Fragen Sie Reich-Ranicki
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Zur Entspannung lese ich gar nichts

Was lesen Sie zur Entspannung? Petra Sinn, Karlsruhe

Oskar Werner als Mozart in dem Film „Reich mir die Hand, mein Leben”

Oskar Werner als Mozart in dem Film „Reich mir die Hand, mein Leben”

Reich-Ranicki: Zur Entspannung lese ich gar nichts, vielmehr höre ich Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms, Richard Strauss und auch Kurt Weill.

Finden Sie es gut, dass nach dem Tod von Schriftstellern ihre Briefwechsel veröffentlicht werden? Stefan Wolters, Mönchengladbach

Darüber entscheiden die Schriftsteller oder deren Erben. Viele Briefwechsel sind von hoher, ja von höchster literarischer Bedeutung: Goethe, Schiller, Fontane, Thomas Mann, Kafka. Ohne Kenntnis der Briefe dieser Autoren wäre die Weltliteratur viel ärmer.

Welches der Kinder Thomas Manns war literarisch am begabtesten? Bastian Nitzschke, Hünfeld

Golo.

Wie schätzen Sie den Einfluss des Alkohols auf die Weltliteratur ein? Wie erklären Sie sich, dass viele berühmte Autoren mehr oder minder schwere Trinker waren? Friedrich Krautzberger, Krailing

Natürlich hat das mit der außerordentlich enthemmenden und anregenden Wirkung des Alkohols zu tun. Auskunft über diese Angelegenheit sollte man nicht von einem Literaturkritiker erwarten, sondern von einem Kenner des Alkoholismus. Ich bin hier nicht zuständig.

Wird der Literaturkritiker im Alter eher milde oder eher zornig? Axel Müller, Hamburg

Das ist unterschiedlich, aber manche Kritiker werden weder auffallend milder oder auffallend zornig, vielmehr bleiben sie, wie sie in früheren Jahren waren. Das gilt, glaube ich, auch für mich. Viele Kritiker ändern im Alter ihr Arbeitsfeld: Statt Kritiken zu schreiben, übersetzen sie, zumal französische oder englische Klassiker oder - das ist dringend nötig - russische Autoren des 19. Jahrhunderts.

Was halten Sie von einem Literaturkanon für deutsche Schulen? Eileen Wehmann, Theodor-Heuss-Schule, Pinneberg

Ich glaube, das ist eine sehr gute Idee. Ich befürworte alle Aktivitäten, die zur Verbreitung der Literatur beitragen können, zumal in Schulen. Nur haben Sie sich, befürchte ich, vorerst an die falsche Adresse gewandt: Ich bin nicht Pädagoge, sondern Literaturkritiker.

Das Gymnasium habe ich (vor dem Krieg!) in Berlin besucht. Wir hatten sowohl vorzügliche als auch schwache Deutschlehrer. Ein entsprechender Kanon hätte den Lehrern (zumal den schwachen) geholfen und auch den Schülern, die sich mit der Literatur ernsthaft befassen wollten.

Ihre Fragen schicken Sie an Sonntagsfrage@faz.de oder Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Stichwort „Sonntagsfrage“, Mittelstraße 2-4, 10117 Berlin.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: CINETEXT

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