in einer kleinen Community bekannt waren. Die so genannten Leitmedien aber haben offenkundig nicht den Willen oder die Kompetenz gehabt, gegen den Mainstream zu schreiben. Wenn sich also Verleger und Journalisten fragen, warum manche Blogger erfolgreich sind, so liegt es vermutlich auch daran, dass es in einer komplexen Welt nicht ausreicht, nur wiederzukäuen, was aus den Kommunikationsabteilungen von Unternehmen und Behörden kommt.

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18. Dezember 2009 10:44
Heuchelei und Unfähigkeit zum demokratischen Diskurs  
Ralph Wolffs (rawpho)

Was die Opposition im Bundestag und vor allem in den Medien aufführt spricht für sich selbst. Aber auch die Regierung gibt ein klägliches Bild ab. Allen voran ihre heimlichen Strippenzieher à la der Ministerpräsident Koch, dem es wichtiger ist, seinen Einfluss in Berlin und Mainz auszubauen, als dass er sein Mandat verantwortlich ausübe. Genau das erwarten wir in schwierigen Zeiten von unseren politischen Vertretern. Doch die, wenn gar nichts mehr hilft, berufen sich auf ihre Geheimhaltungspflicht, was offensichtlich ihr Ego tätschelt, aber in der Sache nicht gerechtferigt ist. Es muss möglich sein, über die Strategie eines Budeswehreinsatzes in Afghanistan öffentlich zu diskutieren, ohne die Soldaten dort zu gefährden. Wer das als Parlamentarier oder Regierungsmitglied nicht kann, ohne mit seiner Detailkenntnis zu prahlen, soll zurücktreten.

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18. Dezember 2009 10:10
Eindeutiger Auftrag 3  
Thomas Bergs (MartesFoina)

Die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Klärung der Umstände wie es zu einer solchen Opferzahl hatte kommen können, ist zwar legitim und ich begrüße dieses Vorhaben, doch ist es nicht viel wichtiger unseren Soldaten im Einsatz eine klare Richtlinie zu geben? Was sollen unsere Jungs dort unten genau unternehmen?
Und während in Berlin darüber debattiert wird, welche Informationen dem Leiter des BMVg nicht zugänglich gemacht worden sind oder auch nicht, die Bomben sind gefallen und daran lässt sich nichts ändern. Einen Oberst Klein an den Pranger zu stellen, einem General seiner Sterne zu berauben – ich glaube nicht dass sie mit Vorsatz soviel Leben nehmen wollten sondern mit besten Wissen und Gewissen Entscheidungen getroffen haben – gemäß der Aufgabenstellung unserer Regierung.
Afghanistan, eine karge Wüste der leidlichen Poesie. Die Tränen der Mütter kann unsere Regierung nicht abwischen. Der Soldat an vorderster Front harrt aus in seinem Schützenloch, weit weg von seiner Familie und ohne Rückhalt. Es nutzt keinem wenn ein Politiker einen geheimen Blitzbesuch im sicheren Camp veranstaltet während vorne die nächste Granat einschlägt.
Man sollte wissen wofür man stirbt...

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