12. Dezember 2009

Ranking

MBA-Programme im Vergleich

Von Hans-Martin Barthold



21. März 2005 
In Deutschland, Österreich und der Schweiz schießen MBA-Anbieter und -Programme wie Pilze aus dem Boden. Kein Wunder, daß es da Interessenten und Personalmanagern zunehmend schwerer fällt, die Guten von den Schlechten zu unterscheiden. Der Hochschulanzeiger hat ehemalige MBA-Studenten um Auskunft über ihre berufliche Entwicklung gebeten: Hat sich ihre Karriere beschleunigt, ist das Gehalt gestiegen, und wie sieht es mit der Personalverantwortung aus? Hier die Ergebnisse.

Qualität: Bodengewinn
Das Resultat unseres Rankings in einem Satz: Die Qualität der MBA-Angebote im deutschsprachigen Raum ist überwiegend gut bis sehr gut. Ernteten die Programme hierzulande im Vergleich zu Harvard, Wharton, Tuck, der London Business School, INSEAD oder Bocconi bislang allenfalls mitleidige Geringschätzung, beweist unsere Untersuchung, daß dieses Pauschalurteil nicht mehr gilt. Zwar spielen nur wenige Programme schon in der Königsklasse, viele aber können mittlerweile auf eine ansprechende, einige wenige sogar auf eine exzellente Leistungsbilanz verweisen. Dabei ziehen wir eine klare Trennlinie zwischen Executive- und Junior-Programmen. Sie sind auf völlig unterschiedliche Marktsegmente gerichtet. Beider Ergebnisse lassen sich deswegen nicht eins zu eins vergleichen. Immerhin sind berufs- und vielfach auch bereits führungserfahrene Fachkräfte die Klientel der einen, Hochschulabsolventen am Anfang ihrer Karriere dagegen die Zielgruppe der anderen.

Methode: Karriereentwicklungsdaten
Zum besseren Verständnis der Datenanalyse vorab einige Erklärungen zur Methode unseres Leistungsvergleichs. Nach ausgiebigem Benchmarking mit allen wichtigen internationalen Rankings haben wir uns auf die Evaluation belastbarer Daten in der beruflichen Entwicklung der Absolventen beschränkt und der Aufstellung einer Hitliste mit Plätzen ganz oben, ganz unten und im grauen Mittelmaß abgeschworen. Schließlich wollen wir uns weder zum Oberlehrer aufschwingen noch verfügen wir über die Fähigkeit, Birnen mit Äpfeln vergleichen zu können. Und schon gar nicht mögen wir berufserfahrenen Menschen die Definition und Gewichtung ihrer ganz persönlichen Qualitätskriterien vorschreiben. Mit der Einmündung der Ergebnisse in je einzelnen Leistungsprofilen sind wir überzeugt, der Individualität von Anbietern und Interessenten am besten gerecht zu werden.

Teilnahmevoraussetzung: Akkreditierung
Um ein Mindestmaß an fachlicher Qualität sicherzustellen und nicht irgendwelchen obskuren Titelmühlen aufzusitzen, haben wir nur akkreditierte Programme in unser Ranking aufgenommen. Fern- und Firmenprogramme bezogen wir nicht mit ein, weil ihnen eines der wichtigsten konstitutiven Elemente eines MBA-Programms fehlt: das gemeinsame Lernen in diversen Gruppen. „Verhandlungstaktik läßt sich authentisch nun mal nur im Rollenspiel, aber nicht via E-Mail üben“, bringt Paolo Dell Antonio, Vorstand für Verwaltung und Finanzen der Mast-Jägermeister AG, mit der Erfahrung des Kellogg-WHU-MBA die Notwendigkeit des Präsenzlernens auf den Punkt. 26 Programme erfüllten am Ende alle unsere Voraussetzungen. Doch nur 22 gelangten in die Ränge. Der Rest scheute entweder das Licht unseres Leistungsvergleichs (Steinbeis-Hochschule Berlin, Provadis School Frankfurt), mußte wegen Verfahrensfehlern aus der Wertung genommen werden (IMADEC University Wien) oder scheiterte wie die Wirtschaftsuniversität Wien mit ihrem „International Programm“ an zu wenigen Antworten ihrer Absolventen. Von uns vorgegeben war eine Quote von mindestens 30 Prozent.

Mehrwert: Jobturbo
Auch wenn der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nicht immer offen zutage liegt, ist eines unbestreitbar: Die ganz überwiegende Mehrzahl der Absolventen profitiert maßgeblich von der Zusatzqualifikation MBA. Trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage sind lediglich drei von 1.550 Absolventen ohne Job. Vier von fünf aber bilanzieren den Benefit des MBA als hoch und sehr hoch. Ebenso viele erzielen einen Einkommenszuwachs. Fast alle berichten über einen zügigen Funktionsaufstieg und/ oder die Erweiterung ihrer Führungsverantwortung. „Ohne MBA hätte ich meine derzeitige berufliche Funktion wahrscheinlich erst in zehn Jahren erreicht“, bilanziert Viorel Grünwald seinen persönlichen Karrieremehrwert. Der Österreicher mit einem MBA der Wirtschaftsuniversität Wien ist jetzt Abteilungsleiter bei der Vereinigung der internationalen Luftfahrtindustrie (IATA) in Genf.

Einen überdurchschnittlichen Karrierezuwachs, selbst auf den oberen Funktionsebenen, erzielen die Absolventen der Executive-Programme. Allen voran die der Uni St. Gallen/MBE-Programm, der WHU, der Universitäten Augsburg, Bern und Krems/EMBA-Programm sowie der gerade eben erwähnten Wirtschaftsuniversität Wien. Überraschend tun sich die Absolventen des IMD hier schwerer als erwartet. Mit ansprechenden Ergebnissen, obschon nur auf den unteren Karriereebenen, präsentieren sich auch die Junior-Programme. Für weiter oben reicht die Durchsetzungsfähigkeit ihrer Absolventen (noch) nicht.

Erfolgschancen: kontextabhängig
Eine genauere Analyse der Programme aus der ersten Reihe zeigt insbesondere zwei Dinge: Für Nichtökonomen ebenso wie für die älteren und führungserfahreneren Absolventen der Executive-Programme ist die karriereunterstützende Wirkung des MBA sicherer. Auch wenn ihre absoluten Zuwächse geringer ausfallen, oft ist es der entscheidende letzte Schritt auf den Karrieregipfel. Demgegenüber gelingen Nachwuchskräften mit einem Junior-MBA zwar in gleicher Zeit größere Sprünge, ungewiß aber bleibt, ob ihr Weg sie tatsächlich einmal bis in den Vorstand führt. Denn klar ist, der MBA kann einen noch ungeschliffenen Rohdiamanten zum Kronjuwel, aber aus einem Jumbo-Jet keine Concorde machen. Als Instrument eines Karriere-turn-around für gescheiterte Akademiker taugt der MBA deshalb nicht. Anders formuliert, das Maß seiner positiven Wirkung wird ganz wesentlich vom persönlichen Kontext bestimmt. Wie in der Formel 1 muß der Bewerber beweisen, daß er seine durch einen MBA getunten PS auch optimal auf den Asphalt bringen kann. „Das sollte einem in überschaubarer Zeit gelingen, sonst verpufft der MBA-Mehrwert ungenutzt“, bestätigt der St. Galler Absolvent Stefan Ramisch die relativ kurze Halbwertszeit eines MBA-Investments. Dem bei Zürich Financial Services beschäftigten Informatiker, zuvor Projektleiter, ist das geglückt. Unmittelbar nach dem MBA stieg er zum Bereichsleiter auf. Die kostspielige MBA-Zusatzausbildung lohnt nach Meinung des Leiters Personalmarketing der Münchener HypoVereinsbank, Oliver Maassen, mithin nur, „wenn sie als zusätzlicher Kompetenzbaustein den roten Faden des Lebenslaufes aufnimmt und den angestrebten Karriereschritt sinnvoll unterstützt.“

Siegertypen: Ingenieure mit Uni-Diplom
Für den Kompetenzaufbau von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern - sie stellen immerhin die Hälfte der MBA - scheint diese Ergänzung besonders wertvoll, vor allem bei denen mit einem universitären Diplom. Das zeigt ein Blick auf die wichtigsten Karrierekoordinaten. Auch wenn ihre durchschnittlichen Einkommenszuwächse im Vergleich zur Phase vor dem MBA mit einem Plus von 92 Prozent nicht ganz so üppig ausfallen wie bei ihren ökonomisch vorgebildeten Kommilitonen (plus 117 Prozent), so bleibt aber nur jeder sechste Ingenieur ohne Gehaltssteigerung - gegenüber einem Drittel der Wirtschaftswissenschaftler. Fachhochschulingenieure erreichen sogar volumenmäßig fast gleiches Niveau mit Betriebswirtschaftlern, obschon die Steigerungen mit lediglich 52 Prozent beziehungsweise 58 Prozent insgesamt deutlich niedriger ausfallen. Auffällig ist indessen, wie viele Ingenieure auf der dritten und zweiten Führungsebene karrieremäßig punkten. Das verwundert nicht, denn nahezu die Hälfte aller MBA-Absolventen ist in Industrie und IT tätig. Mit deutlichem Abstand erst folgen die Finanzwirtschaft und das Consulting (je 11 Prozent) als Arbeitgeber. Kaum irgendwo sonst aber als in Industrie und IT haben Ingenieure mit ökonomischem Sachverstand und Managementqualitäten gerade in den Top-Etagen so gute Chancen. Und kaum eine Weiterbildung vermittelt die dort benötigten Kompetenzen so gut wie der MBA.

Mitgift: Handlungsfähigkeit
Beim Karriereerfolg nach Funktion und Verantwortungsumfang erzielen alle Fachdisziplinen ähnlich gute Zugewinne, auf einer siebenstufigen Skala im Durchschnitt um jeweils 1 beziehungsweise 1,5 Einheiten. Allein Sozial- und Geisteswissenschaftler vermögen da nicht mitzuhalten. Allerdings dient ihnen der MBA mehrheitlich als Ausgangspunkt für einen Karrierewechsel, der den meisten auch gut gelingt. Die besten Zuwächse durch den MBA in den mittleren Rängen, bis hin zum Abteilungsleiter, erzielen Fachhochschulabsolventen. Für die Funktionen im operativen Tagesgeschäft scheint der MBA eine ideale Ergänzung ihres ohnehin anwendungsorientierten Qualifikationsprofils.

Unter Personalern zwar umstritten, der Datenlage nach aber eindeutig, beschleunigt der MBA sogar die Karriere von Wirtschaftswissenschaftlern. Warum? Er vermittelt ihnen Handlungsfähigkeit und, wie Gabriela Gzywacz es formuliert, „die noch fehlenden strategischen Kompetenzen.“ Die Koordinatorin für Absatzplanung weltweit bei DaimlerChrysler, Busse, absolvierte nach einem Studium an der Universität Poznan ihren MBA an der ESCP-EAP Berlin. Der Lebenslauf von Gabriela Gzywacz zeigt beispielhaft: Im Wettbewerb um die letzten Meter setzt der MBA bei Universitätsabsolventen die größeren Reserven frei. Hier sind sie der Fachhochschulkonkurrenz klar überlegen, weil der MBA fortführt, wofür die Uni bereits den Grund legte. Aus der Perspektive des Personalmanagers formuliert Joachim Stormanns von der Kölner Ford AG den Mehrwert des MBA deshalb: „Für Funktionen des General Managements mit bereichsübergreifender Aufgabenstellung schätzen wir den MBA als Zusatzqualifikation sehr.“

Erfolgsvoraussetzung: Teilnehmerpotential
Freilich nur, wenn dessen Qualität stimmt. Das Ranking zeigt, daß der Input der Schools bedeutsam ist, aber weit weniger entscheidend als bisher angenommen. Zwar ist die Datenlage uneinheitlich, doch weder die Zahl der Unterrichtsstunden noch die Werte in TOEFL und GMAT, weder die Verpflichtung zur Master-Thesis noch die Selektionsquote geben die Plätze vor. Einzig eine universitäre Infrastruktur birgt offensichtlich gewisse Vorteile. Als deutlich wichtigeres Kriterium schält sich hingegen der von den Teilnehmern schon vor Ausbildungsbeginn erreichte Karrierefortschritt heraus. Je höher hier die Werte, um so größer die Zuwächse bei Funktion und Verantwortungsumfang nach Abschluß des MBA. Carl Epple - Chemiestudium an der ETH Zürich, Promotion an der Uni Bern, MBA an der Uni Augsburg und jetzt Chef der mittelständischen Epple Druckfarben GmbH - bestätigt die geschilderten Zusammenhänge. „Von den Kommilitonen lernt man mindestens ebenso viel, wie durch die offiziellen Lehrveranstaltungen“, faßt er seine Erfahrung zusammen.

Gehaltssteigerungen: branchenabhängig
Den meisten Programmanbietern scheint die richtige Mischung gut zu gelingen. Ein Blick auf die Einkommensentwicklung als Indikator für die Akzeptanz der späteren Arbeitgeber beweist das. Bereits ein Jahr nach dem Abschluß haben die MBA ihre Einkünfte um nicht weniger als 44 Prozent steigern können. Jedes weitere Jahr gelingt ihnen eine Erhöhung um nochmals 10 Prozent, so daß die Absolventen des Jahres 2000 über ein um 80 Prozent gewachsenes Einkommen, gemessen am Zeitraum vor dem MBA, verfügen. Die höchsten prozentualen Steigerungsraten in allen vier Absolventenjahrgängen weisen bei unterschiedlichen Ausgangsniveaus die GISMA, ESCP-EAP, die Fachhochschule Esslingen, IMD, WHU und die Wirtschaftsuniversität Wien auf. Was auf eine weitere Besonderheit hinweist, auf die achten sollte, wer einen MBA anstrebt. Im Regelfall sind die Schools mit ihren Netzwerken schwerpunktmäßig in bestimmten Branchen verankert, die eben genannten vorrangig in der Automobil-, chemischen und Investitionsgüterindustrie mit den Strukturvorteilen internationaler Konzerne.

Gleichwohl spiegeln sich in den Leistungsdaten aber auch von den Schools nicht zu beeinflussende konjunkturelle Entwicklungen. Das zeigt das Beispiel der Fachhochschule Ludwigshafen. Zwar gelingen den Absolventen des aufs Consulting spezialisierten Programms gute Zuwächse bei den Verantwortungsumfängen. In der verhaltenen Gehaltsentwicklung bildet sich das jedoch nicht ab. Weil den Unternehmensberatungen derzeit wirtschaftlich der Wind ins Gesicht bläst und wohl auch, weil der Selbständigenanteil den höchsten Wert aller Programme aufweist. Der Wert des MBA in einer solchen Situation definiert sich dann anders. Hermann Recknagel, diplomierter Oenologe und Chef der Mainzer Unternehmensberatung BEVCON Consultants: „Der MBA von der FH Ludwigsburg gab mir das professionelle Rüstzeug, mich in schwierigen Zeiten unternehmerisch zu behaupten.“ Zu Recknagels Kunden zählen inzwischen auch vier osteuropäische Landwirtschaftsministerien. Übrigens, die MBA-dekorierten IT-Fachkräfte teilen das Schicksal der Consultants.

Empfehlung: besser mit Berufserfahrung
Ein MBA kann sich zwar durchaus auch noch im fortgeschrittenen Alter lohnen, doch haben Einsteiger von 29 bis 35 Jahren den größten Karriereschub zu erwarten. Immerhin rücken sie im Mittel um mindestens eine Funktionsebene auf und steigern ihr jeweiliges Einkommen gegenüber der Zeit vor dem MBA um immerhin 50 Prozent. Der Verantwortungszuwachs fällt mit 1,3 Stufen sogar etwas kräftiger aus und reicht bis zu den 39jährigen. Ein Blick auf den Zusammenhang von bereits vor dem MBA erreichtem Karrierefortschritt, dem anschließenden Karriereverlauf und dem Alter sowie der Berufserfahrung zu Ausbildungsbeginn bestätigt: Guter Wein wird mit den Jahren immer besser. Hinsichtlich Funktions- und Verantwortungszugewinn sowie nach Ausgangsniveau differenziert sind die Programme mit den ältesten und berufserfahrensten Teilnehmern zugleich auch die leistungsstärksten. Mit St. Gallen/MBE-Programm (38 Jahre/11 Jahre Berufserfahrung), Krems/EMBA-Programm (36/12), Augsburg (35/8) und Bern (35/11) sowie der Wirtschaftsuniversität Wien (34/11) und der WHU (34/8) finden sich ausnahmslos berufsbegleitende Executive-Programme. Ihre Absolventen werden für die (MBA-) Mühen also sofort belohnt.

Vollzeit-Executive-Programme: Wechsel auf die Zukunft
Bei den Vollzeit angebotenen Executive-Programmen ergibt sich ein anderes Bild. Die Teilnehmer dieses Programmtyps, in unserem Ranking repräsentiert durch die ESCP-EAP Berlin, die GISMA Business School Hannover, die Fachhochschule Esslingen sowie das IMD Lausanne, haben sich für den MBA schon in einem frühen Karrierestadium entschlossen. „Ich wollte keine Zeit verlieren“, begründet beispielsweise Frank Rückert seinen frühzeitigen Master-Abschluß an der GISMA. Die setzt auf den MBA bereits in den unteren Karriererängen. Während das Verhältnis Berufserfahrung zu Lebensalter in den berufsbegleitend angebotenen Teilzeit-Executive-Programmen den Wert von 1:3 erreicht, gelangen die Vollzeit-Programme lediglich auf 1:7. Rekrutieren sich die Teilnehmer Teilzeit zu 45 Prozent aus den drei obersten Karrierestufen Abteilungsleiter, Bereichsleiter/ Geschäftsführer und Vorstand, so kommen sie in den Vollzeit-Programmen zu 70 bis 90 Prozent aus den unteren Funktionsebenen Sachbearbeiter, Vorstandsassistent und Projektleiter.

Vor allem die geringere Berufserfahrung ist wohl Erklärung für die schwächeren Zuwächse bei Funktion und Verantwortungsumfang der wenigen, die bereits in den oberen Segmenten angekommen sind. In den unteren Rängen halten die Absolventen der Vollzeit-Programme indessen problemlos mit, können sich IMD und ESCP-EAP sogar in der Spitzengruppe behaupten. Noch besser sieht es bei den prozentualen Einkommenssteigerungen aus, wo alle vier Vollzeit-Programme eine hervorragende Figur machen und in sämtlichen vier Jahrgängen Bestwerte erzielen. Auch die üppige Übertragung umfangreicher Verantwortung sowie die entsprechende finanzielle Honorierung schon zu einem frühen Karrierezeitpunkt unterstreichen die gute Wettbewerbsfähigkeit der Vollzeit-Programme. Dieser Vorsprung sollte sich ausbauen und ihre Absolventen im gleichen Lebensalter beruflich genau so erfolgreich, vielleicht gar erfolgreicher sein lassen als die ihnen jetzt noch überlegenen älteren und berufserfahrenen Absolventen der Teilzeit-Programme. Der Jurist Frank Rückert jedenfalls hat im Nordamerika Vertragsdepartment der Hannover Rück mit dem Wechsel von einer operativen in eine strategische Funktion just in diesen Tagen einen wichtigen Karriereschritt vollzogen.

Junior-Programme: Türöffner
Und die Junior-Programme? Für die Spitze reicht es nicht, zur Scham aber besteht ebenfalls kein Anlaß. Neben der sehr geringen Berufserfahrung weisen diese Programme die Besonderheit eines recht hohen Anteils ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter auf, die den Junior-MBA wohl vor allem als Brücke zu einer Berufslaufbahn in der Wirtschaft nutzen dürften. Gemessen daran präsentieren sich die Karrierezuwächse bei Funktion und Verantwortungsumfang gleichwohl recht ordentlich. Allerdings verpaßt nahezu jeder vierte Absolvent eine Verbesserung seiner Bezüge. Während der Mehrwert solcher Junior-Programme für Ingenieure und Sozialwissenschaftler allgemein akzeptiert ist, beurteilen ihn Personaler für Betriebswirtschaftler kontrovers. Die Erfahrungen der 27jährigen Kristina Tobie, Transportspezialistin von VW und mit einem MBA der HWP Hamburg ausgerüstet, sind gleichwohl positiv. Ihre Begründung: „Der MBA war keine Wiederholung. Er hat mein Verständnis für unternehmerische Zusammenhänge entscheidend erweitert.“

Winnermotive: aktiv vor defensiv
Für Prof. Adolf Stepan, Dekan der Donau Universität Krems, produziert der MBA unabhängig von der Fachdisziplin des Absolventen eine Win-Win-Situation. Diese umschreibt er so: „Mit der Investition in einen MBA signalisiert der Mitarbeiter dem Arbeitgeber seine Bereitschaft zur Übernahme von mehr Verantwortung, gleichzeitig erwartet er dafür von diesem eine risikoadäquate Abgeltung bezüglich Aufstieg und Einkommen.“ Tatsächlich dominieren die aktiven Motive „fachlicher Bildungsbedarf“ und „Karrierebeschleunigung“, bei Rechts- und Sozialwissenschaftlern auch „Karrierewechsel“, die Entscheidung zur Aufnahme der Weiterbildung zum MBA. Unabhängig von der Vorbildung gaben zwei von drei Absolventen diese Kriterien als Grund für ihren Entschluß zur Aufnahme eines MBA an. Nur ein kleiner Teil der Absolventen, vorwiegend ältere, beruflich bereits erfolgreiche und wirtschaftswissenschaftlich vorgebildete Fachkräfte, setzten aus einer defensiven Strategie und dem Motiv „Karriereabsicherung“ auf den MBA.

Verlierer: Frauen
Frauen sind besonders in den Executive-Programmen unterrepräsentiert. Lediglich die ESCP-EAP, sowie die Fachhochschulen Esslingen und Berlin (Dual Award) erreichen einen Wert größer als 30 Prozent. Besser sieht es in den Junior-Programmen aus. Schwerwiegender aber ist: Frauen profitieren auch nur unterdurchschnittlich von einem MBA. Können Fachhochschulabsolventinnen mit ihren männlichen Kommilitonen noch recht gut mithalten, verringert sich der MBA-induzierte Bonus mit der Nähe zu strategieorientierten Managementfunktionen deutlich. Besonders oft verlieren deshalb Frauen mit einer universitären Vorbildung den Anschluß zu ihren männlichen Wettbewerbern, allen voran Wirtschaftswissenschaftlerinnen. Einzig Sozialwissenschaftlerinnen, als Umsteiger beruflich meist noch am Anfang, bilden hier eine Ausnahme. Sie lassen ihren männlichen Kollegen, zumindest auf den unteren Karriereetagen, keinen Stich.

Internationalität: noch entwicklungsfähig
Unabhängig vom Geschlecht bestätigt der MBA allerdings seinen (Mehr-) Wert für die von vielen angestrebte Internationalisierung der Karriere, teils sogar in beeindruckender Weise. Am besten gelingt der Sprung auf internationales Terrain den Nachwuchskräften, die schon für den MBA in die Fremde gingen. In der Reihenfolge weisen die Programme der Uni Bern, der University of Strathclyde/Swiss Management Forum St. Gallen, der Donau Universität Krems (General Management Programme), der Universität St. Gallen (beide Programme) und der GSBA Zürich die höchsten Anteile an Deutschen auf, die anschließend ihr Geld außerhalb Deutschlands verdienen. Dem IMD ist es wegen seines statistisch zu geringen Anteils deutscher Studenten leider verwehrt, seine einschlägige Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen zu können.

Deutschen Programm-Anbietern scheint es indessen bisher nur unzureichend zu gelingen, sich bei ausländischen Unternehmen bekannt und ein entsprechendes Netzwerk internationaler „Partner“ knüpfen zu können. Ausnahmen bilden lediglich die Fachhochschule für Wirtschaft Berlin (pean Management) und die WHU, von deren deutschen Absolventen immerhin jeder vierte einen Arbeitgeber jenseits der heimischen Gefilde sucht und findet. Viel öfter erweisen sich umgekehrt NIMBAS, die WHU, die GISMA Hannover, HWP Hamburg, ESB Reutlingen (Full-Time-Programme), die Fachhochschule Esslingen und die ESCP-EAP Berlin für nichtdeutsche MBA als gutes Einfallstor zum hiesigen Arbeitsmarkt. Das scheint konsequent. Nicht nur liegt die Einkommenssteigerung der in Deutschland berufstätigen deutschen und nichtdeutschen MBA um ein Fünftel über denen außerhalb Beschäftigter. Auch ihre Karrieregeschwindigkeit liegt um rund zehn Prozent höher.

Kooperationsprojekte: Licht und Schatten
Bleibt als Letztes ein Wort zu Kooperations-, Franchise- und Offshoreprogrammen. Wie bei der Konkurrenz reicht ihr aktueller Leistungsstandard von sehr gut bis befriedigend. Doch sind strukturelle Handicaps nicht zu übersehen. Insbesondere Franchisekonstruktionen erweisen sich als überaus labil, wie das Beispiel der GSBA Zürich zeigt. Deren Zusammenarbeit mit der AACSB akkreditierten State University of New York, University at Albany (SUNY) endet 2008. Neuanfänger werden in dieses Franchise-Programm aber schon ab sofort nicht mehr aufgenommen. Einen neuen Partner mochte oder konnte man uns noch nicht nennen, wie das Informationsverhalten der GSBA überhaupt zu wünschen übrig ließ. Der neue Partner soll demnächst präsentiert werden. Das ist auch dringend geboten. Denn das GSBA-eigene MBA-Diplom allein ist in Deutschland nichts wert. Aufgrund eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz dürfen ausländische Hochschulgrade hier nämlich nur geführt werden, wenn die verleihende Hochschule im Heimatland Hochschulstatus besitzt und staatlich anerkannt ist. Das aber kann die GSBA nicht bieten. Überhaupt erschweren wechselnde Partnerschaften Interessenten die Qualitätsbeurteilung, wenn der Partner der vergangenen Jahre nicht mehr der aktuelle ist. Und wer kauft schon gerne die Katze im Sack?

Ergänzung: Die GSBA hat am 27. März 2005 die Robert H. Smith School of Business an der University of Maryland, USA als neuen „Dual Degree Global EMBA Partner“ vorgestellt.

Kooperationsprogramme wie die der Universität Bern, der Wirtschaftsuniversität Wien, der GISMA, WHU, ESCP-EAP, Uni Augsburg sowie der Fachhochschulen für Wirtschaft Berlin und Reutlingen (Full-Time-Programme) gründen dagegen in stabileren Strukturen. „Allerdings sind die Kräfteverhältnisse und damit die Gestaltungsmöglichkeiten der deutschen Partner auf die Programmstruktur sehr unterschiedlich“, weist Prof. Marco Gardini mit den Erfahrungen des ehemaligen Programmanagers auf einen wichtigen Punkt. Diese Schnittstelle sollte man sich deshalb genau ansehen. Schließlich geht es um die Adaption der Lehrinhalte an deutsche beziehungsweise europäische Anforderungen. Eindeutig ist die Situation bei sogenannten Offshore-Konstruktionen. Der Anbieter und sein Programm haben klar erkennbar das Gesicht eines fremden Marktes. Jeder kann entscheiden, ob ihn dessen Qualität zufrieden stellt. Der Partner vor Ort ist ein Managingpartner ohne Verantwortung für die Lehre. „Uns obliegen das Recruitment, die Kundenbetreuung und die Vor-Ort-Organisation“, beschreibt die Programmdirektorin Claudia Schmidt-Schönbein die Aufgabenteilung. Mit einem weltweiten Netz von zehn Offshore-Operations, eine davon in Zürich, erhalten die MBA bei Strathclyde via Swiss Management Forum einen ausgezeichneten interkulturellen Input.

Deteils zu den einzelnen Programmen finden Sie hier:

Junior-Programme

Executive-Programme

Alle Daten des MBA-Rankings 2005 finden Sie hier:

MBA-Ranking 2005: Die komplette Übersicht