Von Alfons Kaiser, New York
14. September 2007 Marc Jacobs ist wütend auf seine Kritiker. Nachdem seine Modenschau am Montag in New York mit 122 Minuten Verspätung statt um 21 um 23.02 Uhr begonnen hatte, beschwerten sich zahlreiche Gäste über die Warterei. Der amerikanische Modeschöpfer wies die Vorwürfe am Freitag in Women's Wear Daily zurück und drohte damit, seine Schauen nach Paris oder London zu verlegen.
Besonders erzürnt zeigte er sich über das Gerücht, er habe noch in der Bar des Mercer-Hotels gesessen, während an die 1000 Gäste - unter ihnen Victoria Beckham und Anna Wintour - in der Armory an der Lexington Avenue auf ihn warteten. Er sei nach der letzten Anprobe nur kurz aus dem Atelier ins Mercer zum Duschen gefahren, bevor er um 20.30 die Generalprobe abgenommen habe, sagte Jacobs.
Ich würde ihn am liebsten mit den Händen ermorden
Ich hatte drei Tage lang nicht geduscht! Ich hatte drei Tage hintereinander jeweils zwanzig Minuten auf der Couch in meinem Büro geschlafen! Im Mercer habe ich binnen 20 Minuten geduscht und mich rasiert. Ich stank wie ein Waschbär! Ich konnte doch so nicht in die Schau gehen!
Die Modewoche war wegen des am Donnerstag begangenen jüdischen Festtags Rosch Haschana früher angesetzt worden. Wir haben zwei Wochen zu früh gezeigt, nicht zwei Wochen zu spät, sagte Jacobs und kritisierte besonders die Kritikerin Suzy Menkes (Herald Tribune), die rechtzeitig zum jüdischen Neujahrsfest wieder in Europa sein wollte.
Menkes hatte nach der Schau gesagt: Ich würde ihn am liebsten mit meinen bloßen Händen ermorden und nie wieder in meinem Leben eine Marc-Jacobs-Schau sehen. Zudem warf sie ihm vor, Ideen der Modemacher Rei Kawakubo (Comme des Garçons) und Martin Margiela gestohlen zu haben. Dazu sagte Jacobs: Ich habe nie bestritten, dass ich von ihnen beeinflusst werde.
Text: F.A.Z., 15.09.2007, Nr. 215 / Seite 9
Bildmaterial: AFP, AP, dpa