Terminal

www.flugzeugessen

Von Jakob Strobel y Serra

31. August 2005 Ein mysteriöser Reflex treibt manche Menschen dazu, zwanghaft zur Kamera zu greifen, wenn im Flugzeug das Essen serviert wird, um das Tablett mit dem Bordmenü zu fotografieren und die schemenhaften Bilder anschließend im Internet zu veröffentlichen. Das hat zu einer wahren Flut von Bordverpflegungsdokumenten geführt, über die sich die große Schar der Hobbyluftfahrtgastrokritiker in allerlei Foren intensiv austauscht. Die weltweit führende Website dieser Art ist www.airlinemeals.net, auf der Abertausende Fotos von Bordmenüs zu bestaunen sind - garniert mit präzisen Angaben zu Flugstrecke, Flugzeugtyp, Menükomposition und Qualität. Dazu gibt es eine Sammlung historischer Aufnahmen von Flugzeugessen, die bis zur Verpflegung in der TWA Super Constellation 1649A zurückreicht, Menüpläne aus der Business und First Class selbst so entfernter Fluggesellschaften wie der neukaledonischen Air Calin und die neuesten Nachrichten aus der Welt des Catering. Die deutsche Seite www.bordverpflegung.de versucht, ihrem amerikanischen Vorbild nachzueifern, steht aber noch ganz am Anfang.

Wie gut das Essen über den Wolken ist, hat das Online-Reiseportal www.travelchannel.de in einem großen Test von Fluggesellschaften bewertet; allerdings wird nur eine Note ohne weitere Erklärungen vergeben. Bei Seiten wie www.airlinetest.com und www.dooyoo.de/fluglinien werden die Passagiere zu Testern, die Rubrik "Speisen und Getränke" ist indes nicht gesondert aufgeführt; statt dessen sind einfach nur Hunderte von Kommentaren aneinandergereiht. Über das kulinarische Angebot von Billigfliegern kann man bei www.billigflieger-forum.de und www.megaflieger.de mit gleichgesinnten Schnäppchenjägern chatten. Und auf der Homepage www.ich-bin-urlaubsreif.de/flugtipps.html erhält man praktische Hinweise zum Essen an Bord, unter anderem die Codes für Spezialmenüs: CGML bedeutet "Strict Asiatic Vegetarian Meal", KSML "Kosher Meal" und LSML "Low Sodium Meal".

Der Jäger des Löffels

Einen noch seltsameren Reflex rufen die Bordmenüs bei dem Betreiber der Seite www.loeffel-der-luefte.de hervor. Kaum sieht er einen Löffel über den Wolken, fotografiert, klassifiziert und archiviert er ihn - und das mit einer beachtenswerten Kennerschaft. Über ein Besteck der Air India etwa heißt es: "Länge: 11.8cm, auffallend kleine Löffelfläche, im Vergleich zur Stielbreite, aber gut zu halten. Verarbeitung: Entgratete Kanten, aber deutliche Spuren der Stanze (Striemen an den Rändern), etwas scharfkantig, Oberfläche in der Qualität von Thai Air."

Text: F.A.Z., 01.09.2005, Nr. 203 / Seite R4

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