Familienurlaub

Frauengeschenke

Von Jakob Strobel y Serra

Sichere Bank: Über eine Perlenkette als Reisesouvenir freut sich jede Frau.

Sichere Bank: Über eine Perlenkette als Reisesouvenir freut sich jede Frau.

10. Juni 2009 Neulich ist an dieser Stelle davon die Rede gewesen, wie man mit Hilfe von Bestechungssouvenirs für die daheim gebliebenen Kinder den Familienfrieden wahrt und sich dadurch das Recht erwirbt, viele schöne Dienstreisen machen zu dürfen. Danach wurde von verschiedener Seite die ebenso legitime wie zwingende Frage gestellt: Und was ist mit der Mutter der Kinder, der Frau des Reisenden? Was bekommt sie? Nun, das ist nicht so einfach.

Zunächst ist zu sagen, dass bei uns die Finanzverwaltung in weiblicher Hand liegt. Der Mann bekommt Taschengeld. Das schränkt seinen Spielraum ein, macht die Sache aber auch spannender - irgendwelchen teuren Krempel auf den letzten Drücker in der Duty-Free-Boutique am Flughafen zusammenzuraffen ist kein Kunststück. Der Mann mit Herz hingegen macht sich Gedanken und sucht jedes Mal aufs Neue den Liebesbeweis. Das ist ein Prozess, der - wie das ganze Leben - ständigen Metamorphosen unterliegt. Anfangs war die Liebe frisch, die Welt groß, die Schmuckschatulle leer. Das waren schöne, einfache Zeiten: Silber aus Mexiko, Lapislazuli aus Chile, weiße Perlen aus Hongkong, schwarze Perlen aus Tahiti. Doch die Frau hat nur einen Hals und nur einen Ringfinger, und Schmuck ist keine verderbliche Ware. Also musste etwas Neues her und war schnell gefunden: Souvenirs für die Küche. Safran wurde aus dem Orient herbeigeschafft, Vanille von den Inseln im Indischen Ozean, Fischsaucen aus Indochina, Gewürzmischungen von den Märkten aus aller Welt. Eines Tages krochen Würmchen aus dem Fenchelsamen und machten es sich im Küchenschrank gemütlich, was die kulinarische Phase abrupt beendete und die hochprozentige Zeit einleitete: Raki aus der Türkei, Whiskey aus Irland, Pisco aus Peru, Wodka von der Wolga, darin überlebt garantiert kein Wurm. Dann kamen die Kinder, seither verträgt die Frau keinen Branntwein mehr, ein Jammer für den Meister der Mitbringsel.

Fettnäpfchen statt Familienfrieden

Gepriesen sei der Mann, dem es gelingt, seiner Frau in der Ferne die passende Kleidung auszusuchen. Alles kann man dabei falsch machen und sehr wenig richtig, Fettnäpfchen überall, Familienfrieden nirgends, und die Frau hat immer recht: Du glaubst wohl, ich sei noch Mitte zwanzig und hätte dir nicht zwei Töchter geboren! In meinem Alter trägt man so etwas nicht mehr! Da passe ich ja dreimal hinein! Kürzlich gab es einen Glücksmoment, als der Mann einen Kashmir-Schal in Bombay fand, mit dem klassisch schlichten Heringsmuster, safrangelb, haargenau ihre Farbe, so passend, als sei der Schal nur für sie allein gewebt worden. Sie strahlte. Er auch. Bei der nächsten Reise fragte er sie, was er ihr schenken solle. Sie sagte: dich.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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