Prêt-à-porter

Karl Lagerfeld wächst über sich hinaus

Von Alfons Kaiser

Hohe Kunst auf High Heels: Karl Lagerfeld für Chanel

Hohe Kunst auf High Heels: Karl Lagerfeld für Chanel

07. Oktober 2006 Der Höhepunkt der Prêt-à-porter-Woche ließ lange auf sich warten. Nicolas Ghesquière (Balenciaga) verlor sich in Zukunftsvisionen, die von seltsamen Androiden bevölkert waren. John Galliano (Dior) ließ die Models in Kostümen schwimmen, die entweder an die vierziger Jahre oder an eine Dame aus der tiefsten Provinz erinnerten. Und Stefano Pilati (Yves Saint Laurent) zog sich in die Erinnerung an den großen Meister YSL zurück, in blumige Vorstellungen von den Siebzigern und plüschige Volumen aus den Achtzigern - die Lenny Kravitz und Janet Jackson weniger begeisterten als Saint Laurents Partner Pierre Bergé, der das Defilee an der Seite Catherine Deneuves mit Wohlwollen verfolgte.

Und dann stand da eben noch Chanel auf dem Plan, wie immer am Freitag morgen um 10.30 Uhr im Grand Palais. Schon die Gäste zeigten, daß Karl Lagerfeld, seit fast einem Vierteljahrhundert Chefdesigner, sich nicht in Vergangenem oder Zukünftigem ergehen wollte: Katie Holmes und Victoria Beckham, Ikonen der Gegenwart, verfolgten das Spektakel in der ersten Reihe. Nein, Kaiser Karl, der angesichts der Vergangenheit des Hauses wahrlich Grund hätte, in Nostalgie zu versinken, stieg voll in die Jetztzeit ein.

Von hoher Warte

Mini-Miniröcke, transparente Blusen, die Farbe Weiß, silberner Schimmer - all das, was man bei den meisten der etwa hundert Schauen in Paris als den Kern der Botschaft fürs nächste Frühjahr ausmachen konnte, nahm er in seine Mega-Schau auf. Und doch sah alles nach Chanel aus. Eine klassische Bouclé-Jacke in Ecru kombinierte er mit superkurzen Hotpants aus schwarzen Pailletten. Streng plissierte weiße Hänger rüstete er mit Goldschmuck auf, das kleine Schwarze gliederte er mit Silbergürteln.

Außerdem hielt er sich an die Devise: Was unten fehlt, muß oben draufgesattelt werden. Die Mini-Minis und superengen Hosen kontrastierte er also mit mehr Volumen in den Jacken. Wenn er nur die Plateau-High-Heels weggelassen hätte! Aber zu einer perfekten Kollektion gehört auch ein Schönheitsfehler. Von seiner hohen Warte aus kann er jedenfalls amüsiert auf alle anderen Schauen schauen.

Text: F.A.Z., 07.10.2006, Nr. 233 / Seite 9
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, F.A.Z./Helmut Fricke, Reuters

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Mini-Röcke, ...... die Farbe Weiß, ...... superkurze Hotpants aus schwarzen Pailletten ...Den Ikonen der Moderne gefällt's: Victoria Beckham... Lenny Kravitz, ...... Elodie Bouchez, ...Der Schönheitsfehler: Plateau-High-HeelsStreng plissiert, mit Goldschmuck aufgerüstetHinter den Kulissen: “Kaiser Karl“ inmitten seiner verhängten Werke ... transparente Blusen, ...... silberner Schimmer, ...... - alles in einer Mega-SchauLagerfeld-Fans (v.li.): Dani, Clotilde Courau, Virginie Ledoyen, ...... Katie Holmes, ...... Claude PompidouKlassische Jacke, HotpantsSuperenge Hosen, Volumen durch die Jacke