Die vom Autor angestellten Überlegungen sind sicher richtig, vollends können sie aber nicht überzeugen. Im tatsächlichen Wirtschaftleben sind ja fast alle Güter verschieden, die Nougatcreme vom Aldi schmeckt nicht wie die Nougatcreme vom Lidl, die Entfernung zu den Geschäften ist unterschiedlich, die Packungsgrößen variieren, die Geschäfte haben einen unterschiedlichen Produktmix, bieten ein unterschiedliches Einkaufserlebnis, unterschiedliches Gemüse, etc. Insofern hat auch jedes Produkt das vom Autor angesprochene natürliche Monopol, das es nach den Ausführungen des Autors erlaubt, die Preise auf der Basis der eigenen Kosten festzusetzen. Wenn aber alle Produkte ein natürliches Monopol genießen, das nach den Ausführungen des Autors eine Preiskalkulation auf der Basis der Kosten erlaubt, müssen die Preise all dieser Produkte zumindest in diesem Maße auf der Basis der Kostenkalkulation beruhen. Wenn dies aber so ist, stehen die Preise ganz in der Regel mit den Kosten in erheblichem Zusammenhang, was der Autor in der Überschrift ja bestreitet. Benzin ist im Übrigen in der Tat ein Produkt, bei dem sich das natürliche Monopol nur in geringem Maße auswirkt, da zwischen Shell und BP Benzin kein Unterschied festgestellt wird.
Aber diese Errungenschaft, wird heutzutage umdefiniert und der Globalisierung angepaßt - siehe Bertelsmann nahe Stiftungen "Institution Soziale Marktwirtschaft" und "Soziale Marktwirtschaft". In den vordersten Reihen dieser Stiftungen finden wir namhafte Politiker besonders aus der CDU und FDP - was die momentane politische Richtung mehr wie erklärt. Man muß dazu anmerken, dass diese Stiftungen sich ausschließlich von wirtschaftlichen "Spenden" nähren.
Ihre Theorie in diesem Artikel wird doch eindeutig von der Energieprivatisierung widerlegt. Das ursprüngliche Modell Soziale Marktwirtschaft sollte gerade das verhindern, was wir heute erleben. Es sollte die Monopolbildung unmöglich machen und damit die kleinen Gewerbetreibenden vor den Monopolisten (heute Globalisten genannt) schützen. Soziale Marktwirtschaft war niemals ein Sozialstaat, diese Meinung wurde von o. g. Stiftung in PR-Kampagnen geschickt gepflanzt und ist auf deren Homepage auch so zu lesen.
Wer von Planwirtschaft als Kommunismus spricht und dabei die Soziale Marktwirtschaft umdefiniert, rüttelt an den Grundmauern der Demokratie, weil eine Demokratie ohne wahre Soziale Marktwirtschaft nichts wert ist.
Diese Frage stellt man sich, wenn man den Artikel auf die angeführten Erklärungsansätze hin überprüft. Was hat die Planwirtschaft (übrigens oft fälschlicherweise mit Kommunismus gleichgesetzt) damit zu tun, dass in der Marktwirtschaft die Preise nicht der neoklassischen Regel: Preis = Grenzkosten folgen? Darauf wären Antworten angebracht gewesen. Das vernachlässigt der Autor aber anscheinend lieber, um sich populistischer Planwirtschaftsschelte hinzugeben. Dabei gibt es interessante theoretische und empirisch fundierte Modelle, die Antworten geben können:
Oligopolmodelle,
Limit-Pricing,
Elastizitäten,
Betriebsgrößentheorien (sunk costs),
natürliche Monopole,
Preisrigiditäten in der kurzen Frist,
Transaktionskostentheorien,
Standorttheorien,
Lizenzen,
Reputationsmodelle und vieles mehr.
Alle diese Ansätze könnten erklären, warum in der Wirklichkeit der Preis eben nicht den Grenzkosten entspricht, obwohl unter Bedingungen der vollkommenen Konkurrenz das durch den Wettbewerb der Fall sein müsste. Leider kommen all diese interessanten Erklärungsansätze bei der Planwirtschaftsschelte unter die Räder. Schade!
Zitat: "In funktionierenden Marktwirtschaften bewegen Angebot und Nachfrage die Preise, nicht die Höhe der Kosten."
Dieser Artikel und insbesondere diese Aussage sind ein Beispiel dafür, in welch absurden, von der Wirklichkeit abgelösten Modellen die heutige herrschende Meinung in der VWL denkt.
Erzählen Sie einmal einem Unternehmer, daß seine Produktpreise nichts mit den Herstellungskosten zu tun haben!
Die von der VWL so gerne bemühte Knappheit eines Gutes ist ja davon abhängig, wie oft es hergestellt wird. Und was bestimmt wohl über die Möglichkeit, das Gut herzustellen?!
Aber sie können natürlich auch einem Arbeiter erzählen, daß er weniger Arbeit anbietet, wenn sein Stundenlohn sinkt. (Er verhungert dann lieber in seiner Freizeit.) Oder sie erzählen einem Produktionsplaner, daß die Arbeitsproduktivität bei steigenden Stückzahlen sinkt. (Massengüter sind dann teurer als Einzelstücke.) Das sind nämlich leider auch Standard-Annahmen der neoklassischen Volkswirtschaftslehre.
Man muß sich bei solchen Theorien wirklich nicht wundern, daß die Marktwirtschaft in der Krise ist.
