
Schmetterlinge sind der Indikator für intakte und artenreichen Biotope - oder anders formuliert: Wo ein Falter tanzt, kann die Natur noch nicht ganz am Ende sein. Es kann also nicht schaden, bei der Wahl seines Urlaubsziels die Verbreitungsgebiete bestimmter Schmetterlingsarten zu studieren.
Dass Vögel im Frühjahr und Herbst weite Strecken zwischen ihren Brutstellen und Überwinterungsgebieten überwinden, weiß fast jeder. Weniger bekannt ist, dass auch viele Schmetterlinge große Distanzen über Meere und Gebirge zurücklegen, um vor Kälte und Nahrungsmangel zu fliehen oder Wärme und Fallobst in unseren Breiten zu suchen. Ausgesprochene Wanderfalter gibt es auf allen Kontinenten. Schmetterlinge weisen die gleiche Vielfalt im Zugverhalten auf, wie sie auch bei Vögeln beobachtet werden: Es gibt Massenwanderer und Einzelflieger, Nachtzieher und Tagschwärmer.
Nabokov als Vorbild
In Europa zum Beispiel ziehen Weißlinge und Gelblinge vom Süden kommend zum Teil in riesigen Schwärmen über die Alpen nach Norden. Diese Falter benutzen bei ihrer Wanderung in der Regel die Alpenpässe und können dort ab April oder Mai beobachtet werden. Dies dürfte auch einer der Gründe gewesen sein, weshalb sich Vladimir Nabokov in der Schweiz gut aufgehoben fühlte, nachdem er das "Palace Hotel" in Montreux zu seinem ständigen Wohnsitz gemacht hatte.
Auf Wanderungen oberhalb von Gstaad und Zermatt traf man Nabokov selten ohne Fangnetz. Leider hat der Schmetterlingsverehrer sein Buch über die Falter Europas nie vollendet. Ähnlich gute Bedingungen für Schmetterlingssuchende wie an den österreichischen und Schweizer Alpenpässen bieten manche Gebirgsstraßen in den Pyrenäen und in der Türkei.
Falterzüge
Schwieriger als bei in Massen ziehenden Schmetterlingen ist das Beobachten bei Einzelziehern wie dem Admiral (Vanessa atalanta). Dieser Schmetterling, den man im Sommer bei uns häufig trifft, überwintert im südlichen Europa und in Nordafrika. Im Frühjahr machen sich die Falter einzeln auf und ziehen in den Norden. Dabei kommt es dann oft an den Engpässen der Zugrouten zu kleinen Ansammlungen, die die Falter auffällig werden lassen.
Richten Sie Ihren Urlaub doch mal nach den Routen der farbigen Flieger. Das beste daran ist: Die Falter fühlen sich nicht gestört - solange man nicht versucht, sie zu fangen. Man tut gar noch ein gutes Werk, denn selbst Naturschützer fordern zur Beobachtung und Meldung der gesichteten Schmetterlinge auf. Das liegt auch daran, dass ihr Zugverhalten im Unterschied zu dem der Vögel immer noch viele Rätsel birgt.
F.A.S.
Cord Riechelmann