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Der ganze Strand ein Restaurant

07. Juli 2008 Cannes, kurz vor der Hochsaison. Es ist Juli, es ist heiß und vom luftigen Ausguck der Strandbar des eleganten Hotel "Martinez" überblickt man das ganze Sommertableau: kleine Segelboote und große Yachten auf türkisfarbenen Wellen, auf Reede dümpelt ein Kreuzfahrtschiff. Eiswürfel klirren im Glas, Musik säuselt, der Barkeeper ist schön wie der junge Alain Delon. Rechts und links, vor der Kulisse der Hotelpaläste aus der Belle Epoque, erstreckt sich, nicht enden wollend, der Strand.

Strand? Ein einziges gigantisches Freiluftrestaurant. Eines am anderen, mit Kellnern und Champagnerkübeln, mit Sonnenschirmen und Liegen, wie erfunden, nach einem ausgiebigen Mahl auf die teuren Polster zu sinken und von da aus das Strandtheater zu genießen. So ist der Sommer im mondänen Cannes. So ist er an der ganzen Riviera. Vom italienischen Riva Ligure bis zum französischen Saint-Tropez wird der Strand von unseren zivilisierten Miteuropäern nicht mit Eisständen und Pommesbuden wie an deutschen Gestaden möbliert, sondern mit Badeanstalten und Restaurants jeglicher Art, alle in wochenlanger Arbeit Frühjahr für Frühjahr neu errichtet für die Sommersaison.

Strandszenen

Denn im Sommer verlegen nicht nur die Reichen und Schönen ihren Lebensmittelpunkt ans Meer, sondern alle, samt Kleinkind und Urgroßmutter. In den ländlichen Badeorten Liguriens tragen die Omas geblümte Kittelschürzen am Strand, ihre Männer spielen im Schatten Karten und schauen verstohlen jungen Frauen im Bikini hinterher. Ebenso fest haben die Gäste unter den Pinien des Sommerrestaurants "La Vigie" auf einer Felsnase am Wasser Monacos jeden neuen Gast im Blick, der mit dem Taxi-Gummiboot von einer der rundum ankernden Yachten abgeholt wird. Im "Beachclub", wo Prinzessin Stefanie ihren Kindern das Schwimmen beibrachte, sind die Restaurants weitläufiger als der rosa angemalte Felsenstrand.

Nicht alle Strandrestaurants machen nach der Saison dicht. Ich freue mich schon jetzt auf Weihnachten, mittags im Strandrestaurant an der Croisette. Dann stecken im geharkten Sand Tannenbäume mit bunten Kugeln zwischen Liegen und Sonnenschirmen. Die weißen Markisen tragen Weihnachtsgrün und rote Schleifen. In silbernen Körbchen duften frisch geerntete Mandarinen.

Franzosen und Italiener verbringen den Sommer am liebsten im eigenen Land. Gerade dann, wenn sich die Brennpunkte des Badeurlaubs in Spanien oder der Türkei zu deutschen Außenposten wandeln, feiern sie den Sommer und sich. Recht haben sie.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: REUTERS

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