Play-off-Halbfinale

Die Löwen verlieren das Geduldsspiel

Von Thomas Klemm, Köln

06. April 2008 Es war ein kleines Jubiläum, das die Frankfurt Lions am Sonntag begehen konnten. Das zehnte Play-off-Spiel binnen zwanzig Tagen absolvierte das Team. Mitten in einer Halbfinalserie ist das allerdings kein Grund zum Feiern, umso weniger, als die Mannschaft von Trainer Rich Chernomaz das dritte Halbfinalspiel bei den Kölner Haien durchaus hätte gewinnen können, aber letztlich in der Verlängerung verlor.

Nach regulärere Spielzeit hatte es durch Treffer des Kölners Philip Gogulla (11. Minute) und des Frankfurters Chris Taylor (21.) noch 1:1 (0:1, 1:0, 0:0) gestanden, dann entschied Ivan Ciernik mit seinem Powerplaytor in nach 14:36 Minuten in der Verlängerung die Begegnung in der Kölnarena.

Mehr Torchancen, weniger Glück

Zu jener Zeit hatte Taylor gerade zehn Sekunden einer Zweiminutenstrafe verbüßt. Die Lions hatten allen Grund, mit der Niederlage zu hadern. Hatten sie vor 18.050 Zuschauer doch deutlich mehr Torchancen als die Haie, die in der Serie nach dem Modus „best of five“ nun mit 2:1 Siegen führen.

Aber die Eis-Löwen scheiterten entweder an der Stärke des wieder einmal überragenden Torhüters Robert Müller oder der eigenen Abschlussschwäche. Die Frankfurter stehen bei ihrem Heimspiel an diesem Dienstag in der Eissporthalle am Ratsweg (19.30 Uhr) gehörig unter Druck, würde eine weitere Niederlage doch das Halbfinalaus bedeuten.

Zwei spielfreie Tage hatten die Lions schon lange nicht erlebt in den aktuellen Play-offs, und sie schienen die kurze Zwischenzeit genutzt zu haben, um sich körperlich und geistig etwas zu erfrischen. Denn von Beginn an ließen sie den Kölnern kaum Raum zur Entfaltung, schon in der neutralen Zone erarbeiteten sich die Hessen ein Übergewicht und standen allen Angriffsversuchen früh im Wege.

Frische Frankfurter

Zudem erledigten sie die Abwehrarbeit in der regulären Spielzeit mit weitgehend fairen Mitteln, so dass nur acht Strafminuten gegen sie verhängt wurden - ein Beleg nicht nur für die zurückhaltende Leitung des Schiedsrichtergespanns Richard Schütz/RickLooker, sondern vor allem für die Frische der Frankfurter, die ihrem rheinischen Gegner auf Schritt und Tritt folgten oder ihm oft sogar voraus waren.

Als Verteidiger Michael Bresagk in der vierten Minute neben aller Zerstörertätigkeit noch Zeit für einen eigenen Vorstoß fand, scheiterte er als Erster an Haie-Torhüter Müller. Den Rückschlag, der folgte, sind die Lions längst gewohnt in diesen Wochen. Zum achten Mal im zehnten Play-off-Spiel erzielte nicht das Team von Chernomaz das erste Tor, sondern dessen Gegner.

Nachdem die Lions eine zweiminütige Überzahl hatten ungenutzt verstreichen lassen, geriet der Kölner Philip Gogulla nach einem kurzen Solo ins Straucheln, schaffte es aber noch, den Puck an der verblüfften Frankfurter Verteidigung und an Ian Gordon vorbei ins Tor zu bugsieren. Manche Mannschaften mögen nach solch einem Gegentreffer irritiert sein, die leidgeprüften Lions reagieren nur noch abgeklärt.

Optische Überlegenheit

Auch diesmal spielten sie nach dem Rückstand unbeeindruckt weiter, hätten schon drei Minuten später den Ausgleich erzielen können, doch sowohl Radek Krestans Versuch als auch Tobias Wörles Nachschuss parierte Nationaltorhüter Müller. Nach 55 Sekunden im Mitteldrittel konnte aber auch der Haie-Keeper nichts mehr ausrichten.

Den Schuss von Lasse Kopitz wehrte er noch ab, aber gegen den freistehenden Chris Taylor war Müller chancenlos. Durch sein Abstaubertor in Überzahl erhöhte der derzeit beste Frankfurter Play-off-Schütze seine Ausbeute auf fünf Treffer. Taylor selbst (37.) sowie seinen Kollegen Jeff Ulmer (27.) und Gregg Johnson (39.) gelang es anschließend nicht, die optische Überlegenheit ihres Teams auch in einen zählbaren Vorteil zu verwandeln. Auf der anderen Seite wurde Lions-Goalie Gordon seltener geprüft als sein Kölner Gegenüber, erfüllte seine Aufgaben aber kaum minder überzeugend.

In der 44. Minute hatte Wörle, der mit seiner „deutschen Reihe“ wieder vorbildlich seine Arbeit erledigte, die Entscheidung auf dem Schläger. Doch verfehlte der Stürmer die Scheibe, um sie ins freie Tor zu schieben. Nachdem das dritte Drittel torlos vorübergegangen war, musste das Publikum in der Verlängerung bis zur 74. Minute warten, ehe der dritte Treffer des Abends das dritte Play-off-Halbfinalspiel zugunsten der Haie entschied. An diesem Dienstag ist es an den Lions, den Matchball der Kölner abzuwehren, wollen sie sich den Traum vom zweiten Titel nach 2004 erhalten.

Im dritten Play-off-Halbfinale fehlt den Frankfurt Lions in Köln das Glück. In der
Verlängerung schießen die Haie das 2:1-Siegtor.
Von Thomas Klemm



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche