Eishockey-Play-offs

Auferstehung der Lions

Von Marc Heinrich

03. April 2008 Die Lions haben ihre Ausgangslage in den Play-offs der Deutschen Eishockey Liga wieder verbessert. Am Donnerstag gewannen sie gegen die Kölner Haie im zweiten Halbfinale 5:4 nach Verlängerung (1:3, 2:0, 1:1, 1: 0). Das entscheidende Tor erzielte Chris Taylor in der 67. Minute. Die Frankfurter glichen in der Serie „Best of Five“ damit nach Siegen zum 1:1 aus.

Mit so einem ermutigenden Ende war nach einem völlig missratenen Beginn des Abends nicht unbedingt zu rechnen. Jason Marshall saß schon nach 13 Sekunden auf der Strafbank und musste mit ansehen, wie seine Kollegen ohne ihn 0:1 in Rückstand gerieten. Todd Warriner überwand Ian Gordon aus spitzem Winkel (3.). Den Keeper der Löwen traf bei diesem Tor eine Teilschuld, weil er eine kapitale Lücke zwischen Schoner und Pfosten ließ, durch die der Puck ins Netz flog. Der frühe Gegentreffer zeigte Wirkung und sorgte für Verwirrung - das 0:2 fiel noch in der gleichen Minute. Gregg Johnson und Gordon waren sich nicht einig, wer die Situation bereinigen sollte, woraufhin der Kölner Alexej Dimitriew Kapital aus der Frankfurter Abwehr-Konfusion schlug.

Die Kölner gerieten völlig aus dem Konzept

Das muntere Scheibenschießen ging im Gegenzug weiter, als Jeff Ulmer mit dem einzigen konstruktiven Vorstoß der Lions im Eröffnungsabschnitt das 1:2 erzielte (4.). Doch das spielbestimmende Team blieben die Rheinländer, die im ersten Drittel auf die stolze Schussbilanz von 24:3 kamen. Sie erhöhten, abermals im Powerplay, durch Sean Tallaire folgerichtig auf 3:1 (8.) - ein Zwischenergebnis, das die Löwen mit viel Glück bis zum Gang in die Pause über die Zeit retteten und das für den weiteren Verlauf des Abends aus Sicht der Frankfurter Fans unter den 7000 Besuchern das Allerschlimmste befürchten ließ.

Doch ein Debakel, wie 48 Stunden zuvor beim 1:7 in der Köln-Arena, wurde es für Trainer Rich Chernomaz und seine Cracks diesmal nicht - ganz im Gegenteil. Aus für Außenstehende schwer nachvollziehbaren Gründen geriet der zweimalige Meister völlig aus dem Konzept. Statt dem mächtig wankenden Rivalen den endgültigen Knockout zu versetzen, räumten die Haie aus freien Stücken die neutrale Zone, zogen sich weit zurück und glaubten wohl, die Löwen seien an diesem Abend mit sorgsam dosiertem Kraftaufwand zu besiegen.

Overtime erzwungen und gewonnen

Ein fataler Irrtum, der sich rächte und eine zuvor einseitige Partie wieder spannend machte. Zunächst gelang Jay Henderson in Überzahl für die nun drückend überlegenen Hessen das 2:3 (25.), ehe sein Nebenmann Derek Hahn in der 34. Minute sogar ausglich und aufs Neue unterstrich, dass Moral und Einsatzwillen bei den Frankfurtern auch auf der Schlussgeraden einer langen Saison noch intakt sind.

Die Tore gaben den Lions, die sich erst auf den letzten Drücker in sieben packenden Viertelfinalspielen gegen Iserlohn für die Vorschlussrunde qualifiziert hatten, weiteren Auftrieb: Chris Armstrong (48.) und Jeff Ulmer (49.) scheiterten jedoch am Kölner Schlussmann Robert Müller. Auf der anderen Seite war Ivan Ciernik konsequenter: er drückte einen Abpraller zum 4:3 über die Linie (57.). Doch auch danach gaben sich die Lions noch nicht geschlagen, Layne Ullmer egalisierte kurz vor dem regulären Ende (4:4, 59.) und erzwang die Overtime. Chris Taylor wurde dann nach 6:19 Minuten der Verlängerung zum Matchwinner, als er im Powerplay zur Stelle war.

Playoff (Best of 5), Halbfinale, 2. Spieltag

Frankfurt Lions - Kölner Haie 5:4 n.V. (1:3, 2:0, 1:1, 1:0)
Schiedsrichter: Looker (USA), Schütz (Moers)
Zuschauer: 7000 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Warriner (02:07), 0:2 Dmitriev (02:23), 1:2 Jeff Ulmer (03:37), 1:3 Tallaire (07:03), 2:3 Henderson (24:51), 3:3 Hahn (33:28), 3:4 Ciernik (56:32), 4:4 Layne Ulmer (58:54), 5:4 Taylor (66:19)
Strafminuten: 10 / 12



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

 
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