G-8-Gipfel

Merkel verkündet Klima-Kompromiss

Frau Merkel mit den Herren Putin und Bush: Auf “Äquidistanz“?

Frau Merkel mit den Herren Putin und Bush: Auf "Äquidistanz"?

07. Juni 2007 

Die G-8-Staaten haben sich bei dem Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm am Donnerstag auf gemeinsame Ziele zum Klimaschutz geeinigt.

Auch beim zweiten großen Thema des Gipfels, der Hilfe für Afrika, zeichnet sich eine Einigung ab. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wollen sie in den kommenden Jahren „mindestens 60 Milliarden Dollar“ für den Kampf gegen die Verbreitung von Infektionskrankheiten wie HIV/Aids, Malaria oder Tuberkulose vor allem in Afrika ausgeben. (Siehe auch: G8 einig: 60 Milliarden Dollar für Afrika)

Putin: Raketenabwehr in Aserbaidschan

Unterdessen bekräftigt der russische Präsident Putin in einem Gespräch mit Präsident Bush seinen Widerstand gegen ein amerikanisches Raketenabwehrsystem in Europa.

Zugleich schlug er Aserbaidschan, einen Nachbarstaat Irans und ehemalige Sowjetrepublik, als Standort einer gemeinsamen Raketenabwehr vor. Bush sprach anschließend von einer „interessanten Idee“. (Siehe auch: Putin schlägt Bush Raketenabwehr in Aserbaidschan vor)

Weiter Blockaden und Festnahmen

Auf der Ostsee war es am Donnerstag einigen Schlauchbooten der Organisation „Greenpeace“ gelungen, in den Sicherheitsbereich zu fahren, bis sie nach zehn Minuten von Booten der Marine aufgebracht wurden. Es gab 21 Festnahmen und mehrere Verletzte.

Immer wieder gab es zudem Blockaden der Zufahrtstraßen von Heiligendamm. Die Polizei erlaubte schließlich, dass die Demonstrationen mit mehreren tausend Teilnehmern direkt vor den Sicherheitszaun gelangen konnten. Der Zaun selbst wurde aber von berittener Polizei konsequent verteidigt. An einigen Stellen mussten Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt werden.

Eine Gruppe „Autonomer“ gelang es, einen Teil des Vorzaunes zu demontieren. In der Nacht zu Donnerstag waren Bäume über die Straße gelegt und angezündet worden. Insgesamt wurden mehr als 300 Personen verhaftet. (Siehe auch:Ein G-8-Tag mit der Polizei: Katz-und-Maus-Spiel um Heiligendamm )

Merkel: „Klares Mandat für die Umweltminister“

Bundeskanzlerin Merkel (CDU) sagte am Nachmittag, alle sieben Staats- und Regierungschefs, auch der amerikanische Präsident Bush hätten zugestimmt, dass die Verhandlungen über die weitere Begrenzung des Kohlendioxidausstoßes im Rahmen der UN ablaufen sollten. Zudem zögen alle Teilnehmer das Ziel einer Halbierung der Kohlendioxidemissionen bis 2050 „um die Hälfte in Betracht und zwar ernsthaft“.

Frau Merkel zeigte sich sichtlich zufrieden. „Ich kann mit diesem Kompromiss sehr, sehr gut leben, ich halte ihn für einen sehr großen Fortschritt und für ein sehr gutes Ergebnis. „Mit der Übereinkunft sei sichergestellt, dass die Umweltminister für ihre Konferenz im Dezember in Bali ein klares Mandat dafür hätten, eine Anschlussvereinbarung über das 2012 auslaufende Kyoto-Abkommen zur Kohlendioxidminderung zu treffen. „Dem Abkommen entkommt niemand“, sagte sie. (Siehe auch: )

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon begrüßte in einer ersten Reaktion die auf dem G-8-Gipfel erzielte Einigung. Die Verpflichtung der Staats- und Regierungschefs auf einen „multilateralen Prozess im Rahmens der Vereinten Nationen“ ermutige ihn stark, ließ Ban erklären. Der Generalsekretär, der an dem Treffen in Heiligendamm teilnahm, lobte die Übernahme die Absicht derG-8-Länder, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren sowie bis 2009 eine Nachfolgeregelung für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu finden.

Kanzlerin Merkel war mit drei Zielen in die Verhandlungen gegangen: Einerseits wollte sie die Kyoto-Nachfolgeverhandlungen wieder im Rahmen der UN führen, zudem mit einer Minderung des Kohldendioxidausstoßes um 50 Prozent gegenüber 1990 bis 2050 ein klares und verbindliches Ziel setzen. Das soll drittens den Anstieg der Temperatur um mehr als zwei Grad Celsius verhindern.

Im Ergebnis einigte man sich zwar nicht auf diese konkreten Vorgaben, wohl aber darauf, die Ergebnisse des kürzlich von der internationalen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen (IPCC) anzuerkennen. Hier wird eine maximale Temperaturerwärmung von 1,5 bis 2,5 Grad als gerade noch zulässig bezeichnet. Bush hatte noch vor wenigen Tagen konkrete Zielvorgaben abgelehnt und Verhandlungen im Kreis der 15 größten Emittenten - darunter der großen Schwellenländer - angeregt.

Mehr Geld für Kampf gegen Aids in Afrika

Mit zusätzlichen Milliardenbeträgen für den Schutz vor einer Ansteckung und die Behandlung von Infektionskrankheiten wie HIV/Aids, Malaria oder Tuberkulose wollen die acht führenden Industriestaaten ihr Engagement für Afrika verstärken.

Hilfe für Afrika ist an diesem Freitag ein zentrales Gesprächsthema auf dem Gipfel, zu dem auch Gäste aus afrikanischen Staaten und den fünf führenden Schwellenländern erwartet werden. Mit diesen Staaten - China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika - will die Gruppe der acht künftig regelmäßig auch außerhalb der Gipfelbegegnungen über weltwirtschaftliche Fragen verhandeln. Diesem Vorschlag Merkels für einen „Heiligendamm-Prozess“, der eine Erweiterung der G 8 in eine G 13 bis auf weiteres überflüssig machen soll, folgten die Staats- und Regierungschefs. (Siehe auch: Die Köpfe der Schwellenländer)

Text: FAZ.NET mit ami./F.P.
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, F.A.Z.-Kai Nedden, reuters

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2010.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Statt Handkuss: Herzliche Begrüßung vom französischen Präsidenten SarkozyDie kleine Runde am runden TischItaliens Romano Prodi bringt Frau Flavia mitAuch Laura Bush ist beim Gipfel dabeiCherie und Tony Blair mit den Gastgebern Angela Merkel und Joachim SauerKanadas Premierminister Stephen Harper mit Ehefrau LaureenDie Polizei drängt ein Greenpeace-Boot ab, das in die Sperrzone eingedrungen warEin Zeltlager der G-8-Gegner aus der VogelperspektiveBrennende Reifen blockieren eine StraßeQuerfeldeinsatz“1984“: Die Lektüre zur Einstimmung auf den nächsten ProtestmarschProtestler-Idyll?Nicht überall bleibt es so friedlichÜbermachtZwei haben es auf den Zaun geschafftEine kühle Nacht - Erste-Hilfe-Decken helfenAusschreitungen werden „beseitigt”Straßenmalen zum Zeichen des Protests
Die Gastgeberin mit Russlands Präsident PutinBush und Blair wenden sich an die Presse“Familienfoto“ der Staatslenker mit BegleitungMinisterpräsident Shinzo Abe mit Japans First Lady Akie AbeNicolas und Cecilia SarkozyLudmilla und Wladimir Putin kommen zum Dinner in Hohen Luckow anBarroso und Merkel sind sich einig, was den Klimaschutz betrifftStrandbesucher beobachten, wie das Greenpeace-Bot abgeschleppt wirdHeiligendamm war gesternScharfe Polizeikontrollen auf allen ZufahrtstraßenDie örtliche Bevölkerung sucht den Dialog mit DemonstrantenUnter dem wachsamen Auge der StaatsmachtAuch die „Clowns' Army” ist vertretenZugepacktHartes Vorgehen der SicherheitskräfteSitzen und blockierenSchwarz - die Farbe des ProtestsHände hoch