Von Richard Leipold, Iserlohn
21. März 2008 Wir machen durch bis morgen früh. Dieses Motto fröhlicher Partygänger passt nicht zum Karfreitag. Deshalb finden Sportveranstaltungen, die sonst freitags auf dem Programm stehen, in der Karwoche schon am Donnerstag statt, auch in Iserlohn. Dort wurde die Sperrstunde am frühen Morgen allerdings lautstark überschritten, weil die heimischen Roosters ihr Play-off-Viertelfinalspiel gegen die Frankfurt Lions zu einer Night-Session mit Überlänge gemacht hatten.
Die Zuschauer in der Eishalle am Seilersee bekamen fürs gleiche Geld fast doppelt so viel Sport zu sehen wie üblich. Erst nach 117 Minuten und 45 Sekunden beendete der Iserlohner Torjäger Michael Wolf mit dem Tor zum 3:2 das längste Eishockeymatch, das deutsche Profivereine je ausgetragen haben – kurz vor Ende der dritten Verlängerung, eine gute Viertelstunde nach Mitternacht.
In Amerika wird gerne noch viel länger gespielt
Damit haben Roosters und Lions den Zeitrekord in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) souverän überboten, den am vergangenen Sonntag erst die Kollegen aus Düsseldorf und Hannover aufgestellt hatten. Deren Marke lag bei 91:44 Minuten. Als der gewaltige Torschrei verklungen war, ließ die siegreiche Mannschaft ausrichten, sie werde nicht mehr aus der Kabine auf das Eis zurückkehren, um sich für den ersten Iserlohner Sieg in einem DEL-Play-off-Spiel überhaupt feiern zu lassen. Sie seien zu müde, um noch zu jubeln. Die nächste Partie findet schon an diesem Samstag in Frankfurt statt.
Von den Rekorden der amerikanischen Profiliga (NHL) sind die deutschen Schwerstarbeiter aber noch ein beträchtliches Stück entfernt. Das längste Spiel der NHL-Geschichte dauerte vor 72 Jahren 176 Minuten und 30 Sekunden, ehe Detroit im ersten Halbfinale gegen Montreal das 1:0 erzielte. In Amerika kämen Iserlohn und Frankfurt mit ihren Überstunden nicht einmal unter die zehn längsten Spiele. Aber die Play-offs haben ja gerade erst angefangen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
