Eröffnungsrundgang

Die Cebit im Zeichen der Wolke

Von Holger Schmidt, Hannover

Dem Star so nah: Kanzlerin Merkel während ihres Eröffnungsrundgangs mit dem kalifornischen Gouverneur Schwarzenegger

Dem Star so nah: Kanzlerin Merkel während ihres Eröffnungsrundgangs mit dem kalifornischen Gouverneur Schwarzenegger

03. März 2009 Die weltgrößte Computermesse Cebit ist am Dienstag mit einem Rundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger gestartet. Die Messe steht dieses Jahr im Zeichen der Wirtschaftskrise: Die Zahl der in Hannover vertretenen Firmen schrumpfte um ein Viertel, auch die Ausstellungsfläche nahm deutlich ab. Die Informations- und Kommunikationtechnik-Branche (IKT-Branche) betonte zugleich ihre Bedeutung als Problemlöser gerade in der Krise.

Zu den Top-Themen der Messe gehört in diesem Jahr das Cloud Computing. Die Diskussionen darüber sind äußert kontrovers, denn Cloud Computing spaltet die Technikwelt. Obwohl sich 54 Prozent der Technikvorstände von der Verlagerung der Softwareanwendungen in große Rechenzentren Kostensenkungen versprechen, will die Mehrheit in den kommenden zwölf Monaten diese Technik nicht einführen. Die Gründe liegen vor allem in Sicherheitsbedenken und Angst vor einem Kontrollverlust, hat eine Umfrage des Beratungsunternehmens Avanade unter 500 Managern und Technikvorständen ergeben. „Es gibt verschiedene Sicherheitsaspekte zu beachten, und sind die Daten erst einmal in der Wolke, ist es nicht leicht, sie wieder zurückzuholen“, sagt auch Heiko Leicht, Direktor Infrastruktur bei Avanade.

65 Prozent der deutschen Manager halten Cloud Computing gar für einen „Hype“. Die Zurückhaltung und ein Misstrauen gegenüber neuen Technologien seien allerdings nicht neu - es zeigten sich Parallelen zu früheren technologischen Neuheiten wie Internet und E-Mails, die heute an fast jedem Arbeitsplatz verwendet würden, urteilt Avanade. Auch in diesen Fällen habe es Sorgen vor dem Sicherheits- und Kontrollverlust gegeben, doch immer seien entsprechende Sicherheitsvorkehrungen entwickelt worden. „Softwareanbieter und Dienstleister kommen an Cloud Computing nicht vorbei“, sagt Achim Berg, Deutschland-Chef des Softwareriesen Microsoft.

Nur die Kostensenkung lockt aus der Reserve

Noch aber sitzt das Misstrauen auf Seiten der Anwender tief. Schließlich bedeutet Cloud Computing, die Kontrolle über die Software ein Stück weit aus der Hand zu geben und einem Dienstleister zu übertragen. 72 Prozent aller Befragten in aller Welt und sogar 80 Prozent der Technikchefs in Deutschland vertrauen ihren bestehenden internen Systemen mehr als Cloud-Lösungen. Gleichzeitig jedoch berichtet ein großer Teil der Unternehmen, dass ihre aktuellen internen Systeme zu teuer sind und nach Möglichkeiten der Kostensenkung gesucht werde. „An Cloud Computing führt daher auf Dauer kein Weg vorbei“, sagt Paul Hubbertz, Cloud-Computing-Fachmann bei Avanade.

Bereits 40 Prozent der deutschen Unternehmen, die an der Studie teilnahmen, setzen Cloud Computing ein. Darunter vertrauen 5 Prozent ausschließlich auf die Wolke. Die meisten Unternehmen kombinieren aber interne Systeme mit Cloud-Anwendungen. In den Vereinigten Staaten (57 Prozent), Großbritannien (48 Prozent), Norwegen (48 Prozent) und Dänemark (44 Prozent) ist Cloud Computing schon vergleichsweise weiter verbreitet. Mit Finnland, Schweden und seinem österreichischen Nachbarn liegt Deutschland gleichauf.

Erst 2015 in der Breite durchgesetzt

Hubbertz rät Unternehmen, erste Erfahrungen in Pilotprojekten zu sammeln, warnt aber gleichzeitig vor Enttäuschungen, denn die Einführungskosten könnten die Ersparnisse am Anfang sogar übersteigen, wenn der falsche Anbieter gewählt werde. „In zwei Jahren haben sich 10 bis 15 solide Anbieter herauskristallisiert“, erwartet Leicht. Wohl erst dann wird die Verlagerung richtig in Schwung kommen.

„In den kommenden fünf Jahren wird die große Masse des Computings den Wandel vom Desktop- oder Client-Server-Computing zum Cloud Computing vollziehen“, erwartet Matt Glotzbach, der bei Google für Unternehmensprodukte verantwortlich ist und das Cloud Computing vorantreibt. Glotzbach ist aber Optimist von Amts wegen, denn Google gehört zu den Protagonisten des Cloud Computing.

Nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Gartner wird es noch einige Jahre dauern, bis sich Cloud Computing wirklich durchsetzt. Unter den deutschen Unternehmen, die Cloud Computing noch nicht nutzen, planen 42 Prozent, sich langfristig dafür zu entscheiden - allerdings noch nicht in den nächsten zwölf Monaten. Unternehmen sollten Cloud Computing für taktische, also weniger wichtige Anwendungen bis 2011 durchaus in Betracht ziehen. Auch die Gartner-Analysten erwarten, dass sich die Zahl der Anbieter in den kommenden Jahren auf eine kleine, leistungsfähige Gruppe reduzieren werde. Bis zum Jahr 2015 werde sich Cloud Computing dann in der Breite durchsetzen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, REUTERS

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