01. August 2006 Das israelische Sicherheitskabinett hat am frühen Dienstag morgen beschlossen, die Bodenoffensive im Südlibanon auszuweiten. Wie israelische Medien berichteten, soll damit die Hizbullah-Miliz hinter den Fluß Litani zurückgedrängt und ihre Stellungen an und in der Nähe der israelischen Grenze zerstört werden, bevor eine Waffenruhe ausgerufen werden kann. Bis auf einen Minister hätten alle Mitglieder des Sicherheitskabinetts dem Plan zugestimmt. In einer Rede in Tel Aviv hatte Ministerpräsident Ehud Olmert zuvor bereits eine Waffenruhe für die kommenden Tage ausgeschlossen.
In der Nacht flog die israelische Luftwaffe Angriffe gegen die Stadt Hermel im Nordosten des Libanons und zerstörte Straßen nach Syrien. Hermel gilt als eine Hochburg der Hizbullah. Angaben zu möglichen Opfern machte die libanesische Polizei zunächst nicht. Schon am Montag hatte die israelische Luftwaffe den Grenzposten Masnaa zwischen dem Libanon und Syrien angegriffen, nach eigenen Angaben um Waffentransporte zu zerstören.
Israel hatte am frühen Montag morgen angekündigt, seine Luftangriffe für 48 Stunden zu unterbrechen, um der Bevölkerung die Flucht aus dem Kampfgebiet zu ermöglichen. Seit Beginn der israelischen Offensive vor knapp drei Wochen wurden im Libanon 548 Menschen getötet.
Erheblich mehr Soldaten
Wie die israelische Tageszeitung Haaretz in ihrer Onlineausgabe berichtete, soll die Zahl der im Libanon eingesetzten Soldaten verdoppelt werden. Weitere Reservisten würden dazu in den Libanon verlegt. Israel war schon 1978 in der Operation Litani in das Gebiet südlich des Flusses einmarschiert und hatte es drei Monate lang besetzt gehalten.
Der Einsatz galt als militärischer Erfolg, da die Kämpfer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) nach Norden abgedrängt werden konnten. Der Litani entspringt in der Bekaa-Ebene und mündet nördlich von Tyrus im Südlibanon ins Mittelmeer.
Vorerst keine Waffenruhe
In einer Rede in Tel Aviv, die von Fernsehen und Rundfunk übertragen wurde, hatte Olmert zuvor angekündigt, daß man solange kämpfen werde, bis wir sie (die Hizbullah) von unseren Grenzen zurückgedrängt haben. Es gibt keine Waffenruhe und es wird in den kommenden Tagen auch keine Waffenruhe geben, sagte Olmert. Wir müssen bereit sein für Schmerz, Tränen und Blut.
Der Krieg könne erst beendet werden, wenn die Bedrohung beseitigt ist, unsere verschleppten Soldaten in Frieden nach Hause zurückkehren und ihr in Sicherheit und Frieden leben könnt, sagte Olmert an die Bürgermeister der Ortschaften in Nordisrael gerichtet. Man habe die Hizbullah seit Beginn der Kämpfe vor 20 Tagen bereits schwer geschädigt. Deshalb dürfe man sie nicht wieder stärker werden lassen, sie mehr Raketen bekommen lassen, so Olmert. (Siehe auch: Ungelegene Pause für Israels Militärführung)
Bedauern über Opfer in Kana
Olmert bedauerte abermals den Tod unschuldiger Zivilisten bei dem israelischen Luftangriff auf den Ort Kana im Südlibanon am frühen Sonntag morgen, bei dem mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen waren. Ich bedauere von ganzem Herzen all die toten Kinder und Frauen in Kana. Sie waren nicht unsere Feinde, wir hatten es nicht auf sie abgesehen, sagte er.
Die israelische Regierung war nach dem Angriff auf Kana international stark unter Druck geraten, einer sofortigen Feuerpause zuzustimmen. (Siehe auch: Peretz: Nur eine humanitäre Geste)
Friedenstruppe ohne Amerikaner?
Zum Abschluß ihres Besuchs in Jerusalem hatte sich am Montag auch die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice zuversichtlich gezeigt, daß eine Waffenruhe noch in dieser Woche erzielt werden könne. Sie stellte Details eines Plans zur Lösung der Krise vor. Dazu gehörten eine Feuerpause und der Einsatz einer internationalen Stabilisierungstruppe, die zusammen mit der libanesischen Armee im Süden Libanons stationiert werden solle. Noch in dieser Woche soll der UN-Sicherheitsrat laut Rice eine entsprechende Resolution beschließen.
Die Vereinigten Staaten werden sich nach Worten von Präsident George W. Bush vermutlich nicht an einer internationalen Friedenstruppe für den Südlibanon beteiligen. Allerdings werde sein Land gerne logistische Hilfe leisten, sagte Bush am Montag (Ortszeit) dem Nachrichtensender Fox.
Der syrische Präsident Baschar al Assad versetzte unterdessen die Armee in erhöhte Bereitschaft. Das syrische Militär sei aufgerufen, mehr zu üben, sich bereitzuhalten und den Stand der Vorbereitungen zu verstärken, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Sana am Montag. In Anbetracht der internationalen Lage und der regionalen Herausforderung sei Wachsamkeit erforderlich, heiße es in einer Erklärung, die Assad am Dienstag im Monatsblatt Die Volksarmee veröffentlichen wollte.
Text: FAZ.NET mit dpa/AFP/AP
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS