Frankfurt Lions

Mit letzter Kraft und reichlich Glück

Von Thomas Klemm

19. März 2008 Wenige Minuten nach dem furiosen Finale herrschte bei den Frankfurt Lions eine gewöhnliche Geschäftigkeit, die auf einen besonderen Ausnahmezustand hindeutete. Statt sich, wie in der Hauptrunde der Deutschen Eishockey Liga, nach einem Spiel dem Publikum zu präsentieren und sich feiern zu lassen, schlurften die Profis am Dienstag in aller Stille durch die Kabine. Als sie kurz zuvor vom Eis gegangen waren, hatten sie nur kurz den treuesten Anhänger zugewinkt, und auch in den Katakomben der Eissporthalle war von überschwenglicher Freude darüber, mit einem glücklichen 4:3-Sieg nach Verlängerung in die Viertelfinalserie gegen die Iserlohn Roosters gestartet zu sein, nicht mehr viel zu spüren.

Es ist eben Play-off-Zeit, alle zwei Tage steht ein Spiel auf dem Programm, so dass die Lions schon am Dienstag abend lieber 48 Stunden nach vorne schauten als ein paar Minuten zurück. „Ich hoffe, dass uns dieser Sieg Aufwind gibt“, sagte Ilja Worobjew mit Blick auf das zweite Spiel an diesem Gründonnerstag in Iserlohn. Schließlich durften sich die Löwen stark fühlen, weil sie ihre spielerischen Mängel durch einen Kraftakt kurz vor Spielende sowie „mit einem bisschen Glück“ (Worobjew) erfolgreich wettgemacht hatten. „Dieses Team hat Charakter, es gibt niemals auf“, lobte Lions-Trainer Rich Chernomaz, nachdem sich seine Eishockeyprofis durch zwei Treffer binnen 57 Sekunden in die Verlängerung gerettet hatten.

„Plötzlicher Tod“ der Sauerländer

Die Mannschaft hätte zu keinem Zeitpunkt an sich gezweifelt, behauptete im Nachhinein Ilja Worobjew, der in der 57. Minute den Anschlusstreffer zum 2:3 erzielt hatte, ehe Chris Taylor den Ausgleich herstellte: „Hätten wir nicht an die Wende geglaubt, hätten wir auch die Tore nicht geschossen.“ Die große Moral der Löwen ist in der Liga hinlänglich bekannt, und auch die Sauerländer konnten nicht wirklich davon überrascht sein, dass die Frankfurter drei Minuten vor der Schlusssirene nicht klein beigaben. Schon bei der vorletzten Hauptrundenbegegnung vor knapp zwei Monaten hatten die Iserlohner in eigener Halle 5:3 gegen die Lions geführt, mussten aber auch damals kurz vor Spielende zwei Treffer zum Ausgleich hinnehmen.

Während die Roosters Anfang Februar 6:5 nach Verlängerung siegten, sorgte am Dienstag Richie Regehr nach 2:03 Minuten in der Overtime für den „plötzlichen Tod“ der Sauerländer. „Ich bin stolz auf die Jungs, weil sie einen Weg gefunden haben, ins Spiel zurückzukommen“, sagte Chernomaz. Zugleich gab sich sich der Lions-Trainer erleichtert, ist er doch der Meinung, dass das erste Play-off-Heimspiel immer am schwierigsten zu gewinnen sei: „Da sind die Spieler besonders nervös.“

Im Nachhinein machte einer wie Ilja Worobjew tatsächlich keinen Hehl daraus, dass die Löwen mit einigen Bedenken in diese erste Play-off-Begegnung gegangen waren. Die vier Hauptrundenniederlagen gegen die Roosters hätten anfangs noch in jedem Frankfurter Spielerkopf gesteckt, behauptete der Stürmer, „diese Barriere mussten wir erst überwinden“.

Osterloh: „Ich habe es knacken gehört“

Das schien den Lions zunächst schnell gelungen zu sein, gingen sie doch durch Jay Henderson (10.) frühzeitig in Führung. Weil sie aber anschließend den flinken und forschen Iserlohnern zunehmend die Initiative überließen, das Forechecking vernachlässigten und selbst kaum noch Torchancen erarbeiten, begann zunehmend das Zittern. „Es war nicht unser bestes Saisonspiel, aber nach zehn Tagen Pause ist das normal“, sagte Chernomaz, der nur das Unterzahlspiel seiner Löwen loben und Ian Gordon für seine Paraden preisen konnte.

Immerhin ließen sich die Löwen aber nicht dazu hinreißen, auf die Provokationen der Sauerländer mit Hauen und Stechen zu reagieren. Ein paar Knüffe hier und da, damit begnügten sich die Hessen, die sich nicht über die Gangart der Roosters beschweren wollten. „Das war normale Play-off-Härte“, sagte Lasse Kopitz.

Die bekam auch Sebastian Osterloh zu spüren, der mit bandagiertem linken Knöchel durch die Gänge humpelte, „Ich habe es knacken gehört“, sagte der Nationalverteidiger, der eine Knochenprellung erlitt und an diesem Donnerstag definitiv nicht spielen kann. Ob er im dritten Duell am Samstag wieder aufs Eis kann, ist noch fraglich. Auf Seiten der Iserlohner wird Stürmer Pat Kavanagh schmerzlich vermisst werde, der nach einer Spieldauerdisziplinarstrafe für ein Spiel gesperrt ist. Lions-Trainer Chernomaz behauptet zwar, „es ist immer schwer, in Iserlohn zu gewinnen“. Aber vielleicht bewirkt der pure Willen wieder ein kleines Eishockeywunder.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 
Das Hörportal der FAZ
Erfolgshörbuch Hirnforschung
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche