
Es bleibt völlig unverständlich, wie Bioethanol als ernsthafte Alternative für Brennstoffe auf Erdölbasis gelten kann. Eine kurze Rechnung: Pro Jahr werden 2 Mrd. t. Getreide geerntet, das den mit Abstand größten Beitrag zur Ernährung der Menschheit leistet. Diese Menge entspricht (bei 6 Mrd. Erdenbürgern) 330 kg/Kopf. 80 % dieser Menge sind vergärbare Kohlenhydrate, also 264 kg. Eine Vergärung zu Bioethanol ergibt ca. 130 kg Ethanol = 163 l (und 130 kg CO2!). Das ist der Bruttoertrag – mindestens 30 % des erzeugten Biosprits wird für die Feldbearbeitung, Aussaat, Düngung, Pestizide, Ernte und Destillation des Ethanols wieder verbraucht. Der Brennwert von Ethanol liegt ein Drittel unter dem von Benzin oder Diesel. Wird also die Getreidemenge, die ein Mensch im statistischen Mittel pro Jahr verbraucht, zu (sogenanntem) Bioethanol umgesetzt, reicht es gerade einmal aus, um ein Mittelklasseauto zwei Mal vollzutanken! Schon die Verwendung vergleichsweise geringer Mengen von Nahrungsgetreide, vor allem Mais, zur Bioethanolgewinnung führte in Mexiko bereits zu einem massiven Preisanstieg für Grundnahrungsmittel („Tortilla-Krise“): für Millionen arme Menschen bedeutet mehr Bioethanol schlicht mehr Hunger.

So mahlen eben die Mühlen der internationalen Politik. In den internationalen Beziehungen gibt es keine Gesetze, die einen Umgang der Staaten untereinander festlegen - sie werden eben erst von den Staaten geschaffen.
Dabei bleibt es dem Handlungswillen der staatlichen Akteure und des sie beobachtenden Umfeldes überlassen, inwieweit, und wie, die Beschlüsse zum Klimaschutz umgesetz werden.
Die NGOs und Gore sollten das tun, was sie am besten können - nörgeln. Was die UN angeht kann sie ihr Gewicht als moralischer Weltwächter in die Waagschale werfen. Doch ihr Einfluss auf die G8 Beschlüsse, ist wie diese Meldung zeigt, bisher als fragwürdig zu erachten.