Frankfurt Lions

Der Mann für die besonderen Momente

Von Thomas Klemm

31. März 2008 So viel Zuneigung wie dieser Tage hat Ian Gordon schon lange nicht mehr erlebt. Betritt der Torhüter der Frankfurt Lions die Eisfläche am Ratsweg, wird er von den hessischen Anhängern noch lauter und noch leidenschaftlicher begrüßt als seine Mitspieler. Vereitelt der Kanadier während eines Play-off-Spiels mit einem famosen Reflex eine Torchance des Gegners, beginnen die Zuschauer umgehend, seinen Namen zu intonieren.

Ertönt dann später die Schlusssirene, so stürzen alle Löwen sofort in Richtung des eigenen Tores, wo der 1,78 Meter große Kanadier alsbald in einem Pulk schulterklopfender Kollegen verschwindet. Und wenn sich Ian Gordon kurz darauf in seiner massigen Torhüter-Ausrüstung in Richtung Kabine schleppt, wird er von Lions-Eigentümer Gerd Schröder vor der Tür abgefangen, umarmt und mit Lob überschüttet. Wenn in dieser Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ein Profi aus dem Frankfurter Kollektiv besonders herausragt, dann ist es der Goalie: Gordon, der Große.

Statistik: 91 Prozent gehaltene Schüsse

Der letzte Mann der Lions ist aber nicht nur äußerst reaktionsschnell, sondern auch ausgesprochen bescheiden. Nach dem 4:3-Sieg im entscheidenden siebten Viertelfinalspiel gegen die Iserlohn Roosters nahm Gordon am Sonntag die Begeisterung um ihn herum zwar erfreut zur Kenntnis, lobte aber lieber „die hervorragende Mannschaftsleistung, die uns in dieser extrem harten Play-off-Serie den Erfolg gebracht hat“.

Besonders hart waren die sieben Begegnungen mit der Überraschungsmannschaft aus dem Sauerland für den Torhüter, der in wenigen Wochen 33 Jahre alt wird. Zwanzig Treffer musste er gegen die Roosters hinnehmen, aber ein Vielfaches von Schüssen parierte Gordon mit außergewöhnlichen Reaktionen. Letztlich geben aber selbst die 91 Prozent gehaltener Schüsse, die statistisch zu Buche stehen, sowie der Shutout im sechsten Duell die aktuelle Stärke des Löwen-Torhüters unzureichend wieder; wichtiger waren jene Paraden in den vielen kniffligen Situationen, als Gordon einen Ausgleich oder einen (auch höheren) Rückstand verhinderte, seine Mannschaft im Spiel hielt und ihr damit letztlich erst den einen und den anderen Sieg ermöglichte.

„Wieder hat Ian Gordon den Unterschied gemacht“, klagte der Roosters-Trainer Rick Adduono auch nach dem siebten Play-off-Duell beider Teams, „ich muss ihm allen Respekt zollen.“ Und auch sein Frankfurter Kollege Rich Chernomaz, der seinen Torhüter von Spiel zu Spiel aufs Neue loben durfte, kam am Sonntag zu fast dem gleichen Abschlusszeugnis: „Der Unterschied war Ian Gordon und unsere vierte Reihe.“

Kölner Haie empfangen die Löwen

Dass er sich vor allem zu Beginn der Play-off-Serie einem munteren Iserlohner Scheibenschießen ausgesetzt sah, störte den Lions-Schlussmann überhaupt nicht. Im Gegenteil: „Man arbeitet im Sommer sowie tagein, tagaus im Training darauf hin, solche aufregenden Spiele zu erleben“, sagt Gordon. Vor allem die Übungseinheiten mit Daniel Hüni schufen die Grundlage dafür, dass Gordon seine Arbeit in dieser Saison mit einer solchen Konstanz erledigt wie lange nicht. Einmal im Monat, zuletzt unmittelbar vor der ersten Play-off-Partie, kam der Schweizer Torwarttrainer nach Frankfurt gereist, um ein paar Extraschichten mit Gordon einzulegen. „Das zahlt sich jetzt aus“, sagte der Lions-Torwart, dessen Ehrgeiz sich laut Hüni selbst in den kleinsten Dingen zeigt. Zudem bescheinigt der Schweizer Eishockeylehrer dem Kanadier „eine unglaubliche Ausstrahlung und Präsenz“: Die auf Gordon zueilenden Stürmer würden kein Tor mehr sehen, sondern nur Torwart.

So wird es wohl auch den Kölner Angriffsreihen ergehen. An diesem Dienstag (19.30 Uhr) empfangen die Haie die Löwen zum ersten Halbfinalspiel in der Serie „best of five“, und Ian Gordon kann es kaum erwarten, die aufgeheizte Atmosphäre in der Kölnarena zu erleben. Er genieße alle Emotionen der Fans, sagt der in der kanadischen Provinz Saskatchewan geborene Eishockeyprofi. Selbst die Drohkulisse am Iserlohner Seilersee, wo die Lions dreimal bis aufs Blut gereizt wurden, habe ihn mehr motiviert als verstört, behauptet Gordon. „Es ist doch toll, in einer anderen Stadt zu spielen und zu sehen, wie sich die Fans dort ärgern.“ Diesen Kick nun auch in Köln erleben zu wollen, das hält Daniel Hüni für typisch an Ian Gordon, der „charakterlich ein Play-off-Typ“ sei.

Der Tormann für die besonderen Momente erwartet gegen die favorisierten Haie nicht nur eine Menge Arbeit für sich, sondern „einen harten Job für uns alle“. Doch bei den Frankfurt Lions gibt man sich zuversichtlich, zum zweiten Mal nach der Meisterschaft 2004 ein DEL-Finale erreichen zu können: „Mit unseren vier Blöcken und mit Ian Gordon haben wir auch gegen Köln eine Chance“, sagt Manager Dwayne Norris. Vor allem mit Gordon.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 
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