Von Philip Plickert
15. Oktober 2007 Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht an die amerikanischen Spieltheoretiker Leonid Hurwicz, Eric S. Maskin und Roger B. Myerson. Ausgezeichnet würden sie für die Entwicklung der Mechanismus-Design-Theorie, teilte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit.
Der 90 Jahre alte Hurwicz ist emeritierter Professor an der Universität von Minnesota. Maskin, 56 Jahre alt, lehrt am Institute for Advanced Studies in Princeton, Myerson, ebenfalls 56 Jahre alt, lehrt in Chicago. Das Preisgeld von 10 Millionen schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) teilen sie sich. Maskin, der sich zur Pressekonferenz telefonisch meldete, zeigte sich überrascht über die Ehrung. Es ist wie ein Lotteriegewinn: Die Chance ist winzig, und es gibt in der Ökonomik so viele Leute, die plausible Gewinner wären.
Für die Theorie des Mechanismus-Designs
Nach der klassischen Theorie von Adam Smith lenkt eine unsichtbare Hand das wirtschaftliche Handeln der Marktteilnehmer in Richtung des Gemeinwohls und garantiert das bestmögliche Ergebnis (Allokation). Allerdings entsprechen die Bedingungen in der Realität oft nicht den theoretischen Anforderungen an perfekte Märkte, etwa wenn unvollständiger Wettbewerb, externe Effekte (etwa Umweltverschmutzung) oder asymmetrische Informationen vorliegen. Hier setzt die Forschung der Preisträger an. Ihre Arbeiten haben unser Verständnis der Eigenschaften von optimalen Allokationsmechanismen weit verbessert, schreibt die Schwedische Akademie der Wissenschaften in ihrer Begründung.
Die Theorie des Mechanismus-Designs befasst sich mit Situationen, in denen individuelles Handeln zu gesellschaftlich nicht optimalen Ergebnissen führt. Sie fragt, wie die Anreize gesetzt und die Spielregeln (die Allokationsmechanismen) gestaltet werden müssen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Hurwicz gehörte zu den wissenschaftlichen Pionieren, Maskin und Myerson entwickelten die Theorie weiter.
Theorie wird etwa für Versteigerungen angewendet
Konkrete Anwendung findet sie etwa bei Versteigerungen von Emmissionszertifikaten oder von Lizenzen, in der Regulierung von Monopolen oder zur Gestaltung von Versicherungsverträgen und von Entgeltschemata für Manager. Auch die Politikwissenschaft bedient sich der Mechanismus-Design-Theorie, etwa zur Beurteilung von demokratischen Wahlsystemen.
Besonders Leonid Hurwicz hat ein bewegtes Leben hinter sich: Geboren 1917 in Moskau, zwei Monate vor der Revolution, studierte er an der Universität Warschau, wo er 1938 in Jura abschloss. Später ging er in die Vereinigten Staaten, wo er an der Universität von Minnesota in Minneapolis lehrte.
Maskin, geboren 1950 in New York, studierte Mathematik an der Harvard-Universität und lehrt seit 2000 in Princeton. Auch Myerson, geboren 1951 in Boston, studierte Mathematik an der Harvard-Universität. 1978 übernahm er eine Professur an der Northwestern-Universität, 2001 wechselte er an die Universität von Chicago. Es erhalten nun zum achten Mal nacheinander amerikanische Wissenschaftler den Nobelpreis (siehe auch: Bild für Bild: Wirtschafts-Nobelpreisträger).
Text: ppl./F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, F.A.Z.
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Fünf Köpfe: Wir sind der Flughafen
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