Frieden zwischen Syrien und Israel?

Starker Mann am Bosporus

Von Rainer Hermann, Istanbul

28. April 2008 Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat sich am Wochenende persönlich in die Vermittlung zwischen Syrien und Israel eingeschaltet. In Damaskus konferierte er zweieinhalb Stunden mit dem syrischen Staatspräsidenten Assad.

Der habe Erdogan mitgeteilt, er wünsche von Israel eine schriftliche Zusage für die Bereitschaft für einen Rückzug von den Golanhöhen, schrieb unter Berufung auf syrische Quellen die qatarische Zeitung al Watan, die zuvor ein Interview mit Assad veröffentlicht hatte.

Grundstein für direkte Gespräche

In dem Interview hatte Assad gesagt, die türkische Vermittlung könne den Grundstein für direkte Gespräche zwischen Syrien und Israel legen. Der nächste amerikanische Präsident werde danach in einer weiteren Phase bei den in Gang gebrachten Gesprächen zu vermitteln haben.

Die Türkei wird damit erstmals seit dem Ende des Osmanischen Reichs im Nahen Osten ein wichtiger Akteur und übernimmt dort Aufgaben, die auch für die Vereinigten Staaten und Europa wichtig sind. Im Gegenzug, so die Grundannahme der von Erdogans außenpolitischem Berater Davutoglu entworfenen Außenpolitik, erhöht die Türkei ihr Gewicht in der EU und in Nordamerika.

Bei seiner Rückkehr aus Damaskus bestätigte Erdogan, dass er daran arbeite, direkte Gespräche zwischen Syrien und Israel in Gang zu setzen. Beide Länder hätten ihn um diese Vermittlung gebeten. Erdogan erwartet, dass die direkten Gespräche auf niedriger Ebene starten könnten und dann, je nach Erfolg, von politisch Verantwortlichen weitergeführt würden.

Syrisches Lob für Einsatz der Türkei

Erdogan äußerte sich in Ankara nicht zu Aussagen des israelischen Ministerpräsidenten Olmert, der in den vergangenen Wochen gesagt hatte, er habe nach Damaskus Botschaften zu einem Friedensabkommen geschickt. Das hatte Assad in seinem Interview mit „ al Watan“ bestätigt. Assad sagte, Erdogan habe ihm mitgeteilt, Israel sei im Gegenzug für einen Friedensschluss zur Rückgabe der Golanhöhen bereit.

Die syrische Nachrichtenagentur Sana schrieb, Assad lobe den Einsatz der Türkei für einen gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten. Der frühere israelische Botschafter in Ankara und Staatssekretär im Außenministerium, Alon Liel, sagte unterdessen der türkischen Zeitung „Zaman“, Assad habe Erdogan im Januar 2004 gebeten, die ins Stocken geratenen Friedensgespräche mit Israel wieder in Gang zu bringen. An den geheimen Gesprächen habe auch er, Liel, teilgenommen. Vorläufig eingestellt wurden sie mit im Sommer 2006 mit dem Krieg zwischen Israel und der Hizbullah.

Im Februar 2007 habe dann Olmert in Ankara Erdogan um die Wiederaufnahme der Vermittlung gebeten. Von da an habe der außenpolitische Berater Erdogans, Davutoglu, Botschaften der einen Seite an die andere weitergeleitet. Liel sagte der Zeitung Zaman ferner, bei der Vermittlung sei auch die Lieferung von Wasser aus der Türkei an Syrien ein Thema.

Muallim überrascht Iran

Sollte sie Wirklichkeit werden, würden der Friedensschluss und ein Rückzug vom Golan erheblich erleichtert. An dem Gespräch von Assad und Erdogan waren Davutoglu und der syrische Außenminister Muallim beteiligt. Muallim hatte in der vergangenen Woche in Teheran bei einer Pressekonferenz, die er gemeinsam mit seinem iranischen Amtskollegen Mottaki abhielt, zur Überraschung seines Gastgebers gesagt, niemand werde Syrien daran hindern, die Friedensgespräche mit Israel wieder aufzunehmen, sollte Israel das ernsthaft wollen.

Zahlreiche türkische Medien gaben am Montag die Ausführungen von Gaby Levy, eines frühren israelischen Botschafters in Ankara, wieder. Levy hatte im israelischen Radio gesagt, die Türken wollten in dem Friedensprozess zwischen Syrien und Israel beteiligt sein, die Türken hätten Israel in der Vergangenheit bereits häufig geholfen, und die Türken verfügten im Nahen Osten und in der islamischen Welt über Einfluss. Auch er schlug vor, israelisch-syrische Gespräche mit türkischer Vermittlung erst auf niederer Ebene zu beginnen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP

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