Kriminalität

Modemacher Rudolph Moshammer ermordet

15. Januar 2005 Der Münchner Modemacher Rudolph Moshammer ist ermordet worden. Die Leiche des Prominenten-Schneiders wurde am Freitag in seinem Haus im Münchner Nobelvorort Grünwald von seinem Chauffeur gefunden.

Der 59jährige soll mit einem Kabel erdrosselt worden sein. Über Motiv und Täter gab es zunächst noch keine Informationen. Es wurde eine Sonderkommission gebildet, der rund 20 Kriminalbeamte angehören. Die Leiche des Modezaren lag angezogen auf dem Fußboden im ersten Stock seines Hauses. Die Möglichkeit eines Selbstmordes schloß die Staatsanwaltschaft ebenso wie einen Einbruch aus.

Polizei sucht Zeugen

Am Vorabend war der Modemacher zunächst mit einer Bekannten in einem Restaurant im Vorort Grünwald essen, ehe er in seinem Rolls Royce alleine ins Stadtgebiet von München fuhr. Die Kriminalpolizei sucht dringend Zeugen, die den Getöteten am Donnerstag abend zuletzt gesehen haben. Die Polizei hat eine Sonderkommission gebildet. 20 Kriminalbeamte arbeiten derzeit an dem Fall, berichtete ein Sprecher. Der Leichnam werde obduziert, Ergebnisse lägen noch nicht vor.

Moshammers Hündin Daisy, mit der sich der exzentrische Modezar immer in der Öffentlichkeit zeigte, wurde am Tatort unversehrt gefunden. Der Chauffeur hat sich des Tieres angenommen.

Der Mordfall erinnert an den Tod des Schauspielers Walter Sedlmayr, der am 14. Juli 1990 in seiner Wohnung von zwei Brüdern, die Vertraute von Sedlmayr waren, umgebracht worden war. (Erinnerungen an den Fall Sedlmayr)

Mode für die Schickeria

Königliche Auftritte, schwarze Perücke und immer die kleine Daisy im Arm - Modezar Rudolph Moshammer war eine schillernde Figur in der Münchner Schickeria. Er kleidete Hollywoodgrößen wie Arnold Schwarzenegger, Adelige wie König Carl Gustaf von Schweden und Berühmtheiten wie Startenor José Carreras mit seiner handgemachten Designermode ein - ohne je eine Schneiderlehre absolviert zu haben. (Alles Mythos: Moshammers Mode) Doch abseits dieser Welt des Luxus engagierte er sich seit Jahren in der Obdachlosenhilfe.

Seine Biographie mag das erklären. Nach einer zunächst behüteten Kindheit in München verlor Vater Richard Moshammer, der Direktor bei einer Versicherung war, seinen Arbeitsplatz. Mit der Familie ging es bergab - sie hatten nicht einmal mehr das Geld, um die Stromrechnung zu bezahlen. Der Vater verfiel dem Alkohol und starb Jahre später als armer Obdachloser. Doch Moshammer ließ sich von seinem Weg nicht abbringen. Schon zu Schulzeiten hatte er Hüte und Kleider für die Freundinnen seiner Mutter entworfen. Nach einer Lehre als Einzelhandelskaufmann bei einer Stoffgroßhandlung stand sein Berufswunsch fest: Er wollte in der Modebranche berühmt werden.

Mode der Luxusklasse

In den sechziger Jahren begann er, extravagante Mode für die Münchner Schickeria zu entwerfen. Seine Boutique "Carneval de Venise" mit Herrenmode der Luxusklasse aus Pelzen, Kaschmir oder Seide entwickelte sich im Lauf der Jahre zu einer der ersten Adressen in der deutschen High Society. Moshammer entwarf Design für Konzerne und Hotelketten, vor allem aber seine seidene Krawattenkollektion wurde weltbekannt.

Nach eigenen Aussagen konnte er auf Einzelaufträge in Millionenhöhe etwa für ein Mitglied der saudiarabischen Herrschaftsdynastie verweisen. In den letzten Jahren hatte er auch den osteuropäischen Markt für seine exklusive Ware erschlossen.

Publikumswirksam inszeniert

Und auch der Mensch Moshammer wurde bekannt. Er trat in Talkshows auf, fehlte bei kaum einer Prominentenparty, warb für McDonalds und Nestle, ließ sich seinen Spitznamen „Mosi“ als Marke schützen. Die Boulevardpresse liebte ihn. 2004 wurde er zum „Promi des Jahres“ gewählt. Mit Aufträgen wie einer Eisköniginnen-Robe für „Holiday on Ice“, die mit 7000 Kristallen bestickt wurde, hielt er sich im Gespräch, beim deutschen Vorentscheid zum Schlager-Grand-Prix 2001 sorgte er im wallenden Kostüm als König Ludwig II. mit einem Gesangsauftritt für Schlagzeilen.

Schwer getroffen wurde Moshammer vom Tod seiner Mutter Else 1993, zu der er ein sehr enges Verhältnis hatte. Sein Buch „Mama und Ich“ verkaufte sich mehrere Hunderttausend Mal. Von da an wurde Terrierdame Daisy seine ständige Begleiterin, auch bei seinen öffentlichen Auftritten. Er vertrieb unter ihrem Namen sogar eine eigene Pflegeserie für Hunde.

Teilte Reichtum mit Obdachlosen

Moshammer war häufig auf Münchens Straßen in seinem Rolls Royce zu sehen. Er hielt nicht hinterm Berg damit, daß er es zu etwas gebracht hatte. Doch der Millionär Moshammer setzte sich auch stark für soziale Belange ein. Vor allem für Obdachlose gab er großzügige Spenden und kümmerte sich um bessere Lebensverhältnisse. Er gründete den Verein „Licht für Obdachlose“, verteilte für die „Tafel“ im Advent Spenden an die Armen und warb für die Obdachlosenzeitung „BISS“. Noch in diesem Jahr wollte er ein Haus für 60 Obdachlose einrichten. Für ein Münchner Suchtkrisen-Zentrum, das alkoholkranken Menschen und deren Familien hilft, übernahm er die Patenschaft. In München war er sehr beliebt. Bestürzung über Moshammers gewaltsamen Tod

„Verkaufe Schönheit und Jugend“

"Eigentlich verkaufe ich Schönheit und Jugend", umschrieb der Designer sein Geschäft, so produziere er "Mode für die Seele", die der Kunde gleichzeitig mit einer ganzen Lebensphilosophie erwirbt: Luxus als Ausdruck von Lebensfreude, Erfolg und gesellschaftlicher Anerkennung. Dies versuchte Moshammer selbst durch ständige Präsenz an allen relevanten Schauplätzen der High Society wie den Filmfestspielen in Cannes oder den Salzburger Festspielen vorzuführen.

Mit seinem ungewöhnlich schwarzen Haar schon eine auffällige Gestalt (auch Vergleiche mit König Ludwig II. wurden des öfteren gezogen), verlieh der Modeschöpfer, der selbst am liebsten im 18. Jahrhundert gelebt hätte, seinen Auftritten einen herrschaftlichen Anstrich. Seine drei verschiedenfarbenen Rolls-Royce galten ebenfalls als sein Markenzeichen.

Mehrere Bücher veröffentlicht

Moshammer trat jedoch auch in anderen Zusammenhängen in die Öffentlichkeit: Verschiedentlich hatte er in der Vergangenheit für die Münchner Obdachlosen gespendet und gemeinsam mit seiner Mutter selbst Essen unter den Isar-Brücken verteilt. 1983 kaufte der Modemacher die Gaststätte "Hundskugel", eines der drei ältesten Häuser in München, erbaut 1440.

Auch als Schriftsteller trat er hervor. Nach dem wenig erfolgreichen Debüt "Nicht nur Kleider machen Leute" setzte er in seiner 1995 erschienenen Autobiographie "Mama und ich" seiner zwei Jahre zuvor verstorbenen Mutter Else ein Denkmal, und 1997 präsentierte er sich mit "Elegant Kochen ohne Schnickschnack - Zurück zum Wesentlichen" gar als Hobbykoch mit veredelten Klassikern aus der bayerischen Küche. 1998 veröffentlichte er sein Buch "Ich Daisy - Bekenntnisse einer Hundedame".



Text: FAZ.NET mit Material von ddp, AP, dpa
Bildmaterial: AP, dpa, dpa/dpaweb, picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb

 
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