Darwin im Affenhirn

23. Januar 2008 Als ausgesprochen scharfsinnigen und engagierten Naturbeobachter (er selbst spricht vom "Naturburschen") hat sich der Anthropologe und Evolutionsbiologe Volker Sommer bei Affenfreunden und auch bei Akademikern außerhalb seines Fachgebietes längst einen Namen gemacht. Einigen hat er mit unbequemen Thesen auch schon mächtig zu denken gegeben. Und daran knüpft der am University College in London tätige Primatenforscher jetzt mit einer Sammlung geistreicher Essays an, in der er sich vielen populär gewordenen Fragen der Verhaltensforschung aus der Sicht des Darwinisten nähert. Fragen etwa wie die, ob Tiere auch Kultur haben können, weshalb Tötungen von Artgenossen möglich sind und warum sich Affen anders als in vielen Klischees verhalten. Ein Beispiel ist die vielbeschworenene Partnertreue der asiatischen Gibbons, die Sommer selbst erforscht hat. Überhaupt scheinen ihn brisante Themen mehr denn je zu beschäftigen. Er will mit der These aufräumen, dass es so etwas wie "Menschenrassen" geben kann, und erklärt, warum er den zentralen Begriff der Biologie - "die Art" - für überholt erachtet.

jom

Volker Sommer: "Darwinistisch denken. Horizonte der Evolutionsbiologie". S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2007, 174 S., 18 Euro.



Buchtitel: Darwinistisch denken - Horizonte der Evolutionsbiologie
Buchautor: Sommer, Volker

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2008, Nr. 19 / Seite N2

 
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