21. April 2008 Placemodels-Gründer Yannis Nikolaou sagt dem Schlankheitswahn seiner Branche den Kampf an. Dürre Models kommen bei ihm nicht zum Zug. Von dem französischen Gesetzentwurf, der die Anstiftung zur Magersucht unter Strafe stellt, hält er dennoch nichts.
Die französische Regierung will die Werbebranche und die Medien jetzt zur Vernunft bringen und per Gesetz die "Anstiftung zur Magersucht" unter Strafe stellen. Müssen Sie jetzt neue Models für Ihre Agentur suchen?
Ich bin sauer - nein: eigentlich sogar wütend. Denn es ist zwar richtig, dass es heute in den Medien von Skeletten geradezu wimmelt. Aber das sind keine Models, sondern Prominente wie Paris Hilton, Nicole Richie oder Teri Hatcher - extrem dünne Frauen -, mit denen sich junge Mädchen identifizieren. Wenn diese Prominenten nicht krank sind - wer dann, bitte? Diese Namen sind heute viel bekannter als die erfolgreicher Models.
Aber unbestritten ist doch, dass es auch in der Modeszene Mädchen gibt, die auffallend dünn sind. Und einige darunter sind womöglich schlicht krank.
Es ist ja so: Dass die Medien auf Models aufmerksam werden, passiert meist während der Schauen in New York, Mailand oder Paris. Zu einem Zeitpunkt also, wo diese Mädchen vier Wochen lang unter extremem Stress stehen und elend aussehen. Sie stehen morgens um fünf auf und laufen eine Schau nach der anderen.
Da fehlt offenbar die Zeit zu essen. Nicht zum ersten Mal wird jetzt der Versuch unternommen, dem Schlankheitswahn Einhalt zu gebieten. Was hat das bisher gebracht?
Bis jetzt haben diese Versuche gar nichts gebracht. Aber eines ist klar: Kleidergröße 34 für ein Mädchen von 1,80 Meter Größe - das darf es eigentlich gar nicht geben. Man darf nicht vergessen, dass diese Labels - Gucci, Prada oder Jil Sander - am Ende von Frauen um die Dreißig gekauft werden, und die tragen schließlich auch nicht Größe 34. Ein Hüftumfang von 91 Zentimetern, da wird in Paris schon die Augenbraue gehoben . . . Es geht auch nicht an, einem Mädchen von 16 Jahren zu sagen: "Du bist zu fett, du musst abnehmen." In den Agenturen gibt es keine fetten Mädchen.
Was ist der Unterschied zwischen schlank und krank? Erkennen Sie, ob eines Ihrer Models unter einer Essstörung leidet?
Ich weiß genau, wie ein Mädchen aussieht, das magersüchtig ist - Haarausfall, schlechte Haut . . . Das sehe ich sofort. Vor vier Wochen kam ein Mädchen unserer Agentur aus Paris zurück, und ich habe ihm gesagt, bevor du nicht drei Kilo zunimmst, kannst du nicht weiterarbeiten. Teilweise sind die Mädchen tatsächlich unvernünftig. Würden sie regelmäßig Sport treiben, hätten sie auch kein Problem mit der Ernährung. Sie brauchen Energie, sie müssen wach sein - hungrig klappt das nicht.
Welche Rolle spielen Designer und Stylisten - mit anderen Worten: Ihre Kunden?
Anders als in Deutschland sind in Paris und in Mailand die Entscheider zu 70 Prozent schwul. Diese Männer haben einfach eine bestimmte Vorstellung des Frauenkörpers, nämlich schmal und flachbrüstig. Man muss aber wissen:
Für ein Titelbild der "Vogue" gibt es kein großartiges Honorar. Geld verdienen alle diese Mädchen schließlich mit Katalog-Jobs für Otto, Quelle oder Tchibo. Und diese Kunden wollen gesunde Menschen zeigen.
Wer ist zurzeit Ihr erfolgreichstes Model?
Wir haben einige, die sehr erfolgreich sind. Iris Strubegger zum Beispiel ist phänomenal und schon 51 Schauen gelaufen. Sie ist 1,81 Meter groß, dabei sehr knabenhaft, macht viel Sport - und zwar, weil es ihr Spaß macht. Besonders ungewöhnlich ist, dass wir mit ihr die Altersgrenze nach oben verschoben haben. Iris ist nämlich 23!
Das Gespräch führte Anna v. Münchhausen
Text: F.A.S.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS
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