Das Innenministerium wunderte sich schon länger über das Ausmaß der Kooperation zwischen Polizei und Bundeswehr beim Gipfel von Heiligendamm. Nun gibt es dazu einen offiziellen Bericht vom Verteidigungsministerium.
Verteidigungsminister Jung (CDU) erwägt personelle Konsequenzen aus dem Einsatz der Bundeswehr beim G-8-Gipfel in Heiligendamm. Der Generalinspekteur soll prüfen, warum die Luftwaffe mehr Einsätze flog und das Ministerium erst hinterher darüber informiert wurde.
Die Flugzeuge der Bundeswehr stiegen öfter auf als von Verteidigungsminister Jung (CDU) ursprünglich autorisiert. Und sie fotografierten die Gegner des G-8-Gipfels öfter als bislang angenommen. Ein SPD-Politiker bezweifelt, dass der Einsatz irgendeine Berechtigung hat.
In dramatischen Worten hat der UN-Sondergesandte Ziegler davor gewarnt, dass Menschen verhungern könnten, wenn der Anbau von Ethanol für die Kraftstoffproduktion ausgeweitet würde. Unterdessen bezeichnete Al Gore die Beschlüsse des G-8-Gipfels als Schande.
Aufklärungsflugzeuge der Bundeswehr haben anscheinend aus der Luft auch Camps der G-8-Gipfelgegner beobachtet und fotografiert. Die Grünen sehen darin einen Verfassungsbruch, die SPD nennt den Einsatz instinktlos.
Spezial Die Bundeskanzlerin sieht in der Einigung über die Klimapolitik auf dem G-8-Treffen in Heiligendamm einen Beleg für das gute Verhältnis Deutschlands zu Amerika. Merkel sagte: Wir kommen gut zurecht. Aber wir nicken deswegen nicht alles ab, was die Vereinigten Staaten wollen.
Auf dem evangelischen Kirchentag in Köln verteidigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Ergebnisse des G-8-Gipfels gegen Kritiker. Zugleich warnte sie vor überzogenen Erwartungen. Heiligendamm sei ein guter Schritt, nicht mehr und nicht weniger. Von Thomas Holl
Bei einem Kurzbesuch in Polen bekräftigte der amerikanische Präsident George Bush, dass man an dem Projekt einer Raketenabwehr in Polen und Tschechien festzuhalten gedenke. Zuvor hatte der russische Präsident Putin auf dem G-8-Gipfel einen Alternativvorschlag ins Gespräch gebracht.
Unterschiedlich sind die Reaktionen auf den Vorschlag des russischen Präsidenten, gemeinsam mit den Amerikanern eine Raketenabwehr in Aserbaidschan zu installieren. Berlin begrüßt die russische Initiative als konstruktives Signal. Prag und Warschau bleiben skeptisch.
Musiker wie Herbert Grönemeyer, U2-Sänger Bono und Bob Geldof traten am Donnerstag abend beim Konzert Stimmen gegen Armut auf, das ein musikalischer Gegengipfel zum G-8-Treffen sein sollte. Das Konzert verlief ohne Zwischenfälle.
Nach nur zehn Minuten Fahrt ist ein Heißluftballon auf dem Weg nach Heiligendamm von Polizeihubschraubern abgefangen und zur Landung gezwungen worden. Hinter der Aktion steckt wieder die Umweltorganisation Greenpeace.
In der Nacht auf Freitag hat sich die Situation um Heiligendamm weiter entspannt. Nur noch 750 Demonstranten hätten sich nahe dem G-8-Tagungsort versammelt, teilte die Polizei mit. Die Proteste glichen meist einem bunten Fest.
Putin bekräftigt seinen Widerstand gegen die amerikanischen Pläne für ein Raketenabwehrsystem mit Komponenten in Polen und Tschechien und schlägt Aserbaidschan als alternativen Standort vor. Bush nennt das eine interessante Idee.
Bildergalerie Die G8 wollen eine Halbierung des Ausstoßes von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 in Betracht ziehen, verkündet die Kanzlerin. Und sie bezeichnet das als großen Erfolg. Unterdessen schlägt Putin Bush vor, eine gemeinsame Raketenabwehr in Aserbaidschan zu stationieren.