15. März 2005 Plötzlich wurde es dunkel. Das Licht an der Oberfläche verschwand, die kleinen Fische verloren ihre silbern schimmernden Farben und wurden grau, das Wasser strömte dunkler als vorher. Vielleicht war das schon ein Zeichen.
Vielleicht würde er jetzt kommen, der Fisch, von dem sie auf den Inseln redeten, der größte Fisch der Welt, hatten sie am Steg gesagt und ehrfürchtig auf das Wasser geschaut, so, als würde seine bloße Erwähnung ihn anlocken. Dabei tut er nichts. Er ist nur: sehr, sehr groß.
Silberne Fäden und goldener Staub
So groß, daß es unter Wasser dunkel wird, wenn er kommt: Der Walhai. Bis zu 15 Tonnen schwer, bis zu 18 Meter lang. Er liebt das warme Wasser der Malediven, 6000 Liter saugt er davon in der Stunde ein, klar, daß er hier lebt und nicht am Nordpol, man möchte ja auch nicht 6000 Liter kaltes Eiswasser pro Stunde trinken.
Wenn es unter Wasser aussieht, als regne es silberne Fäden und goldenen Staub, ist der richtige Zeitpunkt, um ihn zu treffen. Jetzt, im März, treibt viel Plankton, viel Nahrung für den Walhai, zwischen den Korallenriffen um das Ari-Atoll herum. Der größte Fisch der Welt verfügt über ein sehr raffiniertes Siebsystem, mit dem er das Wasser wiederausspucken und nur die nahrhaften Dinge behalten kann.
Zeitlupenwelt unter Wasser
Für den Fall, daß er doch mal einen Autoreifen oder anderen zivilisatorischen Müll verschluckt, stülpt er seinen Magen wie einen Ärmel aus, entleert ihn, um ihn anschließend wieder einzufahren. Vielleicht war es ein Walhai, der vor sehr langer Zeit einmal einen Mann namens Jonas verschluckte, die alte biblische Geschichte klingt jedenfalls so.
Aber das, was dunkel über uns kam, war dann leider doch kein Walhai, nur ein Boot, das oben vorbeizog - und so tauchten wir weiter durch diese Zeitlupenwelt unter Wasser, vorbei an Anemonen und blauen Langusten, die aussahen wie japanische Köche, denen gerade die Löffel explodieren, und mit jedem Meter wurde der Körper leichter, die Welt weicher.
Eine sehr, sehr lange, langsame Welle
Das letzte große Ding im Wasser, auf das der Tauchlehrer Oliver Deubel wirklich gespannt wartete, war kein Walhai, sondern der Tsunami. Am Steg von Holiday Island im Süden des Ari-Atolls wartete er, nachdem sie den Anruf aus Male erhalten hatten; es habe ein Beben gegeben, ein sehr starkes, und jetzt gebe es da eine Welle, haben sie gesagt. Wie ein Tsunami entsteht, wußte Deubel. Er stand da und blickte Richtung Osten, Rettungsweste in der einen, Unterwasserkamera in der anderen Hand. Er wäre vorbereitet gewesen. Wie alle anderen im Hotel. Was dann auf ihn zukam, war eine sehr, sehr lange, langsame Welle, die den Wasserspiegel um nicht mal einen halben Meter anhob und irgendwann wieder verschwand. Mehr nicht.
Aber man konnte sogar das Beben auf den Malediven spüren. Der Hoteldirektor auf Kuda Huraa im Südosten des Nord-Male-Atolls, Armando Kraenzlin, schlief noch fest, als die Gläser im Schrank plötzlich anfingen zu klingen. Der Wind, dachte er, das kommt vor. Erst vier Stunden später wußte er, daß es kein tropischer Sturm war. Die Welle kam, als die meisten Gäste und Angestellten des Four-Seasons-Hotels beim Frühstück nahe des Pools waren. "Die Welle schwappte bis zu 1,80 Meter hoch in die Bungalows - nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sie nachts gekommen wäre." Auf Kuda Huraa kam kein Mensch ernsthaft zu schaden. Ein Wunder.
Zu zerstreut, das Land
Auf den Malediven starben 82 Menschen. Von 26 fehlt jede Spur. Diese Angaben der Gesundheitsministerin wiederholte der Tourismusminister Dr. Mustafa Lufti am vergangenen Freitag auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin noch mal; keiner möchte von 108 Toten sprechen. Denn es ist immer noch ein Wunder, wenn man bedenkt, daß die höchste natürliche Erhebung auf den Malediven 1,50 Meter nicht überragt. Unter den Toten waren drei Ausländer, die auf den Malediven arbeiteten, und drei Touristen aus England. Einer der Touristen auf "White Sands" im Ari-Atoll starb am Herzinfarkt, nicht direkt durch die Welle - wie einer aus dem Troß des Tourismusministers mit dem aufklärerischen Mut der Verzweiflung erklärt. Der Mann erlitt beim Anblick der Welle einen Infarkt. Nur neun Touristen mußten ins Krankenhaus gebracht werden.
Der Schaden ist dennoch groß für die kleinen Atolle: 15000 Menschen haben ihr Obdach verloren, 48 Gesundheitseinrichtungen sind kaputt, dreißig davon völlig. Krankheiten sind bisher keine ausgebrochen, sagt Aneesa Ahmed, die Gesundheitsministerin. Von den 87 Hotelinseln waren 21 betroffen, mittlerweile sind wieder 71 geöffnet. Die Piloten, die hier die Gäste barfuß in ihren Twin Otters von Insel zu Insel fliegen, konnten nach dem Tsunami zwei Tage lang nicht fliegen - Betten schwammen herum, Kühlschränke und andere Einrichtungsgegenstände trieben im badewannenwarmen Wasser.
Nie Paradies ohne Schatten
Die Malediven gehören mit Sicherheit zu den schönsten Sandflecken unter der Sonne, aber sie waren nie Paradies ohne Schatten. Es ist bekannt, daß es mit der Demokratie, wie man sie aus dem Westen kennt, auf den Inseln im Indischen Ozean nicht weit her ist. Der Präsident des Einparteien-Atolls, Maumoon Abdul Gayoom, regiert seit über 25 Jahren; im Kabinett sitzen Familienmitglieder und enge Freunde; viele Oppositionelle flohen vor staatlicher Repression ins Ausland. Politische Gefangene wurden auf entlegene Inseln verschleppt, Amnesty International protokollierte Folter. Im Sommer vor der Flut noch hatten sich fünftausend Demonstranten vor dem Polizeihauptquartier in Male versammelt und für die Freilassung politischer Gefangener demonstriert.
Aus dem Exil in Sri Lanka forderte die Maledivische Demokratische Partei (MDP) sogar den Boykott des Tourismus, wie wenige Tage vor der Flut in dem vom Evangelischen Entwicklungsdienst herausgegebenen Informationsdienst "Tourism Watch" zu lesen war. Die Opposition kritisiert, daß nur die Eliten am Tourismus verdienten, ein beachtlicher Teil der Bevölkerung keinen Zugang zu ausreichender Gesundheitsinfrastruktur habe. Die Gesundheitsministerin Aneesa Ahmed erklärt dagegen, daß "ausreichende Gesundheitsversorgung" bedeute, daß auf jeder bewohnten Insel - und habe sie nur zwanzig Einwohner - wenigstens eine Arztpraxis gebaut werden müsse. "Stellen Sie sich mal vor, was wäre, wenn in Deutschland jedes Dörfchen sein eigenes Krankenhaus, seine eigene Schule hätte."
Wellentheorien
Das Problem der Malediven wird immer ein geopolitisches sein. Die Inseln liegen zu verstreut, sind zu schwer zu erreichen. Auch der Wiederaufbau ist hier teurer und aufwendiger als in den anderen betroffenen Gebieten. Die Tatsache, daß die Malediven rundherum von Korallenriffen gesäumt sind, hat zwar verhindert, daß sich die Wassermenge am Ufer zu einer Welle hatte aufbauen können. Die Riffe, um deren Erhalt die Malediver weitaus energischer kämpfen als für die Demokratie, haben die Welle gebrochen, ihr die Kraft genommen; anders als in Thailand, wo die Welle zu einer Art Kralle wurde, die alles mit sich zurück ins Meer zog, floß sie über die Malediven geradezu sanft hinweg.
Was aber wird, wenn wieder eine Welle kommt - und wenn das Epizentrum eines zukünftigen Bebens nicht so weit entfernt ist? Den unangenehmen Fragen, die sich momentan jeder Malediver und jeder, der auf die Malediven reist, stellt, begegnen die meisten mit dem Optimismus der Statistik. Es wird immerhin daran gedacht, zweite und dritte Stockwerke zu bauen, eine Architektur, die solchen Wassermassen standhält, und an Schwimmwesten. Natürlich. Die hat jetzt jedes Hotel in ausreichender Zahl. In einem funktionierenden Frühwarnsystem sieht auch Hoteldirektor Kraenzlin die einzig realistische Möglichkeit, die Menschen rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. "Wenn man eine Stunde hat, dann kann man viel machen."
Eine schwer erziehbaren Schulklasse
Die Malediven sind anders als die anderen beiden touristisch relevanten Tsunamigebiete Thailand und Sri Lanka schnell aus den Schlagzeilen verschwunden. Dabei wird übersehen, daß die Trauminseln ökonomisch am stärksten betroffen sind. Zwei Drittel der Bevölkerung leben direkt und indirekt vom Tourismus.
Die Regierung bemüht sich nach dem Tsunami noch stärker darum, die Bevölkerung auf größeren Inseln zusammenzulegen, doch "die Leute wollen nicht umziehen", sagt die Gesundheitsministerin und wirkt dabei so genervt, als würde sie von einer schwer erziehbaren Schulklasse sprechen. Aber man nimmt ihr die große Sorge ab, die sie seit der Flutkatastrophe umtreibt, es ist die allgegenwärtige Angst vor der eigenen geographischen Lage. "Wie man sich vor so einem Tsunami schützt, weiß seit dem 26. Dezember jeder. Wenn sich das Meer zurückzieht, rennt man, so schnell man kann, den nächsten Berg hinauf. Auf den Malediven gibt es keinen Berg."
Der Tourismus hat das Leben verändert
Statt dessen werden weitere Inseln gebaut. Auf die 1193ste und jüngste Insel auf den Malediven, die neben der Hauptinsel Male gerade ins Meer planiert wird, wollen die Leute noch nicht so recht ziehen. Hulhumale wurde zwei Meter hoch ins Meer geschüttet. Einen Meter höher als Male. Von oben sieht die Insel aus wie eine Mondlandschaft, die sich die Bagger untertan gemacht haben. 150000 Menschen sollen dort mal wohnen, bisher wollten nur 1500 in die Wohnsilos hier einziehen.
Die Einnahmen aus dem Tourismus sichern heute die Lebensgrundlage vieler Tausender Familien. Wer einmal eine Thunfischfabrik und den Alltag an Bord der Fangflotten erlebt hat, weiß, warum es die meisten Menschen ins Hotelfach zieht. Mit den Devisen der Touristen fliegen auch liberale Ideen ein, und kein Staatsapparat der Welt kann es unterbinden, daß Rezeptionisten, Tauchlehrer, Zimmermädchen und Kosmetikerinnen mit ihren Kunden aus der westlichen Welt plaudern. Der Tourismus hat das Leben auf den Malediven verändert, ein Leben, das den Alten weniger gefällt als den Jungen - denn die wohnen nicht länger im Kontrollfeld der Großfamilie, sondern in Angestelltenbungalows unter sich, sehen MTV, trainieren im Fitneßstudio oder lernen fremde Sprachen.
Der Einsamkeit überdrüssig
"Es ist sehr schwer, weibliche Angestellte zu bekommen - gläubige Familien fürchten, daß ihre Töchter so alleine auf einer fremden Insel auf dumme Gedanken kommen könnten", sagt Kraenzlin. Die meisten Luxusresorts investieren viel Zeit und Geld in ihre maledivischen Angestellten, die es schon seit etlichen Generationen auf den sandigen Inseln aushalten; die Tauchlehrer und Rezeptionisten aus Europa oder Australien dagegen werden der Einsamkeit der Malediven meist nach einigen Monaten überdrüssig.
Da das Hotel bis Dezember 2005 komplett saniert wird, sind zweihundert Angestellte auf andere Four-Seasons-Häuser verteilt worden, nach Hawaii, in die Provence, in den Nahen Osten. "Die meisten sind ganz glücklich, endlich kommen sie einmal aus dem Atoll heraus", sagt Kraenzlin, der nach der ITB wieder zurückkehren wird, um die Arbeiten zu leiten.
Die Welle kam von Südosten
Nicht alle hatten das Glück, ihren Job zu behalten: "Die Mücken sind die Hölle", sagt Naseem, der mit der Flut nicht nur sein Haus und das darin versteckte Ersparte, sondern auch seinen Job verloren hat. Die Welle kam von Südosten, Naseems Haus stand im Südosten der Insel Guraidhoo, die sich als "Einheimischeninsel für Touristen" mit einem Dutzend Souvenirgeschäften über Wasser gehalten hatte. Naseem hat im Sportcenter auf der Hotelinsel Kandoma nebenan gearbeitet, doch da sind mit der Flut auch die Gäste verschwunden. Obwohl kein Tourist zu Schaden kam, ist niemand mehr da, der ein Kajak mieten möchte: Keiner, der seine Arbeitskraft brauchen könnte.
Naseem steht auf den Trümmern seines Hauses und hofft, daß er endlich anfangen kann, ein neues zu bauen. In den Zelten, die von den internationalen Hilfsorganisationen aufgestellt worden sind, ist es heiß und stickig, und das zieht die Mücken an. Er brauche wieder richtigen Strom, richtiges Licht, einen Ventilator - denn sonst kann sein dreijähriges Kind nicht schlafen. Die Regierung, sagt er, kümmere sich nicht schnell genug um alles. Auf der Insel stehen überall Paletten mit Steinen und Säcken, ein Betonmischer wurde auch schon aufgefahren.
Auf Händen getragen
Während Naseem der Wiederaufbau zu langsam geht, gehen seinem Nachbarn die Bilder von der Welle nicht mehr aus dem Kopf: "Was soll man machen, wenn man nur zwei Arme hat und ein Dutzend Kinder, darunter auch die eigenen, von der Welle weggerissen werden?" Der Mann weint mehr, als er spricht. "Wir haben unseren Traum verloren. Wir können nicht mehr schlafen, und wir können nicht mehr wachen." Da ist sie, die Angst, von der die Gesundheitsministerin gesprochen hatte. Die Angst, die weder sie noch sonstjemand den Menschen nehmen kann.
Der Steg, der vom Boot auf die Hotelinsel "Fun Island" führt, wackelt wie eine Hängebrücke. Die Pfeiler wurden nach der Flut notdürftig gestützt, es hält fürs erste, aber für den Publikumsverkehr ist die Insel noch bis auf weiteres gesperrt. 123 Gäste waren auf der Insel, keiner wurde verletzt, alle wurden am gleichen Tag noch auf zwei andere Resortinseln der Villa-Hotel-Gruppe evakuiert. Die Angestellten würden jeden der Besucher jetzt am liebsten auf Händen an Land tragen. Endlich kommt mal jemand, endlich können sie zeigen, daß sie seit dem 26. Dezember nicht planlos herumsaßen, sondern die Schäden sauber protokolliert und Ordnung in die Zerstörung gebracht haben: Matratzen stapeln sich, Klimaanlagen sind stillgelegt, Fußabstreifer zum Trocknen aufgehängt.
Die Zeichen stehen auf fünf Sterne
In der Lobby hängen noch die Anschläge der Reiseveranstalter, doch hier werden keine Ausflugsträume mehr besprochen, es sieht eher aus wie in einer Dauerkrisensitzung. Auf dem runden Tisch in der Mitte steht ein Megaphon, aber die verbliebenen Angestellten hören auch so. Und wenn sie nicht aufräumen, dann spielen sie Badminton.
Ob "Fun Island" als Drei-Sterne-Anlage wiederaufgebaut oder in eine luxuriöse Wasserbungalowsiedlung verwandelt wird, weiß der Chef der Villa-Hotel-Gruppe Ibrahim Qasim noch nicht. Die Zeichen stehen derzeit auf fünf Sterne - Billig- und Massentourismus wie an europäischen Stränden wäre für die Malediven schlimmer als jeder Tsunami.
Zur Versteigerung freigegeben
Von Stillstand ist auf den Malediven nichts zu spüren. Im vergangenen Sommer hat die Regierung bereits weitere elf Inseln - diesmal auch in den entlegeneren Atollen des Nordens und Südens - zur Versteigerung freigegeben. Dabei geht es der Regierung nicht nur um das Geld, wenn sie ihre Inseln für 25 Jahre vermietet; die Bewerber müssen auch schlüssige Konzepte zum Schutz der Korallenriffe und der Umwelt vorlegen. Wer den Zuschlag für welche der elf Inseln erhält, ist noch nicht offiziell - Villa-Hotel-Chef Ibrahim Qasim hat mitgeboten. Und all seine Verwandten mitbieten lassen.
Die Hotels waren im Januar nur zu dreißig Prozent belegt, im Februar waren es nach jüngsten Angaben des Tourismusministers Lufti schon wieder siebzig, im März erwarten sie achtzig Prozent. Zu Recht. Denn die Malediven sind zu schön, um allein gelassen zu werden. Zum ersten Mal kann man ohne schlechtes Gewissen einen Traumurlaub machen und Gutes dabei tun. Das, was die Malediven zu dem zauberhaften Ort macht, der sie sind, hat durch den Tsunami nicht gelitten. Der Unterwasserflora und -fauna geht es gut, wie auch eine Studie der Universität Bologna bestätigt.
"Bitte kommen Sie!
Der stellvertretende Tourismusminister Mohammed Saeed sagte, er ziehe seinen Hut vor den Hotelangestellten, die an jenem Morgen die 17000 Touristen, die über die Weihnachtsfeiertage auf den Malediven waren, gerettet und versorgt haben. Am Ende der Pressekonferenz Anfang Februar sagte er dann leise, daß er sich wünsche, die Touristen kehrten zurück - "better sooner than later". "Bitte kommen Sie, erholen Sie sich und helfen Sie uns damit auf die Beine!"
Man sollte tatsächlich jetzt auf die Malediven fahren. Surfen gehen. Oder Tauchen. Eine seltsame, schöne Welt unter Wasser entdecken, die gefährdet wäre, wenn keine Touristen mehr kämen. Wenn die Malediven ihr Geld mit etwas anderem verdienen müßten. So artenarm die Natur über dem Wasser ist - nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche erlebt man eine Welt, zu schön, um von dieser Welt zu sein: Den Grunzer, auch Süßlippe genannt, mit seinem großen Kußmaul, den dicksten Lippen der Unterwasserwelt, weswegen er im Englischen auch Sweet Lips heißt. Und Grunzer, weil er mit den Zähnen seltsame Töne erzeugen kann.
Dann sind da noch die Korallen, die die aktuelle Sommerkollektion von Roberto Cavalli ganz blaß aussehen lassen. Und die Weißrand-Nasendoktor-Fische, die außer einer wienerwürstchenlangen Nase den schönen Namen "nasus annulatur" tragen. Die Kugelfische, die sich so lange aufblasen, bis sie überzeugt sind, daß kein Sushi-Koch auf Einkaufstour ist. Die Picassofische, die ständig eine Schnute ziehen und unglaublich gut geschminkt wirken. Die Clownsfische, die wie aufgeregte Hausmeister ihre Anemone verteidigen. Und vielleicht - wenn man sehr viel Glück hat - kommt ja auch mal ein echter Walhai vorbei.
Zur Lage im Paradies: Die Malediven
Lage: Die Republik der Malediven liegt im Indischen Ozean, etwa 700 Kilometer südwestlich der Südspitze Indiens. Der Atoll-Staat zählt 1192 Inseln, wovon knapp 200 bewohnt sind. Die Mehrzahl der 300000 Einwohner ist muslimischen Glaubens. </P><P>Klima und Reisezeit Die Malediven haben ganzjährig ein tropisches Klima mit Temperaturen von 27 bis 34 Grad bei einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Nachts kühlt es nur wenig ab. Auf den Malediven herrschen die für ganz Südasien typischen Monsunwinde. Von Mitte Dezember bis Ende April weht der Nordost-Monsun. Es regnet selten, das Meer ist meistens sehr ruhig, und die Sichtweiten unter Wasser sind sehr gut. Von Juni bis Mitte November ist die Zeit des Südwest-Monsuns. Dieser bringt häufig ein bewegtes Meer und heftigere Winde mit sich, ab April zieht es vor allem Surfer auf die Inseln.
Anreise: Von Deutschland aus ist die Hauptinsel Male am günstigsten direkt mit der Condor ab Frankfurt (www.condor.de) oder LTU ab Düsseldorf (www.ltu.de) zu erreichen. Über Colombo fliegen Sri Lankan Airlines (www.srilankan.de), Emirates via Dubai (www.emirates.com).
Hotels: Das Seebeben hat auf den Malediven zunächst 21 Resort-Inseln getroffen, darunter auch namhafte Luxusresorts und etliche Hotels, die bei den deutschen Reiseveranstaltern im Programm sind; fast alle waren zur Zeit der Welle restlos ausgebucht. Mittlerweile sind wieder 71 Touristeninseln geöffnet, die geschlossenen Hotels werden meist generalüberholt und öffnen zur kommenden Wintersaison.
Geschlossene Hotelinseln: Seit dem Tsunami geschlossen sind folgende Hotel-Resorts: Club Med Farukolhufushi, North Kaafu, Farukolhufushi; Club Med Kanifinolhu, North Kaafu, Kanifinolhu; Coco Palm Kudahithi, North Kaafu, Kudahithi (war bereits vor dem Tsunami wegen Renovierungsarbeiten geschlossen); White Sands - Dhigufinolhu Island Resort, South Kaafu, Dhigufinolhu (dhigufinolhu@palmtree. com.mv); Fesdhoo Fun Island, North Alif - Fesdhoo; Four Seasons Resort Maldives, North Kaafu - Kuda Huraa. Der elf Kabinen große Luxuskatamaran Island Explorer von Four Seasons blieb vom Tsunami verschont, drei Tage von einsamer Insel zu einsamer Insel kosten ab 2000 Euro, www.fourseasons.com. Weiterhin geschlossen sind: Fun Island Resort, South Kaafu; Hakuraa Club, Meemu - Hakraahuraa; Kandooma Tourist Resort, South Kaafu; Medhufushi Island Resort, Meemu - Medhufushi; Olhuveli Beach & Spa Resort, South Kaafu - Olhuveli; Reethi Beach Resort, Baa Atoll - Fonimagoodhoo; One&Only Reethi Rah, North Kaafu - Medhufinolhu - dieses Hotel wird am 1. Mai wiedereröffnet! - (www.oneandonlyresorts.com); Rihiveli Beach Resort, South Kaafu - Mahaanaelhi Huraa (tom@rihiveli-maldives.com); Soneva Gili Resort & Spa, North Kaafu (sonresa@sonevagili.com.mv); Taj Exotica Resort & Spa, South Kaafu (tajexotica@tajmaldives.com.mv); Palm Tree Island, South Kaafu - Veligan'du Huraa.
Pauschalangebote: Neckermann und Thomas-Cook-Reisen haben mitunter sehr preiswerte Angebote für die Malediven im Programm: So kosten 14 Tage Halbpension im Beachbungalow auf Sun Island (bei TCR und Neckermann buchbar) ab 1559 Euro, inklusive Flug ab Deutschland. Sun Island ist die größte Touristeninsel der Malediven. Die Hotelanlage entspricht gehobenem europäischem Mittelmaß und bietet nahezu alle Wassersportarten, allerdings auch einigen Rummel. Da man ausschließlich in inseleigenen Restaurants (mäßig gut) speisen kann, empfiehlt es sich, all-inclusive zu buchen. Preis ab: 2119 Euro; 14 Tage im Wasser-Bungalow bei Halbpension ab 2908 Euro. Wer gerne mal einen Walhai sehen möchte, kann sich auf Holiday Island (einfaches, sauberes Drei-Sterne-Hotel) einmieten. Vierzig Bootsminuten von Holiday Island entfernt liegt einer der beliebtesten Walhaiplätze der Malediven. Preis ab 2408 Euro (bei Neckermann). Ein Tauchgang kostet 48 Euro. Weitere Informationen unter www.neckermann-reisen.de und www.villahotels.de.
Auskunft: Fremdenverkehrsamt der Malediven, Bethmannstraße 58, 60331 Frankfurt, Telefon 069/27404420, www.visitmaldives.com. (kaka)
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.03.2005, Nr. 10 / Seite V6
Bildmaterial: F.A.Z., Four Seasons, Four Seasons , picture-alliance / dpa