Petraeus im Porträt

Unter Feuer

Von Matthias Rüb, Washington

Intelligent und ehrgeizig: David Petraeus

Intelligent und ehrgeizig: David Petraeus

10. September 2007 Ein General hat sich nicht zu beklagen, wenn er gelegentlich unter Feuer gerät. Dennoch waren die Angriffe führender demokratischer Politiker auf David Petraeus, den Kommandeur der amerikanisch geführten Koalitionstruppen im Irak, vor dessen Darlegungen im Kongress zur Lage im Irak hart an der Grenze zur Ehrverletzung.

Den am 7. November 1952 geborenen Heeresgeneral, der im Offizierskorps und bei den Soldaten hohes Ansehen genießt, als eine Art militärischen Marketingchef für eine gescheiterte Irak-Politik des Weißen Hauses hinzustellen schließt den Vorwurf mit ein, Petraeus seien opportunistische Erwägungen wichtiger als seine Verpflichtung gegenüber seinen Soldaten.

Schon sein dritter Einsatz im Irak

Die amerikanische Öffentlichkeit war vor dem mit Spannung erwarteten Irak-Lagebericht von Petraeus und dem Botschafter im Irak, Ryan Crocker, freilich anderer Ansicht. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup ergab, dass 47 Prozent der Amerikaner eine hohe Meinung von Petraeus haben, 21 Prozent halten weniger von ihm.

Dass für Petraeus der Ausgang des Krieges im Irak von besonderer persönlicher Bedeutung ist, steht außer Zweifel. Petraeus, der seit Januar die derzeit 168.000 amerikanischen Soldaten sowie die Kräfte der Koalition befehligt, ist schon zu seinem dritten Einsatz im Irak. Beim Einmarsch im Frühjahr 2003 hatte Petraeus die 101. Luftlandedivision des amerikanischen Heeres geführt, die nach heftigen Kämpfen in Nadschaf, Kerbela und Hilla bis nach Mossul in den Norden des Landes durchmarschierte. Dort gelang es seiner Division bald, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen.

Von Juni 2004 bis September 2005 war Petraeus dann in Bagdad als Befehlshaber des multinationalen Kommandos zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung für den Aufbau der irakischen Sicherheitskräfte zuständig - eine Aufgabe, die er freilich nicht zu Ende bringen konnte.

Gleichermaßen gelobt und gefürchtet

Anschließend beaufsichtigte Petraeus als Befehlshaber des „Combined Arms Center“ in Fort Leavenworth (Kansas) die Tätigkeit der meisten Hochschulen der Streitkräfte und war in dieser Eigenschaft Hauptverfasser des Mitte Dezember vorgelegten neuen Feldhandbuchs des Heeres und der Marineinfanterie für den Kampf gegen Aufständische. „Heeressoldaten und Marineinfanteristen müssen zugleich kämpfen und Nationen aufbauen“, heißt es im Vorwort. Das versucht er mit dem seit Januar um 29.000 Soldaten verstärkten Truppenkontingent im Großraum Bagdad und auch in den ehemaligen Unruheprovinzen Anbar und Dijala zu verwirklichen - mit beachtlichen Anfangserfolgen.

Petraeus, der als Sohn eines während des Zweiten Weltkriegs nach New York geflüchteten niederländischen Kapitäns in Cornwall-on-Hudson im Bundesstaat New York aufwuchs, wird von Freunden für seine Intelligenz und seinen Ehrgeiz gleichermaßen gelobt und gefürchtet. Zu den Stationen seiner Ausbildung gehören die Militärakademie West Point und die Eliteuniversität Princeton, wo er mit einer Arbeit über den Vietnam-Krieg promovierte. Der hagere Mittelstreckenläufer überwand so komplizierte Verletzungen wie einen Hüftbruch und fordert noch heute jüngere Soldaten zum Wettkampf heraus.

Text: F.A.Z., 11.09.2007, Nr. 211 / Seite 10
Bildmaterial: AP

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