06. September 2007 Die syrische Luftabwehr hat nach offiziellen Angaben aus Damaskus am Donnerstag auf israelische Kampfflugzeuge gefeuert. Die Israelis hätten den syrischen Luftraum verletzt, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Sana einen syrischen Militärsprecher. Die israelischen Flugzeuge seien vom Norden über die Grenze gekommen und hätten über einem unbewohnten Wüstengebiet Munition abgeworfen. Daraufhin sei die syrische Flugabwehr aktiviert worden, um die Flugzeuge zum Abdrehen zu zwingen. Verletzt worden sei bei dem Zwischenfall niemand. Es habe auch keinen Sachschaden gegeben.
Das israelische Militär äußerte sich bis zum frühen Abend offiziell nicht zu dem Vorfall. Ein nicht namentlich genannter Armeesprecher wies im Radiosender Israel die syrische Darstellung aber zurück: Der Vorfall hat sich niemals ereignet.
Der syrische Armeesprecher sagte laut Agentur Sana: Die arabische Republik Syrien warnt die Regierung des Feindes Israel nach dieser aggressiven Handlung und behält sich das Recht vor, auf die ihr geeignet erscheinende Art zu reagieren.
Augenzeugen berichteten, sie hätten nahe der syrisch-türkischen Grenze, rund 160 Kilometer nördlich der Stadt Rakka, mindestens fünf Flugzeuge gehört. Die Maschinen seien dann in südlicher Richtung weitergeflogen.
Offiziell noch im Kriegszustand
Syrien und Israel befinden sich offiziell noch im Kriegszustand, nachdem Friedensgespräche über die Zukunft der Golanhöhen im Jahr 2000 gescheitert waren. Die Golanhöhen waren im Sechs-Tage-Krieg im Juni 1967 von Israel eingenommen und 1981 annektiert worden.
Israel hat das Nachbarland häufig davor gewarnt, extremistische Palästinensergruppen und die libanesische Hizbullah zu unterstützen. Zuletzt hatte Syrien eigenen Angaben zufolge 2006 auf israelische Kampfflugzeuge geschossen, nachdem diese den Sommersitz von Präsident Baschar al-Assad überflogen hatten. Israel hatte die Flüge damals damit begründet, dass Syrien auf diese Weise dazu aufgefordert werden sollte, die radikal-islamische Hamas nicht weiter zu unterstützen. Die Hamas hatte zuvor einen israelischen Soldaten entführt.
Menschrechtler: Israel hat gegen Kriegsrecht verstoßen
Unterdessen werfen Menschenrechtler der israelischen Armee vor, im Libanonkrieg im Sommer 2006 ihre Waffen wahllos auf Zivilisten gerichtet zu haben. Laut einem am Donnerstag in Jerusalem vorgestellten Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) waren die große Mehrheit der 1109 Toten Zivilisten.
In einem früheren Bericht hatte HRW die wahllose Tötung israelischer Zivilisten durch die Hizbullah kritisiert. Dort war von 43 getöteten israelischen Zivilisten und 12 Soldaten die Rede. Die Opfer auf libanesischer Seite waren ungleich höher, sagte jetzt ein HRW-Sprecher. Israel habe mehrfach gegen eine wesentliche Bestimmung des Kriegsrechts verstoßen. Israel sei nicht der Verpflichtung nachgekommen, zwischen militärischen Zielen und Zivilisten zu unterscheiden. In vielerlei Hinsicht führte Israel den Krieg mit unverantwortlicher Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal libanesischer Zivilisten, heißt es in dem Bericht.
Zivilisten als menschliche Schutzschilde
Israel hatte die Angriffe auf Zivilisten damit entschuldigt, Hizbullah nutze die Zivilisten als Schutzschilde. In der Tat gibt der Bericht Beispiele dafür. Solche Verletzungen aber waren nicht weit verbreitet: Wir fanden eindeutige Beweise, dass Hizbullah die meisten ihrer Raketen in Bunkern und Waffenlagern aufbewahrte, die sich auf unbewohnten Feldern oder in Tälern befanden, und dass in den meisten Fällen Hizbullah-Kämpfer bewohnte Gebiete in dem Moment verließen, als der Kampf begann. Israel feuerte etwa 7000 Bomben und Raketen auf Libanon ab.
Dabei sei es auch zu Kollateralschaden unter der Zivilbevölkerung gekommen. Doch bei der großen Mehrheit der tödlichen Angriffe, die wir untersucht haben, fanden wir keinen Hinweis auf eine militärische Präsenz der Hizbullah, auf Waffen oder ein anderes militärisches Ziel, das den Angriff gerechtfertigt hätte. Auf den Grabsteinen seien diese Opfer auch nicht als Kämpfer oder Märtyrer ausgewiesen, obwohl Hizbullah das aus Stolz sicher gern getan hätte. Unter 499 Opfern, bei denen HRW Alter und Geschlecht feststellen konnte, sollen 302 Frauen oder Kinder gewesen sein.
Das israelische Außenministerium wies die Vorwürfe zurück: Im Krieg gegen die Hizbullah beachtete Israel die geltenden Normen für bewaffnete Konflikte und das internationale Recht bezüglich der Kriegsregeln, sagte ein Ministeriumssprecher. Vielmehr habe die Hizbullah mit menschlichen Schutzschilden das Recht gebrochen. Auch dafür gibt HRW Beispiele, auch wenn diese Praxis bei weitem nicht so verbreitet gewesen ist, wie es nach offiziellen israelischen Regierungsangaben heißt. Die Hizbullah habe Waffen in Süd-Beirut gelagert und fast täglich aus der Nähe von UN-Posten auf Israel gefeuert und damit Gegenschläge provoziert.
Text: FAZ.NET mit jöb./Reuters / AFP
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