Naher Osten

Paris stockt Beitrag für Libanon-Truppe auf

Der Krieg ist vorerst vorbei - aber wie lange schweigen die Waffen?

Der Krieg ist vorerst vorbei - aber wie lange schweigen die Waffen?

24. August 2006 Frankreich will sein Kontingent in der UN-Truppe für den Libanon nun doch verstärken - auf 2000 Soldaten. Man habe von den Vereinten Nationen die geforderten Sicherheitsgarantien erhalten, sagte Präsident Jacques Chirac. Zuvor hatte Frankreich seinen Anteil am Unifil-Kontingent von 200 Soldaten nur um 200 Pioniere aufgestockt.

Verteidigungsminister Jung sagte bei einem Besuch der Marine in Kiel und Flensburg, er erwarte einen einjährigen Einsatz der Bundeswehr im Libanon. Jedoch könne niemand den Zeitrahmen endgültig bestimmen. Die EU-Außenminister wollen an diesem Freitag in Brüssel über die Zusammenstellung der UN-Truppe beraten. Der EU-Ratspräsident, der finnische Außenminister Tuomioja, sagte nach einer Unterredung mit Außenminister Steinmeier in Berlin, die EU strebe an, daß die Truppe schon in der kommenden Woche erste Verstärkung erhalte.

Generalstabschef Halutz gibt erstmals Fehler zu

Generalstabschef Halutz

Generalstabschef Halutz

Der israelische Ministerpräsident Olmert forderte die Israelis dazu auf, „auf verschiedene Möglichkeiten und alles vorbereitet“ zu sein. Bei einer Reise zur Besichtigung der Schäden aus dem Libanon-Krieg äußerte er sich besorgt über Israels Zukunft und sagte in einem Krankenhaus: „Wir müssen unsere Pläne beschleunigen und bereit dafür sein, Verunglückte in jedem Zustand aufnehmen zu können.“ In seiner Umgebung hieß es, Olmert spiele damit auf eine mögliche zweite Kriegswelle unter der wachsenden atomaren Bedrohung Irans an. Für seine Regierung sei nun der Aufbau des israelischen Nordens „erste Priorität“, sagte Olmert.

Der israelische Generalstabschef Halutz gab erstmals Fehler in der israelischen Kriegsführung zu. In einem offenen Brief an seine Soldaten schrieb der General, neben den Leistungen habe es auch auf verschiedenen Gebieten logistische sowie operationelle Fehler und Führungsschwächen gegeben. „Wir sind zu einer tiefgreifenden, ehrlichen, schnellen und vollständigen Untersuchung aller Verfehlungen und Erfolge verpflichtet.“ Olmerts Berater neigen zur Einsetzung einer staatlichen Kommission unter einem Oberrichter, hieß es in einem Bericht der Zeitung „Yediot Ahronot“. Eine Entscheidung fällt in nächster Zeit.

Einsatz-Koordination auf Zypern?

Auf Zypern soll anscheinend der Unifil-Einsatz koordiniert werden. Wahrscheinlich werde in der Hauptstadt Nikosia das logistische Zentrum für den Einsatz errichtet, sagte der zyprische Außenminister Lillikas am Donnerstag. Zypern sei dafür ideal. Ohnehin sei schon eine UN-Truppe auf der Insel aktiv und überwache die Waffenstillstandslinie zwischen der griechisch geprägten international anerkannten Republik Zypern sowie dem türkischen Teil.

Traditionell kommen stets auch viele Kriegsflüchtlinge, Ausländer und Libanesen, nach Zypern. Der unabhängige Teil der Mittelmeer-Insel hat mit Larnaka und Limassol zwei große Häfen und Flughäfen in Larnaka und Paphos. Ein anderer UN-Stützpunkt in der Region zur Überwachung der syrisch-israelischen Grenze und des Sinai befindet sich in Jerusalem.

Derweil wächst der Unmut der mehrheitlich jüdischen Israelis über ihre arabischen Mitbürger. Sie vermuteten, daß die Araber während des Krieges mehrheitlich für die schiitische Hizbullah gewesen seien, teilte am Donnerstag die Tzemach-Gruppe als Ergebnis einer Umfrage mit. Tatsächlich aber unterstützten nach derselben Umfrage nur 18 Prozent der israelischen Araber Hizbullah-Führer Nasrallah; 27 Prozent standen auf der israelischen Seite. Die Araber in Galiläa waren genauso Opfer der von der Hizbullah angefeuerten Katjuscha-Raketen wie ihre jüdischen Nachbarn. Die staatlichen Reparationen für die arabischen Orte sind aber nach Zeitungsberichten niedriger. Wissenschaftler sprechen von einer gespaltenen Identität der arabischen Israelis.

Text: jöb./F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, F.A.Z.

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