Jean Ziegler ist Sondergesandter für das Recht auf Nahrung

Klimaschutz

UN warnen vor Hungersnöten durch Biosprit

In dramatischen Worten hat der UN-Sondergesandte Ziegler davor gewarnt, dass Menschen verhungern könnten, wenn der Anbau von Ethanol für die Kraftstoffproduktion ausgeweitet würde. Unterdessen bezeichnete Al Gore die Beschlüsse des G-8-Gipfels als „Schande“.

Lesermeinungen zum Beitrag

17. Juni 2007 19:18

2 x Volltanken mit „Bioethanol“ verbraucht Jahresration Getreide eines Menschen

Armin Quentmeier (thiotrix)

Es bleibt völlig unverständlich, wie Bioethanol als ernsthafte Alternative für Brennstoffe auf Erdölbasis gelten kann. Eine kurze Rechnung: Pro Jahr werden 2 Mrd. t. Getreide geerntet, das den mit Abstand größten Beitrag zur Ernährung der Menschheit leistet. Diese Menge entspricht (bei 6 Mrd. Erdenbürgern) 330 kg/Kopf. 80 % dieser Menge sind vergärbare Kohlenhydrate, also 264 kg. Eine Vergärung zu Bioethanol ergibt ca. 130 kg Ethanol = 163 l (und 130 kg CO2!). Das ist der Bruttoertrag – mindestens 30 % des erzeugten Biosprits wird für die Feldbearbeitung, Aussaat, Düngung, Pestizide, Ernte und Destillation des Ethanols wieder verbraucht. Der Brennwert von Ethanol liegt ein Drittel unter dem von Benzin oder Diesel. Wird also die Getreidemenge, die ein Mensch im statistischen Mittel pro Jahr verbraucht, zu (sogenanntem) Bioethanol umgesetzt, reicht es gerade einmal aus, um ein Mittelklasseauto zwei Mal vollzutanken! Schon die Verwendung vergleichsweise geringer Mengen von Nahrungsgetreide, vor allem Mais, zur Bioethanolgewinnung führte in Mexiko bereits zu einem massiven Preisanstieg für Grundnahrungsmittel („Tortilla-Krise“): für Millionen arme Menschen bedeutet mehr Bioethanol schlicht mehr Hunger.

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15. Juni 2007 11:19

Fragwürdige internationale Politik?

Gregor Röhrig (AZGeist)

So mahlen eben die Mühlen der internationalen Politik. In den internationalen Beziehungen gibt es keine Gesetze, die einen Umgang der Staaten untereinander festlegen - sie werden eben erst von den Staaten geschaffen.
Dabei bleibt es dem Handlungswillen der staatlichen Akteure und des sie beobachtenden Umfeldes überlassen, inwieweit, und wie, die Beschlüsse zum Klimaschutz umgesetz werden.
Die NGOs und Gore sollten das tun, was sie am besten können - nörgeln. Was die UN angeht kann sie ihr Gewicht als moralischer Weltwächter in die Waagschale werfen. Doch ihr Einfluss auf die G8 Beschlüsse, ist wie diese Meldung zeigt, bisher als fragwürdig zu erachten.

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