Die Ökonomen vom Berg: Treffen der mont Pelerin Society 1947

Aus der Krise geboren

Der Neoliberalismus wird siebzig

Das Wort „neoliberal“ ist zu einem Schimpfwort verkommen, dem die gleiche Bedeutung zugeschrieben wird wie „Manchester-Liberalismus“. Dabei wollten sich die frühen Neoliberalen von diesem gerade distanzieren. Eine Erinnerung an die Anfänge - zum siebzigsten Geburtstag dieser Denkrichtung. Von Philip Plickert

Lesermeinungen zum Beitrag

01. September 2008 11:58

Die Erfolgsgeschichte der Wettbewerbswirtschaft

gisbert heimes (gisbert4)

ist unbestreitbar. Sie ist Ausfluß der natürlichen Entwicklungprozesse. Selbstverständlich ist die Existenz eines heutigen Hartz-IV-Empfängers leichter als die seiner Vorfahren, in vieler Hinsicht sogar angenehmer als die seiner historischen Feudalherren :-). Die Kritik an der globalen Marktwirtschaft richtet sich zunächst nicht gegen das (durchschnittlich) erreichte Wohlstandsniveau, sondern gegen die horrenden Verteilungsunterschiede, die weder rational noch moralisch zu begründen sind. Sie sind einfach nur Ausdruck der unterschiedlichen Befähigung der Individuen, im ökonomischen Prozeß zu reüssieren ("Survival of the Fittest") - oder den Besitzstand zu wahren. Dabei könnte man es durchaus belassen - merkwürdigerweise tut das die Menschheit aber gerade nicht. Unabhängig von Religionsstiftern und sonstigen Gutmenschen beginnt dieser Zivilisation im Stadium der Globalisierung zu dämmern, daß sie mit diesem allzu kruden Weltbild nämlich an die Wand fahren wird. Zukunft heißt nicht mehr in erster Linie Wettbewerb und Wachstum, sondern Kooperation und Ausgleich.

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31. August 2008 17:43

läßt sich schlecht verkaufen

Robert Schrey (etiterum)

Der Staat möge sich raushalten, also nichts tun. Aber wofür braucht man denn dann überhaupt Politiker ? Der Politiker soll gefälligst arbeiten, und zwar hart arbeiten, so wie alle anderen auch. Der Liberalismus bedarf einer Klassengesellschaft, wo diese nicht mehr vorhanden ist, ist es auch mit dem Liberalismus aus.

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31. August 2008 17:32

Gute Gelegenheit: 2008 ist wieder 1938!

Karl-Heinz Andresen (khaproperty)

Nach siebzig Jahren wird es allerhöchste Zeit, daß sich erneut ein paar intelligente Nobelpreisträger in spe zusammentun und dem elendigen Rest der Welt Tacheles vermitteln. Wohin man sieht, mehr und mehr Sozialismus, Statsdirigismus und politisches Bonzentum. Die sich irrwitzig selbst vermehrende selbstsüchtige Kaste der Regulierer und Schablonenschwadroneure macht vor gar nichts mehr halt. Die mit suizidalem Impetus sich in staatlichen Zuwendungen masochistisch wälzenden völlig fremdbestimmten Bürger haben ihre Reste von Freiheit längst beim Amt für Zuteilung finanzieller Leistungen abgegeben. Neid, Mißgunst und Haß auf leistungsbereite Minderheiten beherrschen den öffentlichen Diskurs. Ob die Liberalen, nachdem sie den Weg linksliberaler Abweichung zum Neoliberalismus wieder verlasen haben, allerdings noch einmal den Versuch unternehmen wollen, die Welt zu retten, muß angesichts der sodann zu befürchtenden Attentatswelle auf sie arg bezweifelt werden. Die Zeiten haben sich geändert und die Haßprediger sitzen nicht mehr nur in der Moschee, sondern bereits im Bundestag, wie vor siebzig Jahren auch schon im Reichstag.

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31. August 2008 16:10

Zitierter Buchtitel

Norbert Uersfeld (iwkoeln)

Sehr geehrter Herr Plickert, Ihr Beitrag in der heutigen FAS ist sehr lesenswert. Nur eine kleine Anmerkung: Heißt der von Ihnen zitierte Buchtitel von Hayek nicht "Der Weg zur Knechtschaft"? So steht es jedenfalls in meinem Exemplar. Mit freundlichen Grüßen Berthold Busch, Köln Berthold.Busch at t-online.de

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31. August 2008 14:27

Reagan der Keynesianer

Ralf Kowollik (InterNETkobold)

US-Präsident Ronald Reagan hat in den 1980er-Jahren nicht davor zurückgeschreckt, die Steuern radikal zu senken, um die Wirtschaft anzukurbeln, und dafür ein riesiges Loch im Staatshaushalt in Kauf zu nehmen. Das klingt meines Erachtens eher nach keynesianischer als nach neoliberaler Politik. Auch George W. Bush hat sich nicht gescheut, Konjunkturprogramme auf Pump aufzulegen, so wie jüngst seine Aktion mit der Versendung von Steuerschecks an die amerikanischen Haushalte. In den USA war pragmatische Politik schon immer wichtiger als Lehrbuchtreue. Die Amerikaner wissen, dass die Bevölkerung, insbesondere die Geringverdiener, nur bereit sind, niedrige Sozialleistungen und einen geringen Arbeitsschutz hinzunehmen, wenn im Gegenzug die Wirtschaft ordentlich wächst. Der amerikanische Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert Solow hat jüngst in einem FAS-Interview gemeint, es wäre wahrscheinlich politisch klüger gewesen, wenn die damalige rot-grüne Bundesregierung ihre Sozial- und Arbeitsmarktreformen mit staatlichen Maßnahmen zur Stärkung der Nachfrage flankiert hätte. Hätte Rot-Grün den Rat von Solow beherzigt, dann wäre Gerhard Schröder vielleicht heute noch Kanzler, und die Linkspartei läge jetzt nicht bei 13%.

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31. August 2008 12:53

Erfolgsmodell Liberalismus

Steve Lutzmann (TomderAffe)

Es ist eine historische Binsenwahrheit: immer als es zur Befreiung von Unterdrückung kam, gab es eine Wohlstandsexplosion. Das war bei der Bauernbefreiung so, das war bei der liberalen Wende 18. Jhr. so, und auch nach 1989 in der DDR. Der Bevölkerung -und auch den "armen" Hartz IV- Empfängern geht es weitaus besser, als irgendeinem Vorfahren der Menschheitsgesch.. Noch immer aber hängt man an den Lippen der Apolegten der "guten" Sache, wennn diese einmal mehr "Wohlstand" durch Umverteilung predigen. Alle Versuche der Steuerung von oben sind gescheitert. Am Anfang mag es einen kurzfristigen "Umverteilungsfeffekt" geben, der verpufft nach wenigen Jahren. Danach ist Armut angesagt. Aktuelles Beispiel: Simbawe. In Deutschland leitet man aber nach wie vor die "Bösartigkeit" des Systems aus 0.01% der Bevölkerung her, die möglichweise "zuviel" verdienen und aus den 2% , deren Bildung wie Arbeitsmoral oft fragwürdig erscheint. Die fast 98% die ein Leben leben, von denen unsere Grosseltern nur träumen koenten, werden gern übersehen. Wenn es zu Wohlstandverlusten kommt, dann ist das doch der Staat, nicht der böse Unternehmer. Die dt. Bruttolöhne sind weltspitze, netto eher mittelmass. Trotzdem ruft man weiter nach Vater Staat. Grotesk!

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31. August 2008 11:49

Der Freiheitsgedanke

Peter Weber (p_web)

Der Liberalismus an sich ist wahrscheinlich die wichtigste philosophische Denkrichtung auf dem Weg der Ausbreitung der Demokratie. Leider suchen viele Menschen immernoch einen viel zu grossen Teil ihrer eigene Freiheit an den Staat abzutreten im Glauben unmündiger besser leben zu können. Es ist beschämend in wie vielen Gesellschaften sich der Mensch selbst wieder zum Untertan macht. Der Liberalismus sucht gerade alle wettbewerbsbeschränkenden Gebilde seien dies Zölle, Unternehmensabsprachen, Staatseingriffe, etc. zu verhindern - ein Fairnessgedanke ohne Ansehen von Nationalität und (Wohl-)Stand. Wer dieses Denken nicht teilt, hat nicht wirklich das Wohl der gesamten Weltbevölkerung im Blick - sondern will eben sein eigenes bewahren - auf Kosten der anderen.

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31. August 2008 08:49

Leviathan...

Michael Meier (never1)

...sind wir das nicht alle? Hayek erklärt in "Der Weg zur Knechtschaft" gut verständlich den Hang einer Gesellschaft zu Planung und Regelungswut. Enteignungsgleiche Steuerquote, komplexitätsbedingte Willkür bei der Besteuerung, Subventionskrankheit, negative Rendite für eingezahlte Gelder in die Rentenkassen, hohe Sozialquote, Milliarden an Auslandssubventionen und Ausgleichszahlungen, Unternehmerschelte, Regelungswut ohnegleichen....Verdrossenheit am Leviathan (Staat) und der AUfschwung der umbenannten SED passt da gut ins Bild.

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31. August 2008 02:06

anmerkung

Hannes Heilmannsstedt (mediumdry)

1. Der Leviathan, der von Hobbes beschrieben wird, beansprucht für sich Souveränität nach Baudinscher Prägung und kennt keine "soziale" Sicherheit. Diese Analogie ist also falsch gewählt. 2. Ich will linken Verschwörungstheoretikern nicht das Wort reden, trotzdem werden viele Steuerungsinstrumente marktwirtschaftlicher, allein die Verwaltung wurde in den letzten 10 Jahren weitgehend unbemerkt nach dem Modell des "New Public Management" umgewandelt. Und eben dies betont eine Leistungserbringer - Leistungsnachfrager - Beziegung zwischen dem Staat und seinen Bürgern. Nimmt man für diese Analyse nur Steuern und Staatsquote als Indikatoren, greift man zu kurz. Es geht mehr um die Denkkategorien Effektivität und Effizienz, und diese haben sich weit verbreitet, auch in Gegenden, wo sie nicht nur Gutes anrichten (z.B. im Gesundheitswesen).

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31. August 2008 00:07

Es ist ganz einfach

gisbert heimes (gisbert4)

Der Staat soll 'lediglich' den Wettbewerbsrahmen setzen - aber darunter verstehen die Marktteilnehmer nun mal nicht das Gleiche. Sie selbst und ihre Verbände versuchen stets und ständig, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, die Rahmenbedingungen zur ihren Gunsten zu beeinflussen. Nebenbei: auch die Gewerkschaften, deren angeblicher Macht die Neoliberalen hauptsächlich zuschreiben, daß ihr Modell nicht richtig funktioniert - auch die Gewerkschaften sind selbstverständlich nur ein Verband von Marktteilnehmern. Und wer soll im Staat (sic!) so klug sein, daß er je die richtigen Rahmenbedingungen setzt? Die Idee der Liberalen ist zweifellos bestechend, und die ehrlichen Absichten ihrer Väter seien unbestritten. Sie scheitert jedoch in der Realität an ihrem eigenen grundlegenden Widerspruch: weil die Marktteilnehmer (= die Menschen) nicht gleich sind, schaukeln sich in der Wettbewerbswirtschaft immer wieder gravierende ökonomische und daraus folgend soziale Ungleichgewichte auf, die zu ebenso gravierenden politischen Störungen führen bis hin zu den kriegerischen Auseinandersetzungen.

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30. August 2008 22:05

Begriffe besetzen

uwe gottwald (ugottwald)

Mag die Verwendung des Terminus neoliberal umstritten sein , so wissen doch alle , was gemeint ist : Nicht nur an die Grenzen des Humankapitals ( welch Wort) zu gehen - sondern darüber hinaus. Warum das Jammern uber angebliche Missverständnisse ?! Wer erfand den Begriff neosozial für weniger gerecht - die Grundsatzkommission der FDP. Wie wär es mit NEOheteosexuell, lieber Guido um euphemistisch das zu benennen, was Ihre Sache ist !

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