Martin Walser verteidigt Heinrich von Pierer

Die Angst in voller Blüte

„Deutsch bis ins Mark“ nennt der Schriftsteller Martin Walser die Angewohnheit, Manager an den Pranger zu nehmen. Deshalb nimmt er den ehemaligen Siemens-Chef Heinrich von Pierer vor dem Urteil im Schmiergeld-Prozess in Schutz und erklärt Korruption für eine lässliche Sünde. Von Edo Reents

Lesermeinungen zum Beitrag

24. Juli 2008 23:54

Moralin made in Germany

Maximilian Bierl (Crest)

Meiner Meinung nach äußert sich Walser zu diesem Thema mutig, weil offen und ehrlich. Er heuchelt nicht die nach political correctness triefenden, allgemeinen Phrasen nach. Immerhin war es bis vor noch nicht allzu langer Zeit steuerlich absetzbar, wenn man ausländische Auftragsvergeber geschmiert hat. Waren die politisch Verantwortlichen von damals, mitsamt zugehöriger Gesellschaft moralisch soviel schlechter als dies heute der Fall ist? Ach ja, und die amerikanische Aufsichtsbehörde interessiert sich ja auch für Siemens - das ist natürlich ein Argument, weil ja in diesem Land auch die Moral so groß geschrieben wird, gell? Das es vielleicht einfach nur ganz schnöde ein probates Mittel sein könnte, dem Hauptkonkurrenten eines sehr großen amerikanischen Konzerns auf diese Weise noch eine mit zu geben, wie wäre es damit? Oh, nee - sicherlich war das jetzt viel zu unmoralisch! In den 80er - Jahren stand ein deutscher Maschinenbaukonzern kurz davor, einen größeren Auftrag zur Nachrüstung südafrikanischer Lokomotiven mit neuen Dieselmotoren zu bekommen. Die massive politische Intervention seitens der USA wußte dies, mit Verweis auf das Apartheidsregime zu verhindern. Geliefert hat dann später der amerikanische Wettbewerber...

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24. Juli 2008 23:33

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Peter Meier (xrantanplanx)

Naja. Der Mann ist halt als Moralist nicht besser denn als Schriftsteller.

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24. Juli 2008 22:55

Walser - muss ich den gelesen haben??

Thomas Spaniel (Echnaton1970)

„Im Alter nimmt Verschiedenes ab. Auch die Kraft, moralisch zu sein. Oder sich so zu geben.“ Wer solch' ein Gedoens vom (geistigen Tief-)Stapel von sich laesst, disqualifziert sich bei mir fuer alle Ewigkeiten. Heinrich Heine war da aufrichtiger, als er schrieb: " Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, ich kenne auch die Herren Verfasser, sie tranken heimlich Wein und predigten oeffentlich Wasser". Ein zeitloser Klassiker (der Heine jetzt), wie man wieder einmal sieht.

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24. Juli 2008 19:11

Unterm Strich nur Haeme

Werner Kastor (wkastor)

Der sarkastische Ton ist weder dem Thema noch der Person Walser angemessen. Wer sich schlicht auf Gesetze beruft und die Moral und die Realitaet ignoriert, argumentiert im Traumtaenzerland und das mit kleinkariertem Beamtentenor. Es ist Realitaet, dass viele grosse Auftraege ohne Schmiergeld nicht geschlossen werden. Es ist schwer erkennbar, warum heute unmoralisch ist, was bis vor wenigen Jahren in Deutschland noch legal und legitim war, und von der Steuer sogar absetzbar. Viel sinnvoller als "Die Angst in voller Bluete" waere ein Beitrag von Herrn Reents darueber, wie man dem Dilemma Korruption realistisch entgegenwirken koennte. Unterm Strich bleibt also ein Artikel, in dem nur deutlich wird, dass Martin Walser auf die Schippe genommen werden soll, nur fehlt die Logik und Haeme ist kein Ersatz fuer Witz

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