Fragen Sie Reich-Ranicki
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Wird in der deutschen Literatur nicht bedingungslos geliebt?

Bedingungslose Liebe im deutschen Drama: das Käthchen von Heilbronn und Graf Wetter vom Strahl

Bedingungslose Liebe im deutschen Drama: das Käthchen von Heilbronn und Graf Wetter vom Strahl

27. Oktober 2009 Lässt sich Rilkes verrätselte Grabinschrift deuten, hat die deutsche Literatur keine klassischen Liebespaare zu bieten, rührt der Dichter ans Göttliche? Antworten von Marcel Reich-Ranicki.

Rilke verfasste die Inschrift für seinen Gedenkstein: „Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, / Niemandes Schlaf zu sein / unter soviel Lidern.“ Ist diese Inschrift deutbar? Ekkehard Scheufler, Bremen

Reich-Ranicki: Aber ja, natürlich ist sie verständlich und deutbar. Was Rilke sagen wollte, kann man bei dem ausgezeichneten Germanisten Wolfgang Leppmann lesen, veröffentlicht im siebten Band der „Frankfurter Anthologie“.

Klassische Liebespaare. Die französische Literatur hat Tristan und Isolde und auch Abélard und Héloïse, die englische Romeo und Julia. Welches ist das große Liebespaar der deutschen Literatur? Etwa Faust und Gretchen? Oder wird in der deutschen Literatur gar nicht bedingungslos, leidenschaftlich und vor allem gegenseitig geliebt? Gudrun Gittmeyer, Oberursel

Ja: Faust und Gretchen, Egmont und Klärchen, Ferdinand und Luise, Graf vom Strahl und Käthchen, Hero und Leander. Reicht das?

Warum wurde Brecht nicht mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet? Seine Werke hätten einen Nobelpreis sicher gerechtfertigt. Richard Timm

Nein, keineswegs. Er galt als Kommunist und kam daher als Nobelpreiskandidat nicht in Frage. Dass er ein genialer Dichter war, ist freilich selbstverständlich.

Wenn Sie an Shakespeare und Mozart glauben, also an geniale Dichter und Komponisten, an die Schönheit und Tiefe ihrer Werke, glauben Sie damit auch an Göttliches? Gerhard Bobzin, Waren (Müritz)

Wie kommen Sie darauf? Geniale Dichter wie Shakespeare schreiben herrliche Worte und geniale Komponisten herrliche Noten. Das reicht.

Warum glaubt eigentlich jeder halbwegs Prominente (und Nichtprominente) seine Autobiographie schreiben zu müssen? Woher kommt dieses Schreibbedürfnis? Franz Keller, Herne

Ich glaube, das bereitet viel Spaß. Wer nicht will, kann ja auf solche Bücher verzichten.

Darf man sich dichterische Werke hörend statt lesend aneignen? Könnte das in letzter Konsequenz heißen, dass Schriftsteller nicht mehr schreiben, sondern nur noch auf Band sprechen? Harald Rieger

Ja, das ist durchaus möglich. Denn bei uns gibt es Meinungsfreiheit.

Ihre Fragen schicken Sie an Sonntagsfrage@faz.de oder Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Stichwort „Sonntagsfrage“, Mittelstraße 2-4, 10117 Berlin.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: Richard Schröder

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