
Der wohl aller Ehren werte Herr Inder Aravind Adiga unterschlägt in seiner gedankenlosesten Kritik des geistigen Deutschlands, welches durchaus, in Banden des Todes gefesselt, darniederliegt, es sei nur an die ekelerregenden Unaussprechlichkeiten eines Martin Walsers erinnert, oder muss in seiner Sprachlosigkeit unbewusst unterschlagen, dass die einzige legitime Intention einer jeglichen Kritik in der Sprache verhaftet sein muss. Ich kenne seine Muttersprache nicht. Ich vermute, dass seine Muttersprache Hindi, wie Sanskrit eine indogermanische Sprache, ist. Ich weiß auch nicht, in welcher ursprünglichen Sprache er seine Romane verfässt. Ich weiß, dass der gebürtige Pole Theodor Joseph Konrad Korzeniowski, indem er sich des Englischen, eines einmaligen Falles einer Doppelsprache, bediente, Romane, die zu Recht Weltruf erlangten, schrieb. Sollte Adiga sich zu dem ursprünglichen Verfassen seiner Romane ebenfalls des Englischen, das seine Muttersprache nicht ist, bedienen, ist seine Kritik an der seit der Jahreswende 1925/1926 darniederliegenden Geistigkeit Deutschlands um so unverständlicher, denn er versteht in seiner arrogant anmaaßenden und unwissenden Kritik der deutschen Sprache überhaupt nicht, was er krittisiert.

India..here is the magic formula..showcase the dirty, filthy poverty and the crawling, struggling poor people of indian population..and the west will grab it greedily and give an award." Dazu noch ein Hauch der neuen, indisch-chinesisch dominierten Welt, schließlich sollte auch das in letzter Zeit immer offener zu Tage getretene Bedürfniss des neuen Inders nach Überlegenheit genauso wenig zu kurz kommen, wie die Lust des Westens am Untergang. Also wieder eines dieser vielleicht typisch westlichen, nichtssagenden und kommerziell inspirierten, politisch korrekten Bücher? Von der Kritik gelobt, vom Leser verschmäht... Achja, inspiriert ist das Buch laut Adiga natürlich von den positiven Auswirkungen der Werke Flaubert, Balzacs und Dickens auf die Entwicklung ihrer Gesellschaften. Toll, was so ein indischer Sozialingenieur Alles als Autor im Dienste seiner Gesellschaft leisten kann! Fazit: Da probt also tatsächlich ein mittelmäßiger Autor - um nicht von einem gut dressierten Affen europäischer Literaturbedürfnisse zu sprechen- den Aufstand gegen das "Volk der Dichter und Denker"! Pah, scherrts uns ernsthaft? Weniger Unsicherheit, Mut zur Ignoranz, Selbstbewusstsein ist gefragt! Wie war das? "Jedes Volk hat seinen Tag in ..."

Interessant natürlich auch die Frage, auf wieviel Interesse dieser selbsternannte Sprecher der intellektuellen Autoren von Weltrang wohl bei dem geplanten, regulären Besuch in Deutschland gestoßen wäre.... Natürlich hat die Analyse Adigas einen wahren Kern, dem viele Deutsche so oder ähnliche wohl zustimmen würden. - Daher wahrscheinlich auch die vielen Reaktionen. Vollkommen unstimmig ist dabei allerdings die in den Interviews zum Vorschein kommende intellektuelle Begrenztheit Adigas. Seine These, die ohne Zweifel mehr Aufmerksamkeit eines wirklichen Kenners der deutschen Literatur und Kultur bedarf, wird so schwach und ignorant begründet, dass nach kurzer Recherche auch die Flachheit des preisgekrönten Romans nicht mehr überrascht. Um es kurz zu fassen, ein Produkt für die degenerierten Gutmenschen Westeuropas, insbesondere der ehemaligen Kolonialmächte, deren einziger emotionaler Kitzel noch darin besteht, die "Opfer" der eigenen Vorfahren zu bemitleiden. Wie schrieb ein Leser der Times?

Herr Adigas Bemerkung über die deutsche Literaturlandschaft sei dahingestellt. Mich wunderts aber, wie viele doch hier ihre eigenen gedanklichen Spiegelungen nachfolgend kräftig die Tastatur gedrillt haben. Ein Aussenstehender (ausserhalb der Grenzen wohnender) könnte doch behaupten, der Herr Adiga hat wahrscheinlich den Nerv getroffen. Übrigens, ein Nerv, das von Zeit zu Zeit immer getroffen wird. Warum reagiert man überempfindlich, wenn einer eine Meinung äussert, das eigentlich provozierend und zeitgleich unprofessionell daherkommt ? Ich wette, der Herr Adiga und manche Leser hier kennen ebonso wenig die deutsche Literatur. Die deutsche Nachkriegs-Literatur ganz allein auf Paul Celan zu minimieren ist ein fataler Fehler. Wo bleibt Brecht? Wo bleibt Wolfgang Borchert? Siegfried Lenz? Heinrich Böll? Ich denke die echte Wüste in der deutschen Literatur beginnt ab der 80'er Jahre. Aber die Gründe sind verschieden. Weil auch sehr viel produziert wird, können einzelne Talente schwer hervortreten. Der Markt ist viel schwieriger geworden, als vor 60 Jahren. Die deutschen lesen sehr gerne, das sollte auch so bleiben....

Wir sollten nicht allzusehr auf Herrn Adiga eindringen, Deutschland und Deutsche für bedeutend zu halten. Ignoranz hat auch etwas Befreiendes. Es gibt keinen Zwang, Entferntes genau zu kennen. Wer von uns schätzt schon Indien und die indische Literatur und Kunst richtig ein?

Ach wie nett, Rotzlöffel mag Deutschland nicht ist so bedeutend wie Meier’s Mops mag den Mond nicht. Ein Schriftsteller macht mit Provokationen auf sich aufmerksam. Ein gutes Beispiel, dass Begabung nicht unbedingt was mit Intelligenz zu tun hat, Schlauköpfchen.

Mein lieber 'stehenkra', zum einen sei gesagt, dass auch in Deutschland der Vorwurf, ich bediente mich 'Naziapolegetik' meinerseits mit einer Strafverfolgung Ihrer Person gemäß §§164(2) u.186 StGB retourniert werden könnte. Ich wäre sehr erfreut zu erfahren, dass sie sich von ihren ungeheuerlichen, hier in der faz.net noch nicht aufgetretenen Anschuldigungen distanzierten. Nun, auch zu Ihrem Verständnis: ich gebe Ihnen ja Recht, wenn sie den Niedergang der deutschen Kultur mit dem Aufstreben der Nazis in Einklang bringen. Wenn Sie Ihren Marx beim Lesen meines faz.net-Leserkommentars auch aus der Hand gelegt hätten, wäre ihnen die Formulierung "[Zerstörung der deutschen Kultur] was Ziel der alliierten nach '45 war" aufgefallen!Sie hätten erkennen können, dass an dieser Formulierung weder ein Widerspruch zu ersterer(Ihrer) Aussage steht, und desweiteren hätten sie gemerkt, dass weder die Nazi-Diktatur beschönigt, noch die Leistung der Alliierten verächtet wurde. Die Zerschlagung deutschen Denkens ist niedergelegtes (Nürnberg) Ziel der alliierten Befriedungsansätze. Der Naziterror hat die Welt dermaßen erschüttert, dass auf bis '33 erworbene Kultur keine Rücksicht genommen wurde, die 'Kriegsgelüste des Deutschen Volkes 'auszumerzen'.

Ich kann die Aufregung gar nicht richtig verstehen. Herr Adiga ist im Vergleich zu den vielen Größen der deutschen Literatur, Einige wurden hier schon genannt, doch vollkommen unbedeutend. So schnell wie er aufgetaucht ist, wird er auch schon bald wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Goethe, Schiller, Mann und Grass bleiben. Was hat Indien denn in den letzten Jahren Kulturelles hervorgebracht? Bollywood?

Und dazu einfach ein paar deutsche Schriftsteller der jüngsten Vergangenheit benennen, die selbstverständlich auch im Ausland zur Kenntnis genommen wurden und dort für junge Literaten prägend waren. Eine ganze Liste von Namen würde ich Adiga gerne voller Empörung entgegen werfen, um diese unglaubliche Generalisierung ad absurdum zu führen. Schade nur, dass mir tatsächlich kaum ein Name einfällt, der hierfür geeignet wäre. Ich bin nicht begeistert von Adigas Thesen, gehöre auch nicht zum Kreis jeder, die jetzt in einem Akt von Selbstgeißelung applaudieren und den kulturellen Niedergang unseres Landes herbeireden. Aber ich muss eingestehen: Mir fehlen tatsächlich die Argumente, um zu widersprechen. Schade.

Als ich vor Jahren endlich mal ein Buch kaufte, welches beim Literarischen Quartett besprochen worden ist (Alexandar Tisma, "Capo"), war ich beeindruckt ueber das Gesamtambiente, welches Literatur in Deutschland umgibt. Der Roman war grossartig!!! Die heutige Unterhaltung ist auf unser Niveau hier in den USA abgefallen. Wenn ich ueber Internet einmal nach etwas in ZDF/ARD Suche, wie lit. Quartet und Autoren die man lobt - Fehlanzeige. Sendungen, wie ZDF-Aspekte verfolgen nur ein Ziel: Eure Linkswaehlerei, Euren allgemeinen Neostalinismus. Der Rest ist Kommerz.

Es scheint Adiga schon sehr zu berühren, in welchem Land Verlage als erste seine Bücher abgreifen und drucken. Nichtsdestominder hat er sicher recht, daß die deutsche (nicht: deutschsprachige) Literatur nach 1945 weitestenteils armselig und bedeutungslos ist, auch und vor allem Grass. An dieser Stelle sollte man noch weiter ausholen und die Frage stellen, wieso Deutschland, geht es um Literatur, zunächst einmal die üblichen verdächtigen Langweiler auf die Bühne schubst: Thomas Mann, Goethe, Schiller. Da kann einem ja nur schlecht werden. Dabei haben wir reizvolle, schwer zu durchschauende und hochinteressante Schriftsteller mit einem bestechenden Werk wie etwa Arno Schmidt im Repertoire, der indes in einem Meer aus historischer Geradlinigkeit zu ersaufen scheint. Dann faseln alle vom Zauberberg und den Buddenbrooks, unendlich langweilig, wohingegen Glanzpunkte wie Berlin Alexanderplatz (Döblin) Germanistikstudenten vorbehalten bleiben. Deutschland ruht sich auf ein paar Namen aus, die längst unter einer Staubschicht beerdigt liegen, schreibt narkotisierende historische Romane oder verkrampft sich in Talentlosigkeit (Beispiel Lentz), während andere Länder fleißig Literaten hervorbringen. So gesehen hat Adiga völlig recht.

Generell unterlasse ich es andere Kommentare zu beantworten, da es sinnlos ist, aber in ihrem Fall fühle ich mich dazu verpflichtet zu antworten um ihren Kommentar nicht unkommentiert im Raum stehen nzu lassen. Kurz gesagt ihre hier im FAZ-Forum hinterlegte Naziapolegetik ist unerträglich und widerwärtig. Diskussionskultur und verschiedene Meinungen hin oder her, wer behauptet das Deutschland in den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 kulturell, wirtschaftlich und militärisch seinen Zenit erreicht hatte ist entweder von jedem Geschichtswissen und Verständnis befreit oder betreibt übelste Geschichtsfälschung und braune Propaganda Militärischer Höhepunkt - von 1939 bis 1942/43 ja, aber zu welchem Preis und Zweck? Wirtschaftlicher Höhepunkt - Eine Wirtschaftsordnung Zu Gunsten der Großunternehmen und Staatsmacht auf Kosten der Realeinkommen der Arbeitnehmer. 1939 ein bis zur Plünderung der Gold und Devisenreseren der Tschechoslowakei an der Pleite stehendes deutsches Reich. Technischer Höhepunkt - Trotz der reihenweise in die Emigration getriebenen Spitzenwissenschaftler. Kultureller Höhepunkt - Wie bitte? Alfred Kerr, Kurt Tucholsky, die Manns, Ossietzky, Albert Einstein usw. im Ausland bzw. umgebracht.

Dieser Mensch leidet an Selbstüberschätzung, selbst ist er doch nur eine literarische Eintagsfliege. Über solche Meinungen kann man sich einen Moment aufregen, sollte sie dann abhaken und ihn einfach, wie der Rest es tun wird, vergessen.

Natürlich ist Deutschland seit 1933 (nicht '45) weltgeistig ein bisschen provinziell geworden. Dass die Reaktionen so heftig werden, wenn diese Wahrheit ausgesprochen wird, ist nur ein weiteres Symptom dafür. Aber Herr Adiga scheint die Verhältnisse in der (Verlags-)Welt nicht sonderlich gut zu kennen. Einaudi gehört schon seit einigen Jahren Berlusconi, ist zwar ein ehrenwerter Verlag, für Linke aber nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Mit seinem Volontariat in Turin würde Herr Adiga also nicht unbedingt dem richtigen Herrn dienen, sonderm demjenigen, der zur Verdummung und Provinzialisierung eines anderen Kulturvolkes in den letzten Jahren kräftig beigetragen hat. Dies kann, denke ich, exemplarisch für die Qualität jedweder Diskussion stehen, die sich in unseren Zeiten noch so energisch um die Frage von Zentrum und Provinz bekümmert. Mit den 68ern hat das alles aber nun gar nichts zu tun. Also: Große deutsche Autoren und Philosophen nach '45: Sebald, Adorno, Szondi, Heidegger, Aichinger...

Natürlich ist Deutschland seit 1933 (nicht '45) weltgeistig ein bisschen provinziell geworden. Aber Herr Adiga scheint die Verhältnisse in der Welt nicht sonderlich gut zu kennen. Einaudi gehört schon seit einigen Jahren Berlusconi, ist zwar ein ehrenwerter Verlag, für Linke aber

Dies darf man getrost auseinander halten. Vielleicht sagt er anderswo wieder etwas anderes, dann ist es geschicktes Marketing. Ein bißchen Wahrheit wird auch dabei sein. Und ob es 2008 noch so furchtbar wichtig ist, wer Boris Pasternak im Ausland als Erster veröffentlicht hat? Ist ja keine Olympiade, gell? Mir scheint, der Autor kennt die Deutschen: füttere ihre Selbstzweifel und sie fressen dir aus der Hand. Insofern war es dann doch wieder einmal lehrreich, auch diesem Menschen etwas zugehört zu haben.

Der Roman von Pasternak wurde vom Mailänder Verlag Feltrinelli (z. Zeit von dem Gründer Giangaicomo Feltrinelli verwaltet) verlegt und nicht von Einaudi. Italienische linksorientierte Intellektuelle veröffentlichen tendenziell ihre Werke bei Feltrinelli, und nicht mehr bei dem Turiner Einaudi, besonders seitdem er zum Berlusconi-Konzern gehört. Einaudi wurde nämlich von Mondadori angeworben und Mondadori ist im Besitz der Familie Berlusconi. Die Vorsitzende des Mailänder Verlags Mondadori ist nämlich Marina Berlusconi. Dass einige liknsorientierte Intellektuelle sich ihre Werke von Einaudi oder Mondadori weiter verlegen lassen, kann es auch nicht konsequent erscheinen. Damit will ich den Autor aus Indien nicht kritisieren, ich wollte nur einen Fehler berichtigen.

ist auch Folge und Ergebnis einer überaus mächtigen, seit den 50er Jahren fast monopolistisch agierenden Literaturkritik, die festgeschriebene Kriterien von Literatur propagiert, sie gar zum Kanon erhebt, davon Abweichendes hingegen nicht gelten läßt. Ob diese eindimensionale Literaturkritik mit ihrem Anspruch auf Wertungshoheit ausschließlich provinzielle Durchschnittsware befördert hat, darüber mag man streiten; einer stilistisch und formal progressiven Literatur, einer "Weltliteratur", die in andere Literaturen hineinzuwirken die Potenz hat, war sie nie dienlich.

..., der dieser Autor entstammt, ist ein völlig anderes Bezugssystem, dessen Unterschiede zum deutschen Buchmarkt in drei Punkten bestehen: 1. Die (koloniale) Vielfalt und Probleme der englischsprachigen Literaturen in aller Welt; 2. die konventionelle Erzähltradition, die weniger ein intaktes Kulturbewusstsein spiegelt, sondern vor allem Grundschema interkultureller Verständigung ist, und 3. die fehlende Buchpreisbindung. Daraus folgt: An diesen Autor sind grundsätzlich andere (nicht höhere) Anforderungen gestellt, als im überschaubaren deutschsprachigen Raum: Die Konkurrenz ist größer, das Publikum vielfältiger, aber nicht unbedingt belesener, oft lebt es in halb-autoritären Staaten, und der Gesamtmarkt ist ungleich härter. Der deutsche Buchmarkt bemüht sich seit Jahren krampfhaft, die hiesige Literatur auf dem englischsprachigen als "ganz normale Literatur" durchzudrücken und anzugleichen. Aber das geht eben schief. Denn man leugnet den Riss, der durch die deutsche Sprache geht, von dem auch Celan sprach und der sich eben nicht einfach wegretuschieren lässt. Das hat mit Qualität und Ressentiments zunächst wenig zu tun - eher damit, dass die Deutschen offenbar gern anders wären. Aber auch das scheint mir nicht neu zu sein.

Eine Gesellschaft, in der Bücher wie "Feuchtgebiete", Talknonsens wie Kerner, Beckmann oder auch Anne Will und Shows wie "Wetten Das?" in den Feuilletons genießen, kann sich wohl kaum drüber beschweren, dass man sie nicht mehr als Hochkultur wahr nimmt. Öffentlich-rechtlicher Konsens als Messlatte für Kultur führt geradewegs in die literarische Bedeutungslosigkeit. Das Erzählen an sich findet in der primitiven Typisierung der Degetofilme oder der Telenovelas statt und differenziertes, emotional aufregendes Erzählen wird in die Nische verbannt. In England und Frankreich sind szenische Formate die Quotenstärksten Filme, in Deutschland "Wetten das?", eine niveaulose, über dreißig Jahre alte Spielshow, die jedesmal mit einem Eifer in den Zeitungen besprochen wird, als hätte sie eine kulturelle Bedeutung. In Deutschland hat sich die publizistische Intelligenz weitgehend dem Boulevard angenähert. Geschmeidiger Kommerz geht allemal vor ernsthafter Kultur. Es lebe das öffentlich-rechtliche Mittelmaß, das in seinem inzestuösen Gehabe um sich selbst kreist!!

Grass nannte die indische Metropole Kalkutta "Einen Haufen Scheiße, wie Gott ihn fallen ließ und Kalkutta nannte". Wen wundert's, dass er von den Indern vielleicht nicht so geschätzt wird. Richtig ist sicher, dass die deutschen zur literarischen Bauchnabelschau neigen und sich wundern, dass das Interesse an der eigenen Geschichte, insbesondere ihren positiven Aspekten wie dem Mauerfall, nur sehr eingeschränkt im Ausland geteilt wird. Das gilt aber nicht nur in der Literatur, sondern auch im Sport. Es war vermessen zu glauben, dass die Symbolik, die Leipzig bei der Olympiabewerbung hatte, so vom Ausland nachvollzogen werden konnte. Allerdings scheint auch Adiga eine egomanische Bauchnabelschau zu betreiben. Wie könnte er sich sonst anmaßen, dass sein Urteil für die gesamte Zunft der Literaten gelten soll? Ist er sich wirklich sicher, dass sein Landsmann Rushdie, ebenfalls Booker-Preisträger, beispielsweise nicht von Wallraff beeinflusst wurde, der ihm eine gewisse Zeit Unterschlupf gewährte? Sicher mag diese deutsch-indische Freundschaft eine Ausnahme sein, denn grundsätzlich ist das Verhältnis der beiden Länder von einem höflichen Desinteresse geprägt, wie die FAZ schon beim letzten Indienbesuch von Frau Merkel titulierte.

warum diese aufregung - es bleibt jedem überlassen, seine meinung zu äussern, auch wenn sie deutschland nicht schmeichelt. die aufregung - wenn es eine solche tatsächlich geben sollte - über eine geringschätzung zeugt nicht von selbstsicherheit.

Nicht nur in der Literatur hat die deutsche Qualität nach 45 deutlich abgenommen. Auch der Anteil der an Deutsche vergebenen Nobelpreise ist massiv geringer als vor dem zweiten Weltkrieg. Wenn der Nobelpreis also rein nach wissenschaftlichen Kriterien vergeben wird, kann man in Deutschland nach 45 eine ganz erhebliche Verringerung der intellektuellen bzw. wissenschaftlichen Qualität insgesamt feststellen.

... das sich in den vergangenen Stunden bedeutend mehr Leser dazu bereit erklärten diesen Artikel zu kommentieren, als es meiner Meinung nach sonst der Fall ist. Andererseits ist es ja auch der getroffene Hund der bellt. Ich denke wir erleben grade die Polverschiebung der Weltzentren. Waren die asiatischen Bevölkerungsriesen bisher nur die Werkbänke der westlichen Welt, entwickeln sie nun auch ein bisher so nicht geäußertes Selbstbewußtsein in anderen Bereichen. Sich jetzt darüber aufzuregen oder sich gar darüber zu freuen finde ich falsch. Diese Provokation sollte sportlich aufgenommen werden, jeder der sich berufen fühlt kann Herrn Adiga beweisen das es nicht so ist. Ran an die Tastatur ;)

Der Mann sollte in der Tat nicht so viel mit der Presse reden. Was für ein Buchpreis übrigens der "Booker"-Preis?

Ja, er will provozieren. Das ist lustig. Traurig ist, dass er damit leider Recht hat. Oder können SIE mir vielleicht irgendein Buch nennen (ein einziges!), das nach 1990 von einem Deutschen geschrieben wurde und dessen Lektüre Sie guten Gewissens einem Inder, Russen, US- oder Latein-Amerikaner empfehlen könnten? Mein Tip: Stefan Gärtner: Man schreibt DEUTSH, Hausputz für genervte Leser, Rororo 2006

Für Herrn Adiga mag Deutschland uninteressant sein - aus welchem Grund auch immer. Das ist seine Sache. Aus seinem persönlichen Desinteresse für Deutschland zu schließen, dass dieses Land generell für ausländische Intellektuelle bedeutungslos geworden ist, halte ich allerdings für gewagt. Woher weiß Adiga, was ausländische Intellektuelle für Deutschland empfinden? Adiga spricht nur für sich selbst. Der englische Schriftsteller John Le Carre z.B., der kürzlich wieder zu Besuch in Deutschland war, der (im Unterschied zu Adiga) Deutschland gut kennt und auch die deutsche Sprache hervorragend beherrscht, würde den Aussagen seines indischen Kollegen vermutlich heftigst widersprechen.

Und eine Verhöhnung der Opfer tatsächlicher Diktaturen obendrein. Schämen Sie sich.

Der Mann kann doch seine Meinung aeussern; warum sollte man sich darueber aufregen, dass er mit Deutschland nichts anfangen kann. Milliarden Menschen teilen seine Gleichgueltigkeit, nur wenige artikulieren sie so explizit wie er. Die aufgeregte Diskussion darueber, ob er mit seiner Meinung ,in welchem Sinne auch immer recht hat, offenbart nur einen Mangel an Souveraenitat.

Man stellt sich die Frage, wieso man solch einem respektlosen linken "Intellekuellen" die Möglichkeit einräumt sich in dieser Art und Weise herablassend über unser Land zu äußern. Mag er doch den Booker-Preis gewonnen haben, so zeigen seine Äußerungen jedoch ausdrücklich welchem Geiste Kind er ist. Man braucht keinen indischen Schriftsteller um diese polititsch linken Sichtweisen über unser Land zu erhalten. Das meint auch jeder deutsche Linke, der sich für intellektuell hält. Adiga macht den großen Fehler Intellektualismus mit linkem Intellektualismus gleichzusetzen. Dass diesem in Deutschland, seiner Einschätzung nach, keine Bedeutung beigemessen wird, gibt ihm allerdings nicht das Recht allgemeingültig darüber zu urteilen. Er zeigt nur seinen eingeschränkten linken Horizont, aber diese Unart ist allen Linken gleich. Manche Menschen haben einen Horizont mit dem Radius Null und das nennen sie ihren Standpunkt (Einstein).

Die These, das aus Deutschland schriftstellerisch seit langem nichts mehr kommt, was die Welt begeistert, ist ja nun wenig kontrovers. Und das er sich im ach so vorurteilsfreien Deutschland als Inder nicht wirklich wohl fühlt, wohl ebenso. Was ist also überraschend? Das er sich als kolonialenglischsprachiger Poet der ehemals ausgebeuteten, heute aber vom eigenen Versagen gekränkten dritten Welt, hauptsächlich in Ländern wohlfühlt, in denen diese Art von Kulturkonflikt eine Rolle spielt? Wohl kaum. Indien braucht noch immer Sündenböcke für das eigene Versagen, und Deutschland passt nicht in diese Kerbe. Gähn.

Gerade hat der deutsche Außenminister zu spüren bekommen, dass Deutschland für Indien eine zu vernachlässigende Größe ist, da lässt uns dieser junge Adiga seine Mißachtung oder gar Verachtung spüren. Mir scheint, beides hat etwas miteinander zu tun: So behandelt man jemanden, in diesem Fall ein ganzes Land, dem man keine Zukunft mehr zugesteht. Ob es nun die indische Regierung ist oder dieser Autor, beide nehmen sie hämisch vorweg, was sie erwarten. - Ein Trost besteht immerhin darin, dass Adiga im "Weißen Tiger" über die Weißen überhaupt herzieht, denen er die Zukunftsfähigkeit abspricht, so steril, wie sie sind. Eine verständliche Antwort auf europäischen Hochmut, der sich die Herrschaft über Indien oder auch China angemaßt hatte.

Den Dichter Celan als den einzigen Deutschen Autor nach 1945 zu nennen der ihn beeinflusst hat, ist selbstverständlich sein persönlichiches Recht. Viel bedenklicher ist aber der arrogante Unterton mit dem er seine Meinung äußert. Hat er das nötig? Auf mich wirkte es wie eine Abwertung aller derjenigen "jungen" Autoren, die sich mit literarischen Werken und Engagement in Deutschland nach 1945 profiliert und einen wichtigen Beitrag für die Literaturentwicklung gegeben haben. Auch die Kompetenz einzelner Literaturkremien wie beispielsweise die der Akademie für Sprache und Dichtung mit der Vergabe des Büchner-, Freud- und Merckpreises werden so en passant degradiert. Bleibt mir damit nur die Erklärung, dass es eine simple Marketingstragie von ihm ist über Provokation Popularität zu errreichen! Der damit gewonne "Ruhm", soll anscheinend zu größerem Einfluss und letztendlich zu mehr Geld führen. Schade wo er doch einen so schönen Altruismus zu Beginn formuliert hatte!!!!!!!

Adigas These ist nur ein Aufwärmen der bekannten Theorie der Euro-Sklerose, diesmal eben auf Deutschland reduziert. Bis jetzt fand ich aber Europa, und ganz besonders Deutschland, herrlich vielfältig, innovativ und dynamisch. Man muss aber eben Europa "lesen" können. Dafür braucht man Sprach- und Kulturkenntnisse, die Adiga vermutlich so gar nicht haben kann. Die 500 Millionen EU-Europäer stecken doch eigentlich hinter fast jeder kulturellen oder technologischen Errungenschaft. Die Beiträge der 300 Millionen Amerikaner oder der 1000 Millionen Inder muss man hingegen mit der Lupe suchen.

der wohl meistüberschätzte Autor in Deutschland, allerdings immerhin ein linker, was Adiga gefallen sollte, sehnt er sich doch wie alle linke Autoren - wie er meint - nach dem italienischen Kultverlag und verabscheut den deutschen Verleger. Das Apodiktische an seinem Urteil ist provokativ und verschafft ihm die Aufmerksamkeit, die er inhaltlich sonst kaum hätte schaffen können. Intellektuelle sind nicht immer Schriftsteller oder Dichter und auch die nicht immer links, was man nach zwei sozialistischen Diktaturen auf deutschem Boden verstehen und auch gutheißen könnte.

Wen interessiert diese Person eigentlich. Was hat der zu melden? Cih finde man sollte solche Leute eher mit Ignoranz strafen.

Die Aussage, dass nach 1945 kein bedeutender Schriftsteller in Deutschland herangereift ist, muss man als wahr annehmen. Ebenso trifft diese Aussage auf das Kino, wie auch auf die Musik zu. Aussnahmen bestätigen natürlich die Regel. Auf jeden Fall aber, können wir gute Autos, und andere Maschinen bauen!

... wenn sich ein Borstenvieh dran reibt? Dennoch will ich versuchen, seine Worte in eine sachliche Kritik umzuformen, um ihr dann zustimmen zu können. Denn nach 1945 kam wirklich nicht viel Gehaltvolles aus Deutschland - und wenn, dann allerhöchstens mit 1933 - 1945 als einzigem Inhalt.

sagt mehr über den Beobachter aus als über das Beobachtete. Herrn Adiga scheint es an Bildung fehlen. Die Unbildung über deutsche und globale Geistesgeschichte und -gegenwart ist ihm nicht vorzuwerfen. Sein Mangel an Höflichkeit allerdings schon. Adiga setzt den alten Imperialkonflit der europäischen Mächte fort, selbstverständlich aus der Sicht der Sieger. Das erkennt er aber nicht. Wäre Indien von Deutschland kolonialisiert worden würde Adiga anders sprechen. Die globale von angloamerikanischen Elementen zehrende Kultur hat gerade wegen solche Phänomene wie Adiga ein so geringes Auflösungsvermögen, und ist durch flächendeckendes Nichtdenken gekennzeichnet. Sie muss auch in den langweiligsten Diskursen Indiens und in den blindesten Bibliotheken von Oxford, Cambridge und Harvard verstanden werden.

Für einen großen Teil des Planeten ist Deutschland kulturell bedeutungslos. Deutschsprachige Literatur (ob vor oder nach 1945 erschienen) hat fast immer Hintergründe, die für deutsche Leser verständlich sind, für ausländische Leser nicht. Was für deutschsprachige Leser mit vergleichbarem Hintergrund interessant ist, muss es nicht für ausländische Leser sein. In der Literatur nach 1945 haben die Verarbeitung des Dritten Reiches, die Bekümmernisse der deutschen Mittelschicht und neuerdings die deutsche Teilung und ihre Überwindung zentrale Bedeutung. Das muss doch in der Dritten Welt niemanden berühren. Ich finde es mehr als verständlich, dass ein indischer Autor von Rang (unterstellt, Herr Adiga ist dies) unsere Literatur nicht zu seinem Bezugspunkt machen will. Wenn ihm Spanien, die Niederlande oder Italien näher stehen, dann ist dies die Geschmackssache, über die sich bekanntlich streiten lässt, auch wenn der Streit nicht lohnt. Herr Adiga hält uns einen Spiegel vor, in den der ein oder andere nicht gerne geblickt hätte. Deutschsprachige Literatur von Weltbedeutung hat es vor dem zweiten Weltkrieg in großem Umfang gegeben, danach kaum noch. Wussten wir das nicht ? Und wissen wir nicht alle, weshalb ?

Herr Aravind Adiga mag nicht nach Deutschland, weil er hier statt Geist Geld vorgefunden hat. Schaut man sich um, zum Beispiel in dieser Zeitung, muss man ihm - so schwer es einem faellt - Recht geben. Anstatt diesem Auto lautstark und also laermend (erinnert an das Pfeifen im Walde) zu widersprechen, sollten wir wieder versuchen, uns auf das Eigentliche zu besinnen. Wenn wir das noch koennen.-

Er hat sich gegen Deutschland eingestellt,das ist sein Recht,aber es ist keine richtige Sache. Dass ihm die deutsche Literatur nicht gefaellt,das ist normal. Nicht jede Literatur kann jedem Menschen gefallen.Die deutsche Literatur ist vielleicht zu sehr vom Denken bestimmte und fuer das Denken gemachte Kulturprodukt.Andere Leute erwarten vielleicht,das mehr fuer das Gefuehl,fuers Herz geschrieben wird als fuer das Hirn. Aber ein Schriftsteller sollte sich auch auf "Eroberungen" begeben.Unter 80 Millionen Deutschen wuerde er nicht nur ein paar zu seinen Lesern erobern koennen. Aber vielleicht ist er fuer diese Aufgabe ein fauler Hund... Oder ist es vielleicht bei ihm so,wie bei mir mit den asiatischen Essen:ich finde es nur selten fuer geniessbar.. (Obwohl ich es seit 15 Jahren in Asien versuche mich mit dem asiatischen Essen anzufreuden : es gelingt mir nicht)...

"So muss man Adiga nicht mögen, aber in Betracht ziehen, dass sein Eindruck über den drastischen Niedergang deutscher Kultur ein berechtigter ist, ist dieses doch seit '45 das erklärte Ziel der Alliierten..." Die bösen Alliierten! Manch eine verquere Weltsicht ist an Skurrilität kaum zu überbieten! Für den Niedergang der deutschen Kultur waren die Nazis verantwortlich Herr von Steuben, nicht die Alliierten!

Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass Deutschland aus der globalen Perspektive nicht mehr besonders auffällt. Das mag vielen Deutschen schwer erträglich sein, halten sich doch viele für eine Weltmacht ... - es bestätigt sich aber durch viele ausländische Aussagen. Aus genau demselben Grund war und ist es übrigens auch ziemlich arrogant, dem "dummen" Ami vorzuwerfen, dass er nicht weiß, dass z.B. Salzburg doch in Österreich liegt und nicht bei uns. Wir sind im Vergleich zum Rest der Welt einfach ziemlich klein. Und genau deshalb ist Europa und die Formulierung gemeinsamer euopäischer Interessen ja so wichtig!!! Zu unseren Intellektuellen: Herr Adiga hält anscheinend nur herrkömliche Autoren für "intellektuellenfähig". Von Leuten wie Habermas oder Ratzinger hat er anscheinend noch nicht viel gehört - und die beiden sind doch mal unzweideutig deutsche Intellektuelle von Weltruf. Dass beide nicht mehr in Deutschland leben ist ein anderes Thema - wobei natürlich mit unterschiedlichem Hintergrund. Insgesamt ist es mir persönlich aber auch zu viel Trara um den Herrn Adiga. Dass manch ein Asiate nicht immer mit dem zurückhaltenden Lächeln gegenüber uns auftritt - daran sollten wir uns alle möglichst schnell gewöhnen!

...über die deutsche Nachkriegslitertur. Leider beschränken die beschränkten Fachidioten eine deutsche Literaturvielfalt. Eifersüchtig drehen sie am Publikationsventil und lassen nur das ihnen genehme in die Öffentlichkeit entweichen.

Ich kann nur sagen schade, daß dieser junge Mann so voll von sich ist. Daß er nicht von deutschen Schriftstellern beeinflusst ist dürfte natürlich sein. Er entstammt ja wohl einem anderen Kulturkreis. Sich aber zu erheben und einem ganzen Volk das Zeugnis der Bedeutungslosigkeit auszusprechen ehrt ihn nicht, sondern rückt ihn ins den Bereich der Respektlosigkeit gegenüber anderen Mitmenschen. So etwas gab es in Deutschland vor ein paar Jahrzehnten auch. Aber das braucht er sicher nicht nachzumachen. Wir sollten froh sein, daß wir uns von ignoranten Vorurteilen frei machen können und die Lektionen der Geschichte verinnerlichen. Das gilt vor allem für so junge und unerfahrene Autoren wie Adiga

Erstaunlich, dass Aravind Adiga so viele Schriftsteller der Welt kennt. Dass er bei den vielen Bekanntschaften mit "Schriftstellern der Welt" überhaupt zum Schreiben kommt, wirklich beachtlich. Aber was meint "irgendeinen deutschen Autor nach 1945"? Meint das "nach 1945 geboren"? Wieso dann Celan ("der einzige deutschsprachige Autor nach 1945")? Also meint es "deutschsprachiger Autor mit Werken nach 1945". Also meint es Brecht, beide Mann, Hacks, Heiner Müller und noch so diesen und jenen. Spricht es für oder gegen die von Adiga angerufenen "meisten Schriftsteller dieser Welt", dass sie jene nicht kennen? Und: Eine Literatur, die Brecht, beide Mann, Hacks, Heiner Müller und noch so manchen nicht kennt, also eine internationalisierende Gschaftelhuberliteratur, was will man mit der? Früher bekam man überall im Krug vorzügliches Schweinegulasch. Heute muss man ins örtliche Taj Mahal Spezialitätenrestaurant und Bhunna Gosht essen. Angesichts der überwürzten Langeweile des Weltbürgerlichen wird die Monotonie des Schweinegulaschs zur aufklärerischen Leistung. "Und nicht diese mediokre Spitzbüberei der eigenen Dummheit vorgezogen!" (Kraus)

Leider hat Aravind Adiga recht. Seine kurze Analyse ist unaufgeregt, präzise und klar. Es gibt in Deutschland und im deutschen Sprachraum, was die Literatur und die Philosophie betrifft, gewiss viel Interessantes, aber es gibt kaum Bedeutendes. In der Tat waren Paul Celan und Franz Kafka die einzigen, die die Dinge und die Sachen der Sprache verbinden konnten und die aus deren elementaren Grund heraus geschrieben haben. Beide waren Juden und beide kamen von aussen und sind nie, trotz Ehrungen und vorbildlichen Editionen, wirklich angekommen, bei den Deutschen angekommen. Es gibt im deutschsprachigen Raum unerträglich viel intellektuelle Arroganz und Ignoranz, und es ist schade, dass es diese einmal mehr verhindern, dass man die sachliche Sicht von Aravind Adiga ernst nimmt und akzeptiert. Es stellt sich eigentlich nur die Frage, weshalb es so ist. Ja, diese Frage würde eine Debatte verdienen: Weshalb geschah und geschieht es immer wieder, dass die deutsche Sprache ihren Sinn und damit ihre Bedeutung verliert? Weshalb können sich deutsche Autoren fast nur in den Bereichen der Sinne und des Sichtbaren bewegen? Weshalb gelingt es ihnen nicht, die Sinne zum Sinn und den Sinn zu den Sinnen zu führen? Emil Schwarz

So lange er keine klare Richtung zu erkennen gibt, kann man getrost auf ihn verzichten. Oder erzielt er vielleicht mehr Aufmerksamkeit, wenn er sich derart widersprüchlich äußert. Das wäre allerdings eine chlechte Reklame.

Ob es sich um dt. Politik oder dt. Literatur handelt, in Indien wird die deutsche Wichtigkeit nichtig bemessen. Hier ist in den letzten Wochen eine bisher in dieser Form nicht da gewesene Klarheit sichtlich gemacht worden, die nun wirklich Anlass genug ist darüber zu reflektieren, was dem zu Grunde liegt.

Unabhängig vom Thema ist es IMMER sehr aufschlussreich die wirklichen Verhältnisse in Deutschland von einem 'Ausländer' (besser: jemandem im Ausland lebenden) kommentieren zu lassen. Noch besser, wenn er das Leben in Deutschland einigermaßen kennt. Hier eröffnen sich den Deutschen ungeahnte Möglichkeiten, sich endlich loszulösen von Augenwischereien, die hier gerne von politischen Ideologen und deren Presseorganen durchgeführt werden uns zu verblenden. Wir können (ebenso wie beim Konsumieren eines ausländischen TV-Senders - oder einer relativ freien Zeitung) hier lernen, dass nicht alles so schlecht ist, wie hier eine laute Minderheit uns weißmachen möchte. Allerdings können wir auch erkennen, dass vieles viel schlimmer ist, als unsere Führungspolitiker es uns erzählen... So muss man Adiga nicht mögen, aber in Betracht ziehen, dass sein Eindruck über den drastischen Niedergang deutscher Kultur ein berechtigter ist, ist dieses doch seit '45 das erklärte Ziel der Alliierten. Wahrscheinlich gibt es genügend Bereiche, in denen das bereits gelungen ist...