
... klingt im Artikel und vielen Kommentaren die "Beschwerde" mit, dass es "nicht leicht" sei, seinen "Status" zu verbessern.
Wer - um Himmels Willen - hat denn jemandem versprochen, die schwachsinnige Vorstellung aufgebracht, dass dies "leicht" sein sollte, oder sogar müsse???
Als Erklärung fällt mir nur die Utopie der frühen 60er Wirtschaftswunder-Jahre ein, als auch mein Vater mir suggerierte "wenn du erst Abitur hast, dann kannst Du Alles werden". Diese Wirtschaftswunder-Utopie scheint sich - durch all die angeblichen sozialen Wohltaten die uns in den Jahren danach zuteil wurden und die uns so gründlich "entantwortlicht" haben - gehalten, sogar verfestigt zu haben, obwohl das Wirtschaftswunder längst weiter gezogen ist zu den "neuen Hungrigen" nach China. Und wir hier nur einfach noch "reife", in vielen Bereichen einfach "überreife" Verhältnisse haben.

und kann nur zustimmen, dass es nicht leicht ist nach oben zu kommen. Das liegt neben Bildungs- und Sozialsystem (Bafög) aber auch häufig an den Eltern. Mein Vater beispielsweise hat die Einstellung, dass alle, die Abitur machen zu faul zum arbeiten sind. Ähnliches habe ich auch von Mitazubis während meiner Ausbildung gehört, Studenten seien nur zu faul zum arbeiten. Ich hätte gerne eine andere Ausbildung gemacht, leider war das nicht möglich, da diese hätte bezahlt werden müssen. Bafög konnte ich nicht beantragen, ich hätte vermutlich keins bekommen, da meine Eltern ihr Einkommen nicht offenlegten, ich hatte damals meine erste Ausbildungsstelle verloren und nach Alternativen gesucht. Die Kommentare von Behörden waren sehr nett: Verklagen Sie Ihre Eltern. Eigentlich hätte ich das besser gemacht. Meine Brüder haben nicht mal nen Schulabschluss, der Kommentar vom Schulpsychologen war auch ganz toll, er sprach von gegenseitigem Geben und Nehmen, offenbar ist es okay, dass einem keine Chance auf gute Bildung- und Ausbildung gegeben wird. Auch halte ich das deutsche duale Ausbildungssystem für eine Aufstiegsbremse, es wird auf niedrigem Niveau qualifiziert, es gibt zuviele Berufe.Nennen wir es "Fachkräftewahn".

Der eigentliche Punkt, der nicht thematisiert wird, ist, dass selbst sehr gut Qualifizierte heute große Schwierigkeiten haben, eine feste Stelle zu bekommen. Menschen mit Hochschulabschluss aber wenig bis keine Berufserfahrung können arbeitslos werden. Es gibt Menschen mit hohen Universitätsabschlüssen unter den Arbeitslosen, die von der Industrie oder anderen potentiellen Arbeitgebern keine Chance erhalten, erste Berufserfahrungen zu sammeln. Dies ist insbesondere eine Fehlentwicklung in der Personalpolitik der Unternehmen. Absolventen sollten nach dem Abschluss die Chance erhalten, Berufserfahrung zu erwerben, wenn sie bis zum Abschluss keine Möglichkeit dazu hatten. Genauso wichtig ist es, Menschen mit Studienabschluss, die vor längerer Zeit arbeitslos geworden sind, wieder fest einzustellen.
Wenn davon die Rede ist, es gebe nicht genügend qualifizierte Arbeitnehmer, dann bedeutet das nicht, dass nur noch Unqualifizierte unter den Arbeitslosen zu finden seien. Selbst Bildung führt nicht unbedingt zum Aufstieg. Schuld sind marode und nicht hinterfragte Einstellungskriterien bei vieler Personalmanagern. Selbstverständlich stehen Unternehmen in der Pflicht, Know-How zu vermitteln, wenn dieses an der Uni nicht gelehrt wird.

Es wäre nett gewesen, in Erinnerung zu rufen, was ein mittleres Einkommen in Euro pro Jahr ist. So steht man als Leser etwas orientierungslos da.

Es ist noch nicht lange her, da sah die deutsche Idealkarriere wie folgt aus: eine Ausbildung machen, dann einen Job finden und diese Situation bis zur Rente zu bewahren. Dienstalterabhängige Entlohnungssysteme trugen dem Rechnung und Regierungen und Gewerkschaften arbeiteten daran, diesen Lebensentwürfen die nötige Sicherheit zu verleihen. Der Fehler liegt jedoch darin, daß es nur wenige Bereiche gibt, die solch wenigen Veränderungen unterliegen, daß solch ein Lebensentwurf erfolgversprechend sein kann. Nur das wird und wurde nicht ausreichend erklärt.
Ich mußte während meines Berufsleben schon mehrere technologische Wandel mitmachen. Als ich 1992 bei einem deutschen Konzern begann, hatten wir einen PC in der Gruppe und man las seine email alle 2 Wochen, da eh niemand eine schrieb. Internettechnologie war noch universitär, ISDN gerade am kommen. In allen technischen Bereichen verhält es sich ähnlich.
Statt die Situation zu bejammern oder Verteilungsgerechtigkeit zu reklamieren, sollte man den Menschen klar machen, daß wer nicht kontinuierlich lernt und sich weiterentwickelt, zwangsläufig absteigt. Wer seine Status quo beispielsweise in der Schreibmaschinenproduktion erhalten wollte wird heute schlichtweg nicht mehr benötigt.

Das Hauptproblem der Debatte liegt in der Simplifizeirung des Bildungsbegriffs. Man hat heute den Eindruck, dass nicht mehr die bessere Bildung der Schüler und Studenten das primäre Ziel ist, sondern die leichtere Erlangung von Abschlüssen wie Abitur und Hochschulabschluß.
Hier aber beißt sich die Katze in den Schwanz: Bildung kann nicht verfüttert oder mit dem Sprichwörtlichen Löffel verabreicht werden, sondern erfordert vielerlei Komponenten: Interesse, Begabung, Arbeitshaltung, Fleiß, Antrengungsbereitschaft etc.
Bessere Bildung gibt es daher nicht gratis und nicht über Symptomkuriererei wie mehr Förderung oder Herabsetzen von Zugangshürden zu Gymnasium oder Uni, sondern nur über die Förderung der vollwertigen Kinder- und Jugenderziehung durch die Familien. Nicht das Geld, sondern die oben genannten Faktoren machen die Leistung aus.
Erste Konsequenz wäre eine härtere Forderung an die Jugendlichen an allen Schulen, mehr Verpflichtungen an die Erziehenden, Kinder zu fordern. Dann kann auch gefördert und geholfen werden.
Teil 2 ist theoretisch einfacher: die Wirtschaft muss sich ihrer sozialen Verantwortung bewußt werden - weniger Nepotismus und Selbstdarstellung und mehr gesunder MEnschenverstand würden schon helfen.

1.
ist es ganz normal und zwangsläufig, dass die Einkommen sich stärker spreizen, wie schon Robert Reich (Clintons Arbeitsminister) schlüssig vorgeführt hat. V.a. wird der (reale!) Unterschied zwischen Leuten, die nur Handlangerdienste schaffen, und hochqualifizierten Spezialisten, die z.T. international gefragt sind, immer größer - mithin auch die Differenzierung beim Einkommen.
Außerdem kumuliert sich das Kapital munter weiter, solange kein großer Krieg o.ä. alles vernichtet. (Zum Glück!) Das kumulieren findet aber nur da statt, wo schon Kapital ist, also naturlich v.a. bei den "oberen 10.000".
2.
sollte man nicht nur die statistischen Klassen begucken, sie repräsentieren die Lebenswirklichkeit nur unvollkommen. Was schert mich, wie sich eine statist. Kategorie über 5, 10, 20 Jahre entwickelt hat. Mich interessiert, ob ich persönlich vorankomme. Das kann ich auch dann, wenn der Gesamtschnitt stagniert. (Das können im Prinzip alle, obwohl...!)
3.
verbergen sich hinter den "objektiven" Ergebnissen der DIW-Studie auch Verschiebungen bei den Lebensstilen. Die Haushalte werden kleiner, dadurch fallen(untere) Einkommen statistisch-fiktiv "aus der Mitte raus". Die "größere Armut" ist z.T. nur Mathematik, nicht real.

@Daniel Weber.
Ich stimme zu, Leistung muß entscheiden und nicht Herkunft. Wir dürfen aber nicht die vergessen, die es sich in der sozialen Hängematte bequem machen und sich sagen: Hartz IV + Schwarzarbeit bringt mehr als Arbeiten.
Die Lösung kann meines Erachtens nur sein: Steuern und Abgaben runter, Eigenverantwortung erhöhen. Hier sind wir beim schon unten angesprochenen "Stressfaktor".
Arbeit muß sich lohnen und Faulenzen darf sich nicht lohnen!

Auch die Mittelschicht hat sich durch den "Sozialstaat" korrumpieren und zu Empfängern von aus den eigenen Steuern und Abgaben finanzierten Almosen machen lassen. Auch die Mittelschicht fällt auf die Rattenfänger der Gleichmacher- und Neidideologie herein. Dazu kommt ein sozialdemokratischer Moraldünkel, der einen eigenartigen Stolz auf ökonomische Inkompetenz kultiviert und Geldverdienen als etwas Unanständiges betrachtet (aber gleichzeitig sich über mangelnde Partizipation am Wirtschaftsaufschwung beschweren).
Alle Heilserwartungen an den Fürsorgestaat, der Wohltaten verschenkt und endlich "Gerechtigkeit" herstellt, werden aber enttäuscht werden. In desolaten Gleichmacher-Schulen werden gerade die Chancen begabter Kinder aus "bildungsfernen Schichten" zerstört. Wohlstand entsteht nicht durch Verteilung, sondern durch offene, effiziente Strukturen, Eigeninitiative und Eigenverantwortung.

Innerer Friede lässt sich nur dann sicher erhalten, wenn die Politik das Ziel eines gerechten Anteils am Sozialprodukt für alle Gruppen der Gesellschaft ernsthaft und für alle erkennbar anstrebt.
In der aktuellen Praxis des Neoliberalismus herrscht dagegen die Strategie vor, die bestehenden Macht-, Einkommens- und Vermögensverhältnisse zugunsten der ohnehin schon Privilegierten konsequent weiter zu verbessern und die Armen durch rücksichtslose Ausnutzung der Arbeitsmarktlage in rasantem Tempo weiter verarmen zu lassen.
Der sogenannte Mittelstand hat sich davon nicht betroffen gefühlt und sich in trügerischer Sicherheit gewogen. Viele davon üben aber Berufe bzw. Tätigkeiten aus, die kaum Spielraum für kreativeres Wirken und damit spürbare Verbesserungschancen im Einkommen bieten.
Exkurs: Ich habe den Eindruck, dass Herr Rainer Hank und Kollegen von der FAS immer den Abbau des „Wohlfahrtsstaates“ gefordert haben. Dabei zeigt sich doch in Skandinavien, dass sozialstaatliche Maßnahmen, besonders für Bildung und Forschung, eindrucksvolle Erfolge hervorbringen.
Das neoliberales Credo, demzufolge hohe Staatsausgaben dem Markt dauerhaft erheblich schadeten und somit zum wirtschaftlichen Niedergang führen müssten, ist damit widerlegt.

zeigen das Problem auch sehr gut auf. Halbwissen vermengt mit eigener, unvollständiger Beobachtung und subjektive Bewertung aus der eigenen Lebenssituationsperspektive heraus.
Da muß man die Aussagen einiger Briefe aufdröseln, um dem ganzen einen logischen Sinn zu geben. Dieses hier und jetzt zu tun sprengt meinen Zeitrahmen und auch das "Wortekontingent".
Daher ist es sinnvoller sich kurz zu fassen und statt einem Wehklagen lieber eine, wenn auch allgemeine, aber umso eher auf breite Basis zustimmbare Lösung anzubieten.
1. Lieber Staat! Laß uns wieder freier leben, entscheiden und etwas riskieren. Bitte entlasse uns aus der gutgemeinten sozialen Umarmung, die uns nur die Luft zum Atmen raubt.
2. Gebt Frau Merkel wieder ihr blaues Fähnlein zurück und laßt sie in einem Reservat spielen, aber bitte nicht mehr hier. Eine Frau Merkel, die mal als Verfechterin einer "echten" sozialen Marktwirtschaftsordnung ( L. Erhard) angetreten ist, nun aber diese leugnet, um billigen populistischen Applaus von den halbinformierten Massen und Medien zu erhalten ist nicht glaubwürdig und kann ich zukünftig meine Stimme nicht mehr anvertrauen.
"Ich habe fertig."

Wer aufgrund eigener Leistungen in Deutschland von unten nach oben will, kann das auch, die Situation ist hier nicht schlechter als in anderen Ländern. Das gilt auch für die Bildung. Niemanden wird aus Mangel an Geld eine Ausbildung versagt. Worin sich jedoch Deutschland von vielen anderen Ländern unterscheidet, ist der Mangel an Menschen, die diesen Weg suchen. Solange eine Gesellschaft sich mehr dadurch definiert, durch Umverteilung der Mehrheit angenehme Zustände zu bereiten, statt ein günstiges Klima für Aufstieg durch persönliche und berufliche Qualifizierung zu schaffen, wird sich daran auch nichts ändern. Zudem darf man, was leider unserer demokratischen Tradition entspricht, nicht die Augen davor verschließen, dass die Natur die Begabungen keineswegs im Sinne der Mehrheit gerecht verteilt und hierbei weit mehr als 50 % genetische Beeinflussung mitwirkt (was keineswegs bedeutet, dass dieses Handicap nicht überwindbar wäre). Diese Naturgegebenheiten schlagen sich natürlich in jeder Statistik nieder, wie sollte es auch anders sein? Sie mit Umverteilung einzuebnen, raubt zugleich der Gesellschaft die Kraft, sie durch Leistung auszugleichen. Nichts anderes erleben wir.

Deutschland mit Amerika zu vergleichen hilft nicht immer. Während in Amerika Erfolg und Reichtum bewundert wird, sieht man sie hier mit Argwohn, da die ausgleichende Gerechtigkeit ein bestimmender Wert in Mitteleuropa ist. Dementsprechend können "amerikanische" Rezepte hier nicht zum Erfolg führen. Man kann das auch an den Erfolgen der Linkspartei sehen. Die Menschen erzürnen sich an empfundenen "Ungerechtigkeiten" und wählen als Protest die, die "Gerechtigkeit" versprechen, von denen sie aber wissen, daß sie auch nichts lösen werden.
Ferner findet man in Amerika mehr den "Macher"-Typ und hier den loyalen Mitarbeiter, der zu seiner Firma steht, und alle Abbaumaßnahmen treu mitgeht, da er sich nicht an Veränderungen herantraut. Man fügt sich in seine Rolle und begehrt nicht nach mehr.
Hier ist der Ansatzpunkt: es müssen mehr Beispiele gezeigt werden von Leuten die sich positiv entwickeln und ihre Chancen nutzen. Und man muß aufhören 10jährige Kinder schon im dreigliedrigen Schulsystem in Schichten einzuteilen. Junge Menschen, die der Ehrgeiz packt haben noch alle Möglichkeiten ein Studium abzuschließen, unabhängig ihrer Ausgangsposition.
Durch bessere und andere Vorbilder in den Medien kann sich langsam was bewegen.

"Wenn Kinder aus der Arbeiterschicht bei gleicher Qualifikation und Intelligenz wie Kinder aus der Oberschicht weniger Chancen haben das Abitur zu machen, dann ist da was faul."
Wo leben Sie eigentlich? An den Gymnasien wissen die Lehrer häufig gar nichts über den familiären Hintergrund der Schüler. Und selbst wenn, glauben Sie, daß Arbeiterkinder schlechter benotet werden? (Und das bei dem bekanntermaßen eher rotgrünen Profil der Lehrer?)
Dem Schreiber dieser Zeilen ist der "Aufstieg" aus eben diesem Milieu bereits mit Abitur 1972 und nachfolgendem Studium gelungen; zu Zeiten, als vielleicht 10 % der Schüler das Abitur bauten.
Also bitte keine Märchen aus dem Rowohlt- Büchlein "Der rote Großvater erzählt".

Interessant eine Stelle "In der langen Liste der deutschen Milliardäre findet sich nur ein halbwegs junger Mann, der sein Vermögen selbst gemacht hat."
Was ist mit halbwegs jungen Frauen? Die erscheinen gar nicht mehr, wie?
Damit wäre schon mal 50% der Bevölkerung von der Möglichkeit ausgeschlossen in den Milliardärsclub reinzukommen.
Das einzige, was in Deutschland nicht stimmt ist die ungerechte Steuerbelastung! Leider wurden in der Vergangenheit erfolgsversprechende Ansätze zur einer Verbesserung dieser Situation zunichte gemacht. Somit muss sich die "schwindende" Mittelschicht mit dieser ungeheuren Last quälen.
Übrigens: ins Ausland "abhauen" lohnt sich nicht. Oder glauben Sie, dass es woanders wirklich besser ist? In wenigen Ländern gibt es Harzt IV, Kindergeld etc.- meine Kollegen im Ausland können von einer sozialen Unterstützung für Kinder nur träumen.

Die hier geschilderten Effekte sind bedauerlicherweise eben nur Effekte aus Jahrzehnten verfehlter Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik. Den Rest hat die Wiedervereinigung und die "urplötzlich unerwartet eintretende" Globalisierung bewirkt. So traurig es ist, der Weg einer unreglementierten neoliberalen Marktwirtschaft, den auch die WTO geht, bringt uns auch in Zukunft keine Besserung. Arbeit ist nichts mehr Wert; was nichts Wert ist, wird schlecht bezahlt. Hinzu kommt, dass exzellent ausgebildete Akademiker zuhauf ins Ausland abwandern, da sie hier keine Zukunft mehr sehen. Beispielsweise Ärzte, Forscher etc.
Es erstaunt mich doch stetig, dass die Politik kein Interess hat etwas daran zu ändern. Jedoch liegt meine vermutete Ursache dafür darin, dass sich die Komplexität des Gesamtsystems und damit auch der Probleme nur den wenigsten erschließt. Ein Garant, dass es so schnell keine Wende geben wird und weiterhin dilettantisch an Gesetzen und Verordnungen rumgedoktert wird.

Das deutsche Staatsschiff hat sich meiner Meinung nach in den letzten Jahren nicht übermäßig beschleunigt, besonders im Vergleich zu Booten mit viel mehr Ruderern. Letzten Endes könnte es den Insassen des Bootes wohl gleichgültig sein, ob die starken oder die schwachen Ruderer mehr Proviant bekommen, wenn das Tempo denn nur stimmt. Ich vermute, dass es sinnvoll ist, den starken relativ mehr zu geben und die schwachen nicht zum Aufstand zu reizen. Für ziemlich nicht so intelligent halte ich eine Strategie, nach der die vorderen Ruder sehr viel bekommen und die hinteren wenig, während die mittleren nach hinten gedrängt werden und das alles völlig unabhängig von ihrer individuellen Stärke.

Wenn jedoch jemand 1996 noch kein Einkommen hatte, weil er als Heimkind und als erster in seiner Familie studierte, dann wird ein solcher sozialer Aufstieg überhaupt nicht erfasst, denn es werden nur Gehaltsentwicklung über die Jahre betrachtet, nicht jedoch Aufstieg durch Bildung und damit ein Einstieg in Gehaltsklassen, die deutlich über denen der Eltern liegen.
Diese Aufsteiger werden wohl bewußt verschwiegen?

Die Studie bestätigt was alle längst wussten oder wissen konnten, das Versagen der Politik von Rot-Grün (DIW Phase 2). Besonders sogenannte Reformen in der Steuer- und Wirtschaftspolitik, die regelmäßig aufkommensneutral durchgeführt wurden, belohnen nur die kleine Gruppe der besonders Erfolgreichen. Auch die Sozialpolitik (Abgabenlast) belohnt indirekt die Unternehmen, die ihre Erträge mit möglichst wenig Personal erwirtschaften. Lieber Herr Petersdorff leider teilen auch Sie die weit verbreiteten Vorurteile über den deutschen Kündigungsschutz. Dieser existiert nur auf dem Papier. Gegen Zahlung einer größtenteils geringfügigen Abfindung kann jedem Mitarbeiter gekündigt werden. Bei Massenentlassungen hilft größeren Unternehmen dabei sogar die Bundesagentur, durch die Mitfinanzierung von Auffanggesellschaften. Und weil das hier so leicht ist, haben international tätige Unternehmen ihren Stellenabbau in Europa hauptsächlich in Deutschland durchgeführt. So gesehen haben Sie dann wieder recht, der deutsche Kündigungsschutz ist Teil des Problems.

Eigentlich hätte ich mir meinen Beitrag sparen können. Liest man nämlich ein paar Zeilen weiter unten in der heutigen FAZnet Ausgabe den Artikel „ 3,2 Millionen Arbeitslose gelten nicht als arbeitslos“, braucht man nichts mehr hinzufügen. Das spricht für sich.

Für eine neue Stelle würde die Mehrheit der deutschen Jobsuchenden in eine andere Stadt oder sogar ins Ausland gehen. 76 Prozent würden für einen neuen Job in Deutschland umziehen, etwa 68 Prozent können sich vorstellen, Deutschland dafür zu verlassen, Quelle Personaldienstleister Kelly. Die Deutschen liegen damit auf dem 2. Platz europaweit, was Mobilitätsbereitschaft betrifft. Ca. 30% der Befragten waren schon mal im Ausland tätig, 60% sind wegen eines Jobs schon umgezogen. Das zur von Ihnen angeprangerten „deutschen Heulmentalität“. Das Problem liegt m.E. wo ganz anders. Die deutsche Wirtschaft boomt, stellt aber nicht mehr adäquat Arbeitsplätze zur Verfügung. Gerade dem Mittelstand, bekanntermaßen deutscher Wachstumsmotor, werden zu viele Lasten auferlegt die extrem hemmend wirken. Konzerne sehen sich nur dem SV verpflichtet, bauen Personal ab. Sich mit einer guten Geschäftsidee selbstständig und auch erfolgreich zu machen, scheitert spätestens am Bankschalter. Deutsche Banken (s. LB) verbrennen lieber „erfolgreich“ am Finanzmarkt Mrd. als einem Mittelstand zum Aufschwung zu verhelfen. Fragen Sie mal KMUs welchen Kniefall die jährlich für die Verlängerung ihrer KK-Linie machen… etc.etc. etc

Die Anzeigenvertreter der FAZ müßten es wissen. Marken- und Firmennamen bleiben bestehen. Entscheider sitzen zunehmend außer Landes. Wie soll sich da jemand "emporarbeiten"? Beispiel Fa. Höchst: Als die nicht richtig mit der Verlagerung nach Frankreich spurten, haben ihnen die Kuweitis als Hauptaktionäre einen Tritt verpaßt. Dabei dachten die Manager die ganzen Jahre, sie hätten etwas zu bestimmen. Die Folgen für die ganze Region müßten der FAZ bekannt sein. Es gibt eben nicht nur "die Konzerne", sondern auch Leute dahinter, die aber kaum in Deutschland sitzen.

Deutschland hat Jahrzehnte über seine Verhältnisse auf Kosten zukünftiger Generationen gelebt. Ein Kind, das heute in D. zur Welt kommt hat bereits mehr als 20.000€ Schulden. Es gibt eine sehr breite Masse, die sich, ohne auch nur einen geringsten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt zu leisten, auf Kosten anderer bereichert. Damit sind in erster Linie nicht die Arbeitslosen gemeint, sondern z.B. Steuerberatermassen, die sich auf Kosten eines aberwitzigen Steuersystems bereichern, Apotheker, die keine Konkurrenz zulassen, Verwaltungswasserköpfe in Krankenkassen ohne marktwirtschaftliche Strukturen, Abmahnjuristenschwemmen, Landesbanken, die Steuergelder verzocken, Schrempps, die, gegen riesige Abfindungen, ganze Unternehmen hinrichten, GEZ-Kommunisten mit Lizenz zum Geld drucken etc. ... und dann wird der Exportweltmeister, dem 20.000 Ingenieure fehlen, noch groß gefeiert wobei immer wieder vergessen wird, dass es sich nur um rein materielle Exportgüter handelt. Diese Exportgüter werden auch noch häufig mit sozialistischen Maßnahmen wie beispielsweise Dienstwagenprivilegien, Windkraft- und Pelletsubventionen am Leben erhalten. Im Dienstleistungsbereich (z.B. Software) sieht es nämlich schon äußerst mau aus. Es tickt eine Zeitbombe!

Das Problem ist richtig erkannt: Wir brauchen wieder Aufsteiger! Dazu müssen wir es schaffen, das sozial selektive Bildungssystem endlich aufzubrechen. Wenn Kinder aus der Arbeiterschicht bei gleicher Qualifikation und Intelligenz wie Kinder aus der Oberschicht weniger Chancen haben das Abitur zu machen, dann ist da was faul. Da heißt es: Ärmel hochkrempeln, nicht mehr jammern und das veraltete Gymnasium verteidigen, weil man da so schön die bürgerlichen Milieus erhalten kann.
Leistung muss sich wieder lohnen, nicht Herkunft. Dass dabei weniger Schlaue aus den oberen Schichten nicht mehr selbstverständlich davon ausgehen können, dass sie den Lebensstandard der Familie erhalten können, muss dann aber allen klar sein.
Wenn man konsequent die belohnt, die nichts leisten außer eines langen Stammbaums, neben dem immer mehr privat finanzierten Bildungssystem auch z.B. durch niedrige Erbschaftssteuern oder Vorurteile in Personalabteilungen, dann wird sich an dem unwirtschaftlichen Verhältnissen wohl wenig ändern.

Selbstverständlich gibt es keine rein wirtschaftliche Lösung - Im Gegenteil, die inzwischen auf ALLE Bereiche angewandten Regeln rein wirtschaftlichen Denkens (Konkurrenz, Effizienz, Profit) werden das Leben nicht nur für die Nicht-Aufsteiger sehr schwer machen, letztendlich auch für die Wirtschaft selbst. Es fehlt eine kluge geistige Richtungsänderung - Die von Vielen gestellte Frage "Wie wollen wir leben?" ist in der Politik offenbar noch nicht einmal angekommen.

Und wieder wird bestätigt, was "der Mittelschichtler" längst spürt:
Es gibt im Wirklichkeit gar keinen Aufschwung:
-"die Unterschicht" wird von der Politik ausreichend bedient und bei Laune
gehalten (panem et circensis)
- "die Oberschicht" streicht reale Gewinne aus virtuellen Finanzkunststückchen
ein (i.d.R. Aktiengewinne durch Stellenstreichungen o.ä. Maßnahmen)
und ist i.d.R relativ unabhängig von der Unbill der politischen Kaste,
- und die Mittelschicht bezahlt das ganze durch massiv erhöhte Steuern, durch zu
versteuernde Steuern, durch stark gestiegende Preise (gerade bei
hochbesteuerten Waren, wie z.B. Energie) und durch gleichzeitig stark
gekürzte "Vergünstigungen" (Pendlerpauschale, Förderung des
Wohneigentums...)
Das dumme (für die politische Kaste das tolle) ist die Tatsache, dass die Mittelschicht
a) sich nicht einig ist, wie diese Ausbeutung zu beenden ist (einige umarmen schon
wieder den Kommunismus, andere (~45%) wählen gar nicht mehr...
b) sie KEINE politische Vertretung mehr hat, da sich ALLE Parteien darauf stürzen
die erste und die Dritte aufgeführte Schicht zu bedienen.

...wann hören die Deutschen endlich mit ihrer Heulmentalität auf und krempeln mal kollektiv die Ärmel hoch? "L'enfer, c'est les autres" ist zwar sehr bequem, aber dieses weinerliche 'Alles ist blöd, ich kann nichts daran ändern, also brauche ich mich erst gar nicht anzustrengen' gepaart mit einer sich entwickelnden Neidgesellschaft ("Die haben das doch alles quasi gestohlen, ist doch unmöglich dass man es heute anders zu was bringt...") zerhaut die gar nicht mal schlechten Chancen, die sich Deutschland bieten.
Am Besten schickt man die Leute einfach alle mal für ein paar Jahre ins Ausland, damit sie sehen was deutsche Unternehmen und Arbeitnehmer auch heute noch für Beeindruckendes leisten - und dass man sich vor dem Rest der Welt ganz und gar nicht verstecken muss. Deutschland ist nur dann ein verlorener Fall, wenn die Leute weiterhin nach links außen verdummen, wo man sie kollektiv daran glauben lässt und es zur self fulfilling prophecy machen... (man verzeihe mir an dieser Stelle bitte den Anglizismus)

Was man vor allem aus dem Artikel lernen kann, ist, daß die Extreme zunehmen. Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer. Die Mittelschicht, die sich in den 60er und 70 er Jahre entwickelt hat, und die Hauptbasis dieser Gesellschaft war, wird zerrieben. In den 70er Jahren gab es in meiner Bankkaufmannklasse Hauptschüler, welche ordentliche Bankkaufleute wurden, heute wird hierfür Gymnasium vorausgesetzt. Die Erfolge der heutigen Schüler sind jedoch auch nicht besser als damals. Heute sind 50% der Schulabgänger Gynasiasten. Diese haben noch Chancen auf einen Dauerarbeitsplatz, der Rest nicht mehr. Dahin hat uns das neoliberale Denkmodell geführt. Und es wird uns letzten Endes weiter in das amerikanische Modell des Wirtschaftsabsturzes führen, welches wir dort gerade miterleben können.

1.) Mag sein, dass sie den Gedanken des Sozialdarwinismus als "unselig" empfinden. Dass Veränderung der Systeme des menschlichen Zusammenlebens stattfindet ist aber ja wohl unstrittig. Nach welchen Regeln - oder vielleicht regellos? - sie denn stattfinden KÖNNTE ist die zwangsläufige Folgefrage. Diese Frage beantworten sie leider garnicht. Ich erlaube mir jedenfalls auch in diesem Bereich viel Versuch und viel Irrtum zu sehen - wobei dieser Bereich sich dadurch auszeichnet, dass der Glaube an den "idealen Menschen" es möglich macht auch gescheiterte Versuche WIDER die Natur des Menschen immer wieder zu wiederholen.
2.) Übermässiger Stress hemmt eher. Einverstanden. Haben sie mal an den "Eustress" gedacht, der "Flüüüügel" (ganz ohne Coffein) verleiht?
3.) Ein Hazardeur ist tatsächlich jemand, der fatalistisch ( blind ) in ein Risiko läuft. Mut ist etwas ANDERES. Mutig ist, wer KLUG das Risiko des Absturzes AUCH einkalkuliert und dann, dessen bewusst, bereit ist Risiko anzunehmen. Niemand ist mutig im Sinne des Wortes, wenn er weiss, dass er in eine Hängematte fällt. Wenn er nur DANN "springt", dann ist er ein satter Besitzstandwahrer. Auch die haben Platz in der Gesellschaft. Ohne "Hefe" geht es aber auch nicht.

"Ist nicht eine gewisser "Stress" auch ein gewaltiger "Motor". Die biologische und die soziale Evolution liefern Beispiele ohne Ende."
Ich hatte eigentlich gedacht wir hätten diese unseelige Idee eines Sozialdarwinismus hinter uns gelassen. Dieser gewisse "Stress" den Sie hier ansprechen ist alles andere als ein Motor, er führt zu einem der größten Hemmfaktoren für Motivation überhaupt: Angst. Und die können Sie mittlerweile in der Mittelschicht in unserem Lande spüren.
Ich weiss nicht, wer einmal diese unseelige Idee in Umlauf gebracht hat, Anstrengungen und persönliche (berufliche) Anstrengung würden um so besser gedeiehen, je mehr man die Menschen unter Druck bzw. Stress setzt. Psychologisch ist das ebenso fatal wie falsch.
Ich bin dann mutig wenn ich das Gefühl habe, dass wenn meine Anstrengungen mal nicht gelingen ich nicht gleich ganz tief falle. Risikobereitschaft braucht auch immer Sicherheit, nur Hasardeure handeln nie klug sondern immer fatalistisch. Ihre Vision einer "Stressgesellschaft" schafft den Bodensatz einer frustrierten, ängstlichen Gesellschaft die schon häufig in der Geschichte politisch fatalen Regimen den Weg geebnet hat. Die aufkommenden Extremparteien bei uns zeigen das bereits.

1. Daß der Elan der Wirtschaftswunderjahre sich längst verflüchtigt hat.
2. Daß der Erfolg jener Jahre die Deutschen zunehmend sozial immobil gemacht hat.
3. Daß keine Regierung diesen Trends je konzeptionell entgegen gewirkt hat.
Nun, gleichwohl ist zu berücksichtigen, daß Deutschland bis heute relativ zur Bevölkerung nach wie vor die mit Abstand führende Exportnation ist. Daß Deutschland die Last der 'Wiedervereinigung' zu tragen hatte (die durch eine falsch gelaufene Währungsangleichung noch unnötig verstärkt wurde). Daß das Sozialklima in diesem Land bis dato und aus einigem Abstand betrachtet immer noch erträglich ist. Und die Lebensverhältnisse im Großen und Ganzen noch auskömmlich sind.
Noch. Denn im globalen Ratrace fehlt es objektiv in der Tat an der notwendigen individuellen Aufsteigermentalität und -dynamik im Vergleich zu den aufstrebenden Volkswirtschaften. Auch in 'alten' Industrienationen wie beispielsweise den USA und Großbritannien, selbst Frankreich, herrscht dank der Immigranten immer noch ein besseres Aufstiegsklima als in Deutschland. Die DDR war in dieser Hinsicht aus den bekannten Gründen ein glatter Totalausfall.
Und nun? Eine rein ökonomische Lösung der Probleme wird es m. E. nicht geben.

"Deutschland ist im globalen Vergleich immer ein Land gewesen, das für Gemütlichkeit, Gleichheit und Gleichförmigkeit stand, nicht für spektakuläre Karrieren. Zusammen mit Skandinavien und mitteleuropäischen Ländern ist hier der Gini-Koeffizient, der das Maß der Einkommensungleichheit bestimmt, am geringsten. Gleichzeitig war die Aufstiegsmobilität nie überdurchschnittlich groß. Das ist zu ertragen, solange das Einkommen auskömmlich war."
Der Autor "erträgt"nur, dass die Aufstiegsmobilität wegen des geringen Gini-Koeffizieten gering war. Ist es nicht möglich, dass ein großer "Gini" die Lust am Aufstieg FÖRDERT ? "Satte" neigen nicht zu Heldentaten. Die "Hungrigen" aller aufstrebenden Länder zeigen es. Ist nicht eine gewisser "Stress" auch ein gewaltiger "Motor". Die biologische und die soziale Evolution liefern Beispiele ohne Ende. Unsere Gesellschaft scheint auch an anderer Stelle die Tendenz zu haben, mit zunehmender Komplexität die "ganz einfachen" Zusammenhänge auszublenden. Da hilft auch eine "Studie", die ihre "Gruppen" selbst definiert, so wissenschaftlich der Anstrich auch sein mag, nicht wirklich weiter.