"Tatort" Köln
Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär
Das „Tatort“-Publikum ist in puncto Krimi konservativ eingestellt. Es verlangt klare Abläufe und die Benennung eines Täters. Verglichen mit amerikanischen Premiumserien wie „Damages“ (Kabel 1) sind die Erzähltechniken der meisten „Tatorte“ so gestrig wie bestickte Schnupftüchlein. Oder wie jene Imbiss-Szenen, die vor allem die Kölner „Tatorte“ um das Ermittlerduo Schenk und Ballauf verunzieren: Wie arg es auch wettern mag, die Grobschmecker schmausen unter freiem Himmel, oft in einsamen Ecken, wo neben dem kulinarischen der ökonomische Bankrott droht, weil sich außer unbehausten Fernseh-Kommissaren kein Mensch dorthin verirrt, um sich in tristem Umfeld eine Currywurst einzuverleiben. Aber lassen wir die Details, schauen wir aufs Ganze: Dem Kölner Gespann nimmt man wohl am wenigsten ab, dass diese Zwei jeden Morgen antreten und einer oft zermürbenden, teils bürokratischen Tätigkeit nachgehen. Vielmehr wirken sie, als träfen sie sich alle paar Monate, um mal wieder spaßeshalber ein Verbrechen zu klären - der bauchige Freddy Schenk mit dem ewig prekären Familienleben und Max Ballauf, der Einfalt und mühsam gebändigte Rage durch wild aufgerissene Augen kompensiert. Eine nur mit Currywürsten ruhig zu stellende Borderline-Persönlichkeit mit Dienstausweis. (hake)