EM-Bilanz

Löw kündigt Generationswechsel im Tor an

Von Roland Zorn, Frankfurt

05. Juli 2008 Gründlich analysiert hat er das Turnier noch nicht, aber ein paar Folgerungen aus dem Auftreten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz deutete der Bundestrainer am Freitag in Frankfurt schon an.

Joachim Löw war zu Gast bei einem Kongress des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit den Vorsitzenden der Fußballkreise aus West-, Südwest- und Süddeutschland. „Freude, Schmerz, Enttäuschung, die Emotionen sind immer noch vorhanden“, sagte der Mann, der das deutsche Team auf Platz zwei der Europameisterschaft geführt hat.

Ende von Lehmanns Dienstzeit als Nummer eins?

Da aber keine Zeit zum Innehalten bleibt und die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 bevorsteht, kündigte Löw Konsequenzen und Veränderungen an. So sprach er vom „Generationswechsel“ und bezog dieses Wort ausdrücklich auf die Torhüterfrage, die bei der Europameisterschaft vom 38 Jahre alten Jens Lehmann leidlich gelöst wurde. Da Löw am Freitag die Namen Manuel Neuer (Schalke 04) und René Adler (Bayer Leverkusen) ins Spiel brachte, ist damit zu rechnen, dass sich die Jahre mit Lehmann als der Nummer eins dem Ende zuneigen.

Ausdrücklich lobte der Bundestrainer vor den Delegierten aus den Fußballkreisen die Klasse der Spanier, die Deutschland im Endspiel 1:0 besiegt hatten. Er wies darauf hin, dass Spanien bei den letzten neun Junioren-Meisterschaften in Europa und der Welt fünfmal der Sieger gewesen sei. Auch für Deutschland wünscht sich der Bundestrainer eine „spezialisierte, positionsbezogene Ausbildung“ vor allem auf den neuralgischen Positionen außen und in der Innenverteidigung.

Kritiker Bernhard Peters muss gehen

In einer Frage hat der Verband unterdessen schon gehandelt: Bernhard Peters, Mitglied des Strategiegremiums Kompetenzteam im DFB, scheidet zum 31. Juli aus dieser Runde aus. Der frühere Hockey-Bundestrainer und jetzige Leiter der Nachwuchsförderung bei Bundesliga-Aufsteiger 1899 Hoffenheim hatte während der Europameisterschaft Kritik an Löw und der Verfassung einiger seiner Spieler geübt.

Das hat jetzt Folgen für ihn selbst. Der Mann, den der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann zum DFB-Sportdirektor machen wollte, hat im DFB keine Aufstiegschance mehr. Er wird es dank seiner reizvollen Aufgabe in Hoffenheim verschmerzen können.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa