London

Bye bye, Fashion Week

Sommerliche Aussichten bei der Schau von Jenny Packham

Sommerliche Aussichten bei der Schau von Jenny Packham

23. September 2004 Mit Schauen der Altmeister Paul Costelloe und Jean Muir ist am Donnerstag nach fünf Tagen die London Fashion Week zu Ende gegangen. Ein wilder Mix von verschiedenen Farben und Stilrichtungen war auf den Laufstegen während der Modewoche zu sehen.

Mit gutem Beispiel ging Eley Kishimoto voran. Die Designerin wurde ihrem Ruf als „Meisterin des Prints“ gerecht: In einem einzigen Outfit bringt sie Zickzack-Linien, Karos, Punkte, Streifen, Blumen und Spiralen unter. Kishimotos Trenchcoats überziehen grafische Muster in knalligen Farben, die weiten Blusen sind oft in der Taille gebunden und die knielangen Röcke schwingen locker.

Betty Jackson hat sich von den „dekadenten“ 30er und den „ausgeflippten“ 70er Jahren inspirieren lassen. Die Mode auf dem Laufsteg war durchaus tragbar: hoch geschnittene Shorts mit Kastenshirts und knielange Kleider mit Schmetterlingsmustern. Der Abend wird bei ihr glamourös: mit Perlen-Kaftanen und Boheme-Kleidern in Purpurrot, Blau, Rosa und hellen Brauntönen.

Das Wichtigste: Sexy sein

Boudicca lieferte eine beeindruckende Show in bedrohlicher Atmosphäre: Ein Model schien von Pfeilen durchbohrt. Weit geschnittene, wallende Jersey-Kleider und Tops mit asymmetrischen Rüschenapplikationen, die mehr um die Models herumdrapiert als geschneidert waren, zeigten unter anderem Gardem und Preen. Kurze Strümpfe in offenen Sandalen mit Keilabsatz, wie sie schon in dieser Saison zu sehen waren, dürften sich im Mode-Sommer 2005 verstärkt durchsetzen - sofern sich die Modefans von den Designern überzeugen lassen.

Jasper Conran zeigte am Mittwoch freizügige Bade- und Abendmode, bei der es nur so glitzerte und funkelte. „Es dreht sich alles darum, sexy zu sein“, ist das Motto des 45jährigen britischen Designers. Bei Conran, Sohn des Habitat-Gründers Terence Conran, sorgten acht männliche Models für Beifall, die in knappen, pinkfarbenen Badehosen während der Schau im Hintergrund posierten.

Ein Kleid für drei Millionen Euro

Von Julien Macdonald stammt ein besonders luxuriöses Kleidungsstück: Zu dem mit silbernen Pailletten besetzten Kleid gehört eine Diamanten-Korsage, es soll einen Wert von rund drei Millionen Euro haben. Macdonalds Inspiration für die kommende Saison: Marilyn Monroe. Sonst ist die mit Prominenten gespickte Schau von Macdonald einer der Höhepunkte der London Fashion Week. Diesmal zeigte sich die Presse allerdings nur mäßig beeindruckt.

Die Zeitung „Guardian“ zeigte sich auch enttäuscht über die Vorführungen von fünf jungen Designern, die zum ersten Mal an der London Fashion Week teilnahmen. Der „Guardian“ schrieb, an dem Vorurteil, daß „die Entwürfe junger Londoner Designer häßlich, untragbar und schlecht präsentiert sind“, hätten diese fünf nichts ändern können.

Nur eine kleine Modemetropole

In der ersten Reihe wurden in London unter anderem Autor Salman Rushdie („Die Satanischen Verse“), Hollywood-Schauspieler Jude Law, Topmodel Kate Moss, Sängerin Rachel Stevens, die Künstlerin Tracey Emin und Samantha Mumba gesichtet. Die Töchter der Rolling Stones Mick Jagger und Keith Richards flanierten als Models über den Laufsteg.

An die Konkurrenz-Vorstellungen von New York und Paris reichte das Londoner Spektakel aber auch in diesem Herbst nicht heran. Nach wie vor gilt London als eine „kleine Modemetropole“, die zwar Talente wie Alexander McQueen und John Galliano hervorbringt, sie dann aber nicht halten kann. So kündigte Julien MacDonald in London an, daß er nach New York gehen will. Stuart Rose, der seit Dezember 2003 Chef der LFW ist, will dem Problem der Abwanderung dadurch begegnen, daß er Kaufhäuser verstärkt mit Designern in Kontakt bringt und so für bessere Finanzen und ein breiteres Publikum sorgt.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, REUTERS

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