Männermode

Bonjour, femme!

Von Markus Ebner

Die Feminisierung der Männermode: Der Trend ist in Paris auch bei Gaultier zu entdecken

Die Feminisierung der Männermode: Der Trend ist in Paris auch bei Gaultier zu entdecken

01. Februar 2007 In Paris hat eine der großen Modekarrieren der neunziger Jahre ihr Ende genommen. Helmut Lang schickte dort im Juli 2004 zum letzten Mal eine Männerkollektion über den Laufsteg. Seitdem wird sein gut geschnittener Minimalismus vor allem in den Männermodeabteilungen führender Boutiquen vermisst. Ausgerechnet eine junge Österreicherin könnte nun in die Fußstapfen des Meisters aus Wien treten.

Während in New York Michael und Nicole Colovos Mode unter dem Namen Helmut Lang für den amerikanischen Unternehmer Andrew Rosen produzieren, während in Berlin Michael Michalsky mit seiner Erstkollektion die Helmut-Lang-Marktlücke schließen will und Helmut Lang selbst eine neue Karriere als Künstler vorbereitet, wagt es Ute Ploier am gleichen Ort, den Lang für seine Defilees nutzte, dem Espace Commines im Marais, ihre dritte Schau in Paris zu zeigen - futuristisch entworfen und präzise geschnitten.

Reißverschlüsse - gut dosiert

„Der weiße Raum hat mir gefallen, um meinen Silhouetten einen scharfen Kontrast zu bieten“, sagt Ploier nach der Schau. Die Gewinnerin des Modefestivals von Hyères, 1976 in Linz geboren, führt eine auf Schwarz und Weiß und das von Helmut Lang so geliebte tiefe Dunkelblau konzentrierte Serie von Hosen, Hemden und engen Jacketts vor.

Eng an den Körper geschneiderte Silhouetten sind in der Männermode en vogue. Ploier zeigt, dass sie außerdem mit Farben umgehen kann und die Feinheiten - wie ihre Jeans mit zwei Reihen von um den Bund gewundenen Reißverschlüssen - gut dosiert.

Mehr Zeit im Badezimmer verbringen

Ein großer Trend in Paris ist die Feminisierung der Männermode. Die Visionen von Alber Elbaz für Lanvin wird man wohl kaum in einem deutschen Modeladen sehen: Er verwendet feinste Duchesse-Seide, normalerweise eher in der Haute Couture zu sehen, für Jogginganzüge und Jacken. Elbaz ist wie immer seiner Zeit weit voraus.

Aber seine Ideen sind dann doch nicht so schlecht, wenn man sich die Umsatzzuwächse der Marken anschaut, die sich auf Männerkosmetik und Düfte spezialisieren. Selbst Marktriese Hugo Boss hat dieses Jahr eine Pflegeserie für Männer lanciert, die reißenden Absatz findet.

Wenn der Mann mehr Zeit im Badezimmer verbringt - dann hat er vielleicht auch bald eine eigene Ankleide, um sich dort noch länger um sein Aussehen zu kümmern. Lanvin nutzt also vorausschauend das gesamte Repertoire der Damengarderobe und führt auch ein Kaschmir-Twinset für den Mann ein.

Motorradhosendetails und Nylon-Regenmäntel

Bei Yves Saint Laurent konzentriert sich Designer Stefano Pilati auf übergroße Herren-Jacketts, die an den Look einer Charlotte Rampling auf Helmut-Newton-Fotos der Siebziger erinnern. Sogar Foulards drapiert er den Models um den Hals. Endlich hat sich der italienische Designer davon verabschiedet, die Saint-Laurent-Archive zu plündern. Motorradhosendetails und schwere Nylon-Regenmäntel bringen frische Straßenmode in seine Kleider.

Hédi Slimane zeigt für Dior Homme eine schwächere Vorstellung als gewohnt. Vielleicht machen ihm noch die Querelen um seine Vertragsverlängerung zu schaffen - im Sommer galt sein Abgang noch als sicher. Slimane würde gern seine eigene Damenkollektion auf den Markt bringen. Doch damit hat der Dior-Damendesigner John Galliano ein Problem.

„These New Puritans“

Somit hat LVMH- und Dior-Chef Bernard Arnault einen schwelenden Konflikt im Hause, denn Slimane, der sich nun auch durch Fotoshootings für die französische „Vogue“ ablenkt, gilt als stur. Wie soll das weitergehen? Die marokkanischen Pumphosen in der Dior-Homme-Kollektion werden es sicherlich nicht vom Laufsteg zum Verkauf schaffen und auch nicht Gefallen bei Monsieur Arnault finden.

Ansonsten inszeniert Slimane gewohnt meisterhaft: vor einer an Dan Flavin erinnernden Neonlichtinstallation stürmen Models über den Laufsteg. Die Schau ist mit einem eigens komponierten Track der Band „These New Puritans“ untermalt. Slimanes Schauen geben eine Vorahnung von der Zukunft, in der Modenschauen als pay per view übers Fernsehen zu sehen sind - so perfekt sind seine Bühnenbilder. Höhepunkt der Kollektion für den Herbst 2007 ist sein Update der klassischen Garderobe, indem er das Revers eines eng geschnittenen Jacketts mit hartem Leder absetzt oder Pufferblousons in schwarzem Leder zum Anzug kombiniert.

„Produkte sollen reparabel sein

Auch Raf Simons ist als Futurist bekannt. Seine neue Arbeit bei Jil Sander bietet ihm neue Möglichkeiten der Stoff-Recherche: Noch nie sahen seine Anzüge und Strickteile so gut aus. Simons gibt seinen Anzügen und Parkas im Zwei-Ton-Look Glanz mit auf den Weg: Die Jacken sind metallbeschichtet. Für klassische Mode hingegen sorgt wieder das Haus Hermès.

Designerin Veronique Nichanian zeigt einen Mantel aus Vicuña, der auch in zwanzig Jahren noch gut aussieht. Hermès-Chef Patrick Thomas sagt zu all dem Leder in der Kollektion: „Wir sind ein Qualitätshersteller. Die Produkte sollen reparabel sein.“ Und genau das kann man über die Männermode meist nicht sagen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa

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