Gerne hätten es Politiker, Industrie und Handelsriesen so gehabt. Aber die demograhische Situation in Deutschland macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Die Menschen werden immer älter, können (körperliche Verfassung) und wollen (kein Familienbedarf mehr) nicht auf die grüne Wiese fahren. Sie wollen um die Ecke einkaufen können, zum Arzt und in die Apotheke gehen, ihre Post aufgeben können und vor allem selbstständig bleiben und nicht auf ihre Kinder oder Enkel angewiesen sein. Leider träumen viele Kommunalpolitiker immer noch von verkehrsberuhigten Innenflächen, trostlosen Plätzen und unnötigen Baumwuchs. Dies hatte zur Folge, daß große Ketten z.B. Rewe und Edeka die Flucht auf die grüne Wiese führten und andere Nutznießer entweder Konkurs oder aus Altersgründen dicht machten. Viele frühere Ladenstraßen sind damit vernichtet worden. Jetzt kommt eine neue Generation aus ehemaligen Filialleitern (meistens wg. des Alters aus den Filialketten abserviert) und Ausländern (denen die Selbstständigkeit im Blut steht), die diese Marktlücke meistens aus der Not heraus schließt. Noch ist es zu früh. Die meisten Menschen in Deutschland denken mehr an Urlaub und Fun, als das sie auch älter werden. Die Zeit wird aber kommen.
Fast alle Tankstellen sind kleine Läden, sowohl für die Nachbarschaft als auch für die Autofahrer, denen bequemer, schneller Einkauf mehr Geld wert ist.
Warum erleben wir eine neue Blüte dieser Läden? Wahrscheinlich auch wegen der Liberalisierung der Öffnungszeiten. Über viele Jahrzehnte mußte der Tante-Emma-Laden genau dann schließen, wenn die Berufstätigen nach hause kamen und vielleicht gern noch schnell ein paar Sachen gekauft hätten (außer die Tankstellen, die deswegen konsequent zu "Shops" erweitert wurden). Das ist jetzt nicht mehr so. die kleinen Läden müssen nicht immer offen haben, können sich aber nach den Zeiten richten, zu denen die Kunden Zeit zum Einkauf haben.
Ein kurzer Blick über den europäischen Tellerrand nach Japan. Dort haben die rund um die Uhr geöffneten "Conbinis" (convenience stores, "Bequemlichkeitsläden") übernommen. Ein dichtes Netz dieser Läden überzieht das Land. Dort kriegt man nahezu alles. Ein heißes Fertiggericht gefällig? Oder nachts um 2:00 Uhr noch schnell den alten Staubsauger an den Freund versenden (Verpackungsmaterial steht ebenfalls bereit)? Kein Problem.
Es gibt zwei oder drei große Ketten, die in den urbanen Zentren den Markt unter sich aufteilen. Tante Emma Läden sind selten geworden.
Ich stimme meinem Vorkommentator weitgehend zu, jedoch erhöht sich auch auf dem Land wieder die Wahrscheinlichkeit einen Laden vor Ort vorzufinden.
Das hat etwas mit Spritkosten, Staus und Verkehrsstress zu tun, aber auch mit dem Wunsch nach Entkomplizierung des Alltags, der im Zeitalter des "Just in Time" und unzuverlässiger öffentlicher Dienstleistungen besonders für Familien mit mehreren Kindern oder doppelter Berufstätigkeit immer unüberschaulicher und stressiger wird.
Auch wird das Mißtrauen gegenüber Waren und Anbieter bei den Supermärkten immer größer, da man kaum noch weis, was in Produkten drin ist, oder wonach die Preise gebildet werden. Die Nachfrage nach vertrauenswürdigen Personen wächst deshalb ebenfalls.
Ein weiterer Beweggrund dürfte darin liegen ,dass die Attraktivität im eigenen Ort verbleiben zu können steigt und so die Berührung mit Menschen aus schwierigen Mileus vermieden werden kann. D. h. nicht das es diese Problemklientiel im eigenen Microkosmos nicht existiert, dort ist nur die Sozialkontrolle über diese Klientel nur größer, was mehr Sicherheit vermittelt.
Die Realität sieht anders aus. Auf dem Land gibt es fast keine kleine Läden mehr, in den Mittelpunktzentren drängeln sich die REWE's und ähnliche. Alle müssen mit dem Auto hinfahren. Die kleinen Ecklädchen in den Städten werden oft von Menschen aus dem "Prekariat" betrieben, welche glauben, auf diese Weise sich über Wasser halten zu können. Nach kurzer Zeit sind sie mitsamt ihren aufgehäuften Schulden wieder verschwunden. Die einzige Perspektive dieser kleinen Läden ist da, wo es noch kleinräumige Nachbarschaften gibt, zb. im Kiez der Städte oder in Rentnerkommunen. Allerdings sehen jetzt die großen Food-Konzerne, daß da eine Lücke klafft, welche sie gern auch noch schließen möchten.
