Ein Sommernachtsmodetraum

Boss von Florenz

Von Anke Schipp

Die Zweitlinie von Hugo Boss kreiert Freizeitmode für Männer - und für Frauen

Die Zweitlinie von Hugo Boss kreiert Freizeitmode für Männer - und für Frauen

21. Juni 2008 Am späten Mittwochabend dachte man in Florenz noch, dass Mode kaum opulenter zu präsentieren ist: Diane von Fürstenberg war aus New York gekommen, um bei der Modemesse Pitti Immagine, die sich vorwiegend um den Mann, neuerdings auch um die Frau kümmert, ihre Cruise-Collection zu präsentieren. Die Models schritten im Giardino Torrigiani auf einem mit Kunstrasen bezogenen sternförmigen Laufsteg durch die sternenklare Nacht, während italienische Schlager aus den Lautsprechern dröhnten. „Amazing“, flöteten die Freunde der Designerin, als sie nach der Show über die Wiese zum Dinner für 500 Gäste flanierten. Während die Modeprominenz, die sonst bei den hektischen Defilees in Paris, Mailand und New York kaum Zeit für eine Stulle hat, kühlen Weißwein zum Tomatensalat trank, spielte ein Kammerorchester Barockmusik. Doch einen Tag später sollte einem die stilvolle Veranstaltung vorkommen wie ein schlichtes Treffen – verglichen mit dem, was Hugo Boss am Donnerstag inszenierte.

T-Shirts und Turnschuhe aus Segeltuch

Südlich von Florenz inmitten von malerischen Hügeln hatte das Metzinger Unternehmen in den Park einer privaten Villa geladen, um die neue Frühjahr-/Sommerkollektion 2009 von „Boss Orange“ vorzustellen. Das ist sozusagen der kleine Bruder von „Boss Black“ und zieht den Mann (und seit drei Jahren auch die Frau) an, wenn er nicht in der Business-Class oder bei der Power-Point-Präsentation anzutreffen ist, sondern in seiner Freizeit. Dort trägt er alles das, was locker sitzt und locker macht: Leisurewear. Lange wurden Zweitlinien wie diese belächelt, aber die Messe in Florenz beweist abermals, wie wichtig der Freizeitmarkt in der Männerkonfektion geworden ist, wenn jedem Anzug auch eine Jeans zur Seite gestellt wird und selbst Traditionsmarken wie Hardy Amies (gegründet von jenem Schneider, der einst die Königin ausstattete) T-Shirts und Turnschuhe aus Segeltuch anbieten.

Wohlfühlmode à la Afrika

Für seine neue Kollektion ist der Chefdesigner von „Boss Orange“, Andrea Cannelloni, mit seinem Team nach Afrika gereist, erzählt er vor der Schau. Die Kollektion für Männer und Frauen soll das Gefühl eines warmen Sommerabends vermitteln, der afrikanisch inspiriert ist: „Wir haben Erdfarben gewählt, verschiedene Brauntöne, keine knalligen Elemente.“ Wohlfühlmode. Aber noch ist Afrika weit weg, das Ambiente eher klassisch italienisch. Die Villa wurde von Michelangelo entworfen und ist heute die Sommerresidenz der bekannten Florentiner Familie Frescobaldi.

Wer die Zypressenallee durchschritten hatte, fühlte sich, als sei er von ziemlich reichen Freunden zu einem Sommerfest eingeladen worden, das so entspannt und lässig wirkt, wie es in Wahrheit perfekt geplant ist. Das Cocktail mit Champagner und Luxushäppchen beginnt als Pflichtprogramm, die Kür folgt beim Dinner für mehr als 1000 Gäste unter Olivenbäumen: Damit die Frauen mit Pumps nicht im eigens ausgelegten Rollrasen steckenbleiben, werden flache Espandrillos gereicht. Damit die Gäste nicht am Buffet Schlange stehen, wurde es auf 150 Meter langgezogen. Damit keiner das Spiel Deutschland gegen Portugal verpasst, wird ein „Public Viewing“ eingerichtet: Fanmeile de luxe.

Nostalgie aus der Kolonialzeit

Als die Sonne hinter Florenz verschwunden ist und Ballack das dritte Tor geschossen hat, als die Gäste noch diskutieren, ob Rupert Everett Star des Abends ist oder Matthias Schweighöfer, irgendwann also denkt man sich plötzlich: Es fehlt doch noch was? Ach ja, richtig, die Mode! Es ist ja gar kein Fest bei Freunden, sondern ein Geschäftstermin, bei dem ein Unternehmen sein neues Produkt präsentiert. Die Modenschau findet am Pool statt. 35 Models schreiten jenseits von Afrika über Bastmatten und führen Jacketts in der Farbe von getrocknetem Lehm, orangefarbene T-Shirts mit der Strahlkraft der untergehenden Sonne am Kilimandscharo und bedruckte Stoffe vor, die wie vergilbte Fotos eines Afrikareisenden anmuten. Dazu Nostalgie aus der Kolonialzeit: Frauen in weißen langen Kleidern im Stil alter Baumwollnachthemden mit Spitzensaum, Männer mit Hosenträgern über dem kragenlosen Hemd mit plissierter Brustpartie. Es ist eine entspannte und in sich geschlossene Kollektion, wohl die bislang beste von Cannelloni.

Aber man kommt nicht dazu, lange darüber nachzudenken, denn die Modenschau ist hier nur ein Programmpunkt unter vielen. Es folgen Flammen auf dem Wasser, afrikanische Trommler, afrikanische Artisten, afrikanische Kokosnusshäppchen, Cocktails, Aftershowparty mit dem französischen DJ Ariel Wizman. Am Ende ist man doch froh, dass es kein Abend unter Freunden war. So muss man keine Gegeneinladung aussprechen. Man hätte sie sich nicht leisten können.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: (c.) HUGO BOSS

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Die Frühjahr-/Sommerkollektion 2009 von “Boss Orange“Die Kollektion, so sagte Cannelloni, solle das Gefühl eines lauen afrikanischen Sommerabends vermittelnCannelloni präsentiert eine entspannte, in sich geschlossene KollektionNostalgie aus der KolonialzeitDie Messe in Florenz bewies abermals, wie wichtig der Freizeitmarkt in der Männerkonfektion geworden istHosenanzug à la “Boss Orange“ Chefdesigner Andrea Cannelloni ließ sich von einer Reise nach Afrika inspirierenErdfarben und Brauntöne dominierenKniebundhosen in der Farbe von getrocknetem LehmWeit weg von Power-Point und Business-ClassJedem Anzug steht eine Jeans zur SeiteDer Laufsteg vor der Sommerresidenz der Florentiner Familie Frescobaldi