„Naumachos” aus dem Fachhandel und vom Discounter - die Flaschen  ziert das gleiche Etikett, doch der Inhalt ist nicht derselbe

Etikettenschwindel im Supermarkt

Wundersame Weinvermehrung

Ein Spitzenwein für 6,99 Euro? Nicht alles, was Discounter im Regal haben, ist echte Qualität. Wie die Weinkritiker Cornelius und Fabian Lange herausgefunden haben, wirbt Aldi für einen italienischen Roten in einer Güteklasse, die es in der angebotenen Menge gar nicht geben kann.

Lesermeinungen zum Beitrag

17. September 2008 21:24

@ Hans-Werner Bender

gisbert heimes (gisbert4)

"Die Genugtuung darüber, wie sie aus dem Artikel spricht, erscheint von einer gewissen Schadenfreude begleitet: nämlich daß der Plebs sooo billig nun auch wieder nicht am elitären Weingenuß teilhaben kann" - der Satz war als Kritik an jenem 'elitären' Getue mancher (mancher!, keineswegs aller) Weinkenner gedacht, denen ein guter Aldi-Wein grundsätzlich ein Dorn im Auge ist. Ich dachte, das versteht man.

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17. September 2008 18:17

@ Gisbert Heimes

Hans-Werner Bender (DRHWB)

Nicht nur Plebs kauft bei Aldi. Nicht nur Plebs kauft bei Aldi Wein, sofern die Qualität stimmt. Sollte aber der Bericht stimmemn, so heißt das, dass der Plebs (in Ihrer Ausdrucksweise) mindere Qualität zu überhöhtem Preis gekauft hat. Das ist kein Grund zur Freude und kein Schnäppchen. Das wollen wir doch alle nicht, oder? Derartige Aktionen sind schon seit längerer Zeit bei Aldi und anderen Discountern üblich. Und wenn die Qualität dem entspricht was versprochen wird, so ist das in Ordnung und äußerst erfreulich. Nicht nur für den Plebs. Dem Fachhandel mag das ein Dorn im Auge sein. Richtig ist, der Preis ist nicht unbedingt ein Gradmesser für die Qualität. Richtig ist auch, das richtige Etikett treibt den Preis in die Höhe, weil der Wein international begehrt ist. Richtig ist auch, man sollte das trinken was einem persönlich schmeckt und sich darin weder vom Etikett, Preis oder Experten beeinflussen lassen. Deswegen die Blindproben beim Weintest. Auch Experten unterliegen der Wirkung des Etiketts und damit des Preises.

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17. September 2008 15:25

Pseudoelitäres Gehabe

gisbert heimes (gisbert4)

Der Wein war schon immer eine beliebte Projektionsfläche für pseudoelitäres Gehabe. Kein Wunder, daß die Discounter der Versuchung nicht widerstehen konnten, daraus ein Geschäft zu machen. Wein ist nicht das einzige Beispiel, wo sich mit Glaube, Eitelkeit und Prestigedenken glänzende Geschäfte bei den Verbrauchermassen machen lassen. Die Profis von Aldi hat's diesmal erwischt. Die Genugtuung darüber, wie sie aus dem Artikel spricht, erscheint von einer gewissen Schadenfreude begleitet: nämlich daß der Plebs sooo billig nun auch wieder nicht am elitären Weingenuß teilhaben kann.

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17. September 2008 13:47

Wo bleibt die Stellungnahme und Aufklärung von Aldi?

Hans-Werner Bender (DRHWB)

Rücknahme allein reicht nicht. Schon seit mehr als einem Jahr bring Aldi-Süd "Spitzenweine auf Fachhandelsniveau" als Aktionsware in den Markt. Darunter viele (nun muss man sagen angeblich) durch Gambero Rosso ausgezeichnete oder von Parker hoch bewertete Weine. Wie sieht es denn mit diesen Weinen aus? Hat hier auch die Qualitätskontrolle versagt und warum? Was hat denn der Sommelier-Weltmeister getan? Absicht will man doch niemanden der Verantwortlichen unterstellen, oder? Der Kunde hätte gerne eine klare Auskunft, auch zu früheren Weinen. Das Vertrauen der Kunden in die Qualitätskontrolle von Aldi, nicht nur beim Wein, weicht einem Zweifel. Aldi hat Umfragen zufolge das beste Image, nicht nur bei den Discountern sondern im gesamten Lebensmitteleinzelhandel. Das setzt man leichtfertig aufs Spiel wegen ein paar Flaschen Wein? Den Bemühungen, ein höherwertiges Weinangebot/Produktangebot aufzubauen, wurde hier zudem ein Bärendienst erwiesen. Auch ein anderer Discounter (der mit Marilyn Monroe wirb) hat häufig Weine im Angebot die mit 2 Gläsern ausgezeichnet sein sollen. Das wäre doch ein lohnendes Thema, prämierte Weine im Supermarkt/Discounter. Sein oder Schein?

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17. September 2008 10:42

Verdorbener Käse der aufbereitet wurde, gestrecktes Olivenöl, Altöl in Butter...

Andreas Breuer (IUSTINUS)

Ich fahre ein italienisches Auto, mache dort Urlaub, lese Werke italienischer Schriftsteller, aber Lebensmittel aus diesem Land rühre ich nicht an. Frage mich wann die Konsumenten begreifen, dass Lebensmittel aus Italien häufiger ein Risiko darstellen und mit Toskana-Romantik nichts zu tun haben.

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17. September 2008 09:29

ein Schelm, wer Böses denkt...

Christoph Domernicht (Radomer)

Aldi ist nicht Opfer bei diesem Handel. Die Einkaufsabteilung von Aldi ist bekanntermaßen sehr gut aufgestellt. Die Einkäufer kennen die Produzenten. Wenn hier ein kleines Weingut in der Lage ist nach der Prämierung eines Weins eine Partie von 50.000 Flaschen zu liefern, dann müssen einige Einkäufer beide Augen zugedrückt haben. Denn die Fähigkeit einer wundersamen Weinvermehrung wird eigentlich nur Jesus Christus zugesprochen. Bereits aus der Eigendarstellung der cantina carminucci im Internet wird deutlich, dass dieser Winzer keine solche Partie liefern kann. Das Gut verfügt über eine Gesamtfläche von 31 Hektar und produziert 7 Weine. Und die berichteten Ergebnisse der internen Verkostung bei Aldi bestätigen auch, dass hier kein 2-Gläser-Wein geliefert wurde. Ich habe diesen Wein selbst probiert, für den Inhalt meiner Flasche wäre er nicht mit einem Glas prämiert worden. Hier wurden wohl für ein schnelles Geschäft alle Bedenken über Bord gekippt.

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16. September 2008 13:00

Und wenn der Wein nur 50 Cent kosten würde,

Hans-Werner Bender (DRHWB)

2 Gläser im Gambero Rosso sind 2 Gläser und heißt guter Wein. Nur dann muss in der Flache das drin sein was getestet und dem Kunden angepriesen wurde. Das ist das Problem. Sollte der Bericht den Tatsachen entsprechen, was sich noch herausstellen wird, dann hätte Aldi insgesamt ein Imageproblem. Stellte sich dann doch heraus, dass die Qualitätskontrolle doch nicht so gut ist wie gerne gesagt. Anmerkung: einige hundert Flaschen hochwertigen Rotweins im Weinkeller (Beaucastel 89/90, Palmer, Montrose, Leoville les Cases, Leoville Barton usw.). Nur den trinkt man nicht jeden Tag. Für den Alltag zum Essen darf es ruhig preiswerter sein. Und wenn die Qualität stimmt, dann auch unter 10.- Euro. Auch der Weinfachversand überschüttet mit Angeboten und starken Preisnachlässen. Da gibt es preislich keinen Unterschied, und auch hier gibt es Angebote mit 2 Gläsern oder 90-Parker-Punkte zu ähnlichem Preis wie bei Aldi. Wenn die verkaufte Qualität die versprochene Qualität ist, dann kann man auch bei Aldi kaufen. Auch beim Fachhandel gibt es Enttäuschungen. "Korkschmecker" und Ware, die nicht zusagt oder andere Fehler hat, kann man in beiden Fällen zurückgeben.

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16. September 2008 11:55

Schmiert Aldi "korrekt" die Kunden an?

karin moebius (moebius3)

Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich: Der Discounter verkauft den NAUMACHOS mit "korrekter"Ausstattung und "korrekten"Papieren. Somit erhält der Käufer eine korrekte Anmutung für sein Weinregal. Erst bei der Verkostung fällt die "kostümierte" Ware als nicht preiswürdig und damit als nicht preiswert auf. Wäre doch korrekt, wenn Aldi noch realiter "zwei Gläser" dazu tun würde, um sich den Rückruf der Ware zu ersparen. Als Dekoartikel wäre dann die Ware "korrekt" verkehrsfähig...

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16. September 2008 11:15

Deutschland ein Land der Sommeliers?

Claus Behrens (chipin)

Solange wir im Urlaub - ob in Frankreich, Spanien oder Italien - über die schlechte Qualität des Bieres die Nase rümpfen, werden wir in Deutschland keine Spitzenweine beim Discounter erhalten. Daß das MiniMax-Prinzip nicht funktioniert (hohe Qualität bei großer Menge) sollte jedem klar sein! Nur wer meint, dass Handelsketten auch Spitzenbiere zu kleinen Preisen verkauft, kann gleiches bei intern. Weinen vermuten. Ansonsten gilt: Kaufen nur da, wo beraten wird. Entweder beim Fachhändler oder bei Franchisenehmer (da kann man dann auch mal eine angebrochene Flasche wegen Korks oder mangelnder Qualität umtauschen). Und außerdem: Guten Wein genießt man in Maßen und ballert sich nicht die Rübe voll!

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16. September 2008 09:51

Sie wissen jetzt, warum die Leute billig kaufen.

Robert Schrey (etiterum)

Die in dem Beitrag geschilderten Verhältnisse erklären (!) den Erfolg des Billigweines. Die meisten Weinkäufer bezahlen den Alkohol, Zucker und Traubensaft, und das ist gar nicht so dumm.

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16. September 2008 09:48

Aldi-Wein

Rolf Mueller (raem)

Anscheinend wird diese Marketing-Stratregie immer wieder versucht: Alle kann man gelegentlich zum Narren halten; Einige kann man immer zum Narren halten; Wenn man grosses Glück hat, kann man alle immer zum Narren halten. Aldi hat diesmal kein Glück gehabt. RAEM

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16. September 2008 09:20

Doch irgendwie beruhigend

Jitzak Tanenbaum (tanenbaum)

Danke für diesen Bericht, jetzt bin ich wenigstens beruhigt, daß es doch noch Gründe gibt, warum ALL DIE guten Sachen so super billig sind, außer daß Herr Albrecht so lieb ist. Wer billig kauft, wird billig trinken. Vielleicht mal öfter überlegen: Was ich mir nicht leisten kann, darauf sollte ich ganz verzichten? Gerade bei Wein und anderen, nicht lebenswichtigen Produkten? J.T.

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16. September 2008 08:27

Verkehrsfähig hört sich gut an

Thomas Krüger (panoviews)

Einfachen und guten Tischwein ohne Prädikat gibt es im Piemont bereits für knapp 2 Euro pro Liter beim Erzeuger, wobei man den 5 Liter Glasballon in Regel selbst mitbringt. Wenn man dann die Abfüllung plus Flasche (und Plastikkorken) sowie den Transport dazu rechnet, dann sollte man von angeblichen DOC-Qualitätsweinen zum Niedrigpreis tunlichst die Finger lassen.

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