26. Dezember 2006 Nach dem hart erkämpften Heimsieg über die Hamburg Freezers hatte Rich Chernomaz ein wenig über die Auswirkungen familiärer Pflichten auf das Leistungsvermögen einiger Eishockeyspieler geklagt. Die vielen Einkäufe und das verstärkte Eingebundensein in das Familienleben, das mancher Profi sonst nicht gewohnt ist, hätten einiges an Konzentration gekostet. Am zweiten Weihnachtstag sah der Trainer der Frankfurt Lions sich bestätigt. Die Frankfurt Lions verloren ihr Auswärtsspiel bei den Kölner Haien vor 13.000 Zuschauern 3:5 (0:2, 1:1, 2:2).
Köln war einfach hungriger, sagte Chernomaz. Wir hatten einige körperliche Defizite. Auswärts sind wir nur halb so stark wie zu Hause. Es gibt oft nur schwarz oder weiß. Heute war bei uns alles schwarz. Beim 3:2 über Hamburg vor heimischer Kulisse hatten die Löwen sich am Tag vor Heiligabend durch einen zweimaligen Rückstand nicht vom Weg abbringen lassen. Peacock war in der Verlängerung der Siegtreffer gegen die Freezers gelungen.
Weder besinnlich noch besonnen
Die Frankfurter gingen ihren Feiertagsdienst - es war schon das dritte Spiel innerhalb von sechs Tagen - weder besinnlich noch besonnen an. Sie starteten wie eine Gruppe Halbstarker, die mit Disziplin nicht viel im Sinn haben. Schon nach 71 Sekunden landete Rami Alanko als erster auf der Strafbank. Wenige Sekunden später folgte ihm Verteidiger Michael Bresagk, weil er das Spiel verzögert hatte. Tatsächlich zog sich nur das Frankfurter Spiel in Unterzahl in die Länge.
Die Hessen konnten von Glück sagen, daß der Gegner sich zunächst zierte, seine Übermacht auf dem Eis auszunutzen. Die Kölner drängten die mühevoll verteidigenden Frankfurter zwar in deren Hälfte zurück, zeigten aber Schwächen im Abschluß und fanden des öfteren in Torwart Ian Gordon ihren Meister. Kaum hatten die Frankfurter die erste Stress-Situation überstanden (zeitweise verteidigten sie zu dritt gegen fünf Haie), brachten sie sich schon wieder selbst in Bedrängnis. Verteidiger Peter Podhradsky verabschiedete sich mit einem Check gegen den Kopf eines Gegenspielers für zehn Minuten.
Aber erst mit einiger zeitlicher Verzögerung begann es sich zu rächen, daß die Löwen ihre Kräfte in den ersten Minuten so sinnlos hatten walten lassen. In der 15. Minute war es vorbei mit der Gnade der Kölner. Kai Hospelt wuchtete den Puck mit einem fulminanten Schlagschuß ins Tor. Die Frankfurter, die zwischendurch ein wenig kühler gewirkt hatten, nahmen den Gegentreffer nicht als Warnung, sondern wiederholten ihr disziplinloses Verhalten aus der Anfangsphase. Abermals sahen sich drei Frankfurter Feldspieler fünf Kölnern gegenüber. Diesmal kamen sie nicht unbeschadet davon. Dave McLlwain, der Kapitän der Haie, nutzte die Überzahl und baute den Vorsprung aus (18.). Die Löwen kamen im ersten Drittel nur selten gefährlich in die Nähe des gegnerischen Tores; ihre beste Chance vergab Dwayne Norris, dessen Schuß ein wenig zu hoch angesetzt war.
Weitere Rückschlage
Im zweiten Durchgang erweckten die Hessen den Eindruck, ihre Aufgabe gewissenhafter erledigen zu wollen. Dennoch mußten sie zunächst einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Moritz Müller schoß das dritte Tor für die Haie (28.). Dennoch nahm das zweite Drittel keinen so einseitigen Verlauf wie das erste. Nicht einmal sechzig Sekunden nach dem 0:3 stellte Chris Taylor mit einem Powerplay-Tor den vorherigen Abstand wieder her (29.). Aber es war bezeichnend für den Auftritt der Frankfurter, wie ihr Kapitän sich ein paar Sekunden nach dem Erfolgserlebnis benahm. Der Torjubel der Lions war kaum verklungen, da schlug Taylor abermals zu. Er war an einem Handgemenge beteiligt und wurde wie sein Gegenüber Lasse Kopitz wegen übertriebener Härte auf die Strafbank geschickt.
Im letzten Drittel fielen zwar noch ein paar Tore, doch an der Tendenz änderte sich nichts mehr. Die Kölner Rudslätt (52.) und Mclwain (54.) legten jeweils vor, auf der anderen Seite stellten Podhradsky (53.) und Oppenheimer (57.) mit ihren Treffern sicher, daß es für die Löwen kein Debakel gab. Kurz vor Schluß nahm Trainer Chernomaz den Torhüter vom Eis und ersetzte ihn durch einen sechsten Feldspieler. Aber diese Maßnahme nützte den Frankfurtern nichts mehr.
Text: F.A.Z.