Hansi Flick im Portrait

Chef für einen Tag - auch dank des „Kaisers“

Von Michael Horeni, Basel

Flick hinter Löw - nicht für die kommenden 90 (oder mehr) Minuten

Flick hinter Löw - nicht für die kommenden 90 (oder mehr) Minuten

19. Juni 2008 Dass Hans-Dieter Flick, der in der zur Namensverniedlichung neigenden Fußballbranche als „Hansi“ bei Bayern München Karriere machte, vor zwei Jahren Assistenztrainer der deutschen Nationalmannschaft wurde, hatte er Franz Beckenbauer zu verdanken. Die Fußball-Institution hatte sich für die sofortige Freigabe des Trainers bei Red Bull Salzburg eingesetzt, nachdem sich Joachim Löw überraschend für Flick als Mann an seiner Seite entschieden hatte.

Beckenbauer war federführend dafür, dass der Wechsel so reibungslos über die Bühne ging“, sagte Flick dankbar. Denn er hatte nur einen Monat zuvor bei dem österreichischen Erstligaklub die Stelle des Assistenztrainers und sportlichen Koordinators angetreten. Im September 2006 startete beim EM-Qualifikationsspiel gegen Irland Flicks überraschende Karriere im Trainerteam der deutschen Nationalmannschaft.

Er sollte nur noch Hans-Dieter sein - Hansi wollte nicht

An diesem Donnerstag rückt der zurückhaltende und stets im Hintergrund wirkende 43 Jahre alte Fußball-Lehrer wiederum ganz plötzlich in den Blickpunkt der Fußball-Nation. Flick wird die sportliche Verantwortung für die Nationalmannschaft im EM-Viertelfinale gegen Portugal tragen, nachdem am Vortag der Begegnung Bundestrainer Löw gesperrt wurde. Er war im Vorrundenspiel gegen Österreich nach einem Disput mit dem vierten Offiziellen vom Platz gestellt worden.

Flick hat bisher die Rolle des klassischen Assistenten ausgefüllt. Sein Aufgabenbereich ist deutlich hinter den Kompetenzbereich von Löw in dessen Zeit als Assistent von Bundestrainer Klinsmann zurückgefallen. Flick arbeitet seinem Chef zu und kümmert sich um Details wie die Erstellung einer Spielerdatenbank. „Ich bin in erster Linie ein Teamplayer“, sagt er. Als der DFB ihn vorstellte, sollte er auf Geheiß des Verbandes nur noch Hans-Dieter Flick genannt werden. Dem früheren Mittelfeldspieler, der vier Meistertitel mit Bayern gewann, war das nicht recht. Er wollte auch beim DFB der Hansi bleiben, der er immer war.

Flick will sich nicht medienwirksam präsentieren

In seiner Zeit als Trainer in Hoffenheim wurde vor allem Flicks taktisches Verständnis und sein abwechslungsreiches Training gelobt. Er gilt als Erfinder des Hoffenheimer Modells, das zunächst auf einer anspruchsvollen Jugendarbeit und Talenten aus der Region gründete, bis sich SAP-Gründer Hopp entschloss, den Klub auch mit finanzieller Macht in die Bundesliga zu führen. Als er vom Ziel, schnell in die zweite Liga aufzusteigen, weit entfernt war, wurde Flick im November 2005 entlassen.

Bei der Nationalmannschaft hat Flick öffentlich bisher keine großen Konturen erkennen lassen. Es ist auch nicht sein Wunsch, sich medienwirksam zu präsentieren. „Es ist ganz gut, dass man nicht so genau weiß, was ich genau mache“, sagte Flick, als er auf seinen Aufgabenbereich angesprochen wurde. Erst auf Nachfragen ging er ins Detail. „Ich bin ein Teamplayer. Ich bin niemand, der immer in der ersten Reihe stehen muss“, sagte er noch vor dem Spiel gegen Kroatien, als niemand auch nur daran dachte, dass Hans-Dieter Flick bei der Nationalmannschaft je in der ersten Reihe stehen würde. Aber genau das muss Hansi nun.

Kapitän Ballack hat die Nationalmannschaft mit seinem Siegtor gegen Österreich ins EM-Viertelfinale gegen Portugal geschossen. Wie geht es nun weiter für die deutsche Elf? Was ist möglich? Stimmen Sie ab!



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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