ADAC-Tunneltest

„Potentielle Todesfalle“

26. April 2007 Jeder fünfte Straßentunnel ist bei einem europaweiten ADAC-Test wegen gefährlicher Sicherheitsmängel durchfallen. Schlusslicht seien erneut die Röhren in Italien, teilte der Autoclub am Donnerstag in München mit. Aber auch einen deutschen Tunnel stuften die Tester als bedenklich ein.

Der erst zehn Jahre alte Gernsbacher Tunnel im Schwarzwald auf der Bundesstraße Rastatt - Freudenstadt habe große Defizite bei Flucht- und Rettungswegen, Lüftung und Notfallmanagement. „Gegenverkehr und der große Anteil an Lkw sorgen hier für ein hohes Risiko“, kritisierten die Prüfer. Eine Nachrüstung sei allerdings geplant.

„Potentielle Todesfalle“

Insgesamt untersuchte der ADAC mit seinen europäischen Partnerclubs 51 Tunnel. Sieben Röhren in Italien, Norwegen und Spanien bekamen die schlechteste Note „mangelhaft“. Als „potentielle Todesfalle“ bewertete Testredakteurin Bettina Dommnich den Testverlierer Paci 2 auf der Autobahn Salerno - Reggio di Calabria: Der Tunnel sei schlecht beleuchtet und ohne Ventilatoren, es gebe weder Brandmelder noch Feuerlöscher, keine Videoüberwachung und keine Tunnelleitzentrale. Hydranten für die Feuerwehr seien ebenso Fehlanzeige wie Ampeln an den Tunneleingängen. „Das sind einfach zwei große schwarze Löcher. Wenn es da in der Mitte zu einem Unfall kommt, ist man auch verlorenem Posten“, sagte Dommnich.

Immerhin 18 Tunnel erhielten die Note „Sehr gut“, darunter fünf österreichische und je vier deutsche und Schweizer Tunnel. Testsieger wurde der kroatische Tunnel Brinje auf der Autobahn Zagreb - Split. Auf Platz 2 folgte der vergangenes Jahr eröffnete Berliner Tiergarten-Tunnel. Nur seine vielen Ein- und Ausfahrten kritisierten die Tester.

„Sichere Tunnel können Menschenleben retten.“

ADAC-Vizepräsident Günter Knopf bemängelte bei vielen Tunneln vor allem das Fehlen von Brandschutz und Fluchtwegen. Die EU-Staaten müssten ihre Tunnel rascher zumindest auf Minimalstandard bringen: „Sichere Tunnel können Menschenleben retten.“ Deutschland habe schon 40 Millionen Euro für Sofortmaßnahmen investiert und weitere 140 Millionen Euro bereitgestellt, lobte er. Auch in anderen Ländern seien viele bei vergangenen Tests durchgefallene Tunnel inzwischen saniert worden.

Am größten sei der Nachholbedarf in Italien, sagte Dommnich. Obwohl die EU ab 2014 Mindeststandards vorschreibe, werde bisher noch fast nichts gemacht. Als „schwarze Löcher“ kritisierten die Tester neben Pace 2 auch die Tunnel Serra Rotonda auf der Autobahn Neapel - Sizilien, Colle Capretto auf der E45 Florenz - Rom, drei Tunnel in der Umgebung der norwegischen Hauptstadt Oslo sowie einen südlich von Madrid.

Katastrophen in Tunneln

Unfälle und Brände in europäischen Straßentunneln hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. Bei Feuer und Qualm können die Rettungsmannschaften oft nur schwer Hilfe leisten. Hier einige der großen Unfälle:

23. September 2006 in der Schweiz: Im Viamala-Tunnel prallt ein Bus mit einem Pkw zusammen, bei dem anschließenden Brand sterben neun Menschen.

25. Dezember 2005 in Deutschland: Im Mauernried-Tunnel (Baden- Württemberg) prallt ein Personenwagen gegen die Tunnelwand und wird in den Gegenverkehr geschleudert. Fünf Insassen kommen ums Leben.

4. Juni 2005 zwischen Frankreich und Italien: Im Fréjus-Tunnel gerät ein mit Reifen beladener Lastwagen in Brand. Die Flammen erfassen weitere Fahrzeuge, drei Schwerlaster brennen aus. Zwei Menschen sterben.

7. Juni 2003 in Italien: Auf dem Weg an die Adria schrammt ein Doppeldecker-Bus aus Gladbeck in einem Straßentunnel bei Venedig an der Tunnelwand entlang und stürzt um. Sechs Tote.

24. Oktober 2001 in der Schweiz: Bei einem Brand im Gotthardtunnel kommen elf Menschen ums Leben. Zwei Lastwagen waren wenige Kilometer vor dem Südportal des Tunnels frontal zusammengeprallt.

17. Oktober 2001 in Dänemark: Am Ende des Guldborgsund-Tunnels prallt ein Laster auf ein Auto, weitere Fahrzeuge rasen in die Unglücksstelle. Fünf Tote.

8. August 2001 in Österreich: Im Ambergtunnel rammt ein Kleinlaster einen Reisebus. Beide Fahrer und eine Busreisende werden getötet.

6. August 2001 in Österreich: Im Gleinalmtunnel in der Steiermark sterben ein niederländisches Urlauberpaar und seine drei Kinder. Ihr Minivan gerät nach dem Zusammenstoß mit einem Auto in Brand.

29. Mai 1999 in Österreich: Im Tauerntunnel löst ein mit Lackprodukten beladener Lastwagen bei einem Auffahrunfall eine Massenkarambolage und ein Feuer aus. Zwölf Menschen kommen ums Leben.

24. März 1999 zwischen Frankreich und Italien: Im Montblanc-Tunnel geht ein belgischer Lastwagen in Flammen auf, das Feuer greift auf andere Fahrzeuge über. In dem Inferno sterben 39 Menschen.



Text: FAZ.NET mit Material von AP, dpa
Bildmaterial: ddp, dpa

 
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