16. August 2006 Frankreich hat Israel dazu aufgefordert, die Blockade des Libanon zu beenden. Die seit dem Beginn der israelischen Offensive am 12. Juli verhängte Sperrung des Zugangs über den See- und Luftweg müsse beseitigt werden, um den Wiederaufbau und die Wirtschaft in Gang zu bringen, sagte der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy am Mittwoch in Beirut. Es sei Aufgabe der libanesischen Regierung zu verhindern, daß keine Waffenlieferungen über ihre Grenzen an die Hizbullah gelangten.
Am dritten Tag der Waffenruhe im Libanon hat die israelische Armee die Übergabe einiger ihrer Positionen an eine UN-Friedenstruppe vorbereitet. Weitere Soldaten verließen am Mittwoch das nördliche Nachbarland, während dessen Regierung in Beirut in Gesprächen mit den Außenministern Frankreichs, der Türkei, Malaysias und Pakistans die Stationierung der geplanten UN-Truppe im Süden beriet.
Die Vereinten Nationen (UN) bemühen sich um eine Voraustruppe von 3500 Soldaten, die in den kommenden zwei Wochen das schrittweise Vorrücken der libanesischen Armee in das umkämpfte Gebiet unterstützen soll. Die israelische Armee will am Mittwoch und Donnerstag an die UN-Truppe Unifil vorgelagerte Positionen übergeben, die aus ihrer Sicht keine strategische Bedeutung haben. Laut libanesischen Angaben soll zudem von Donnerstag an die Armee des Landes über den Fluß Litani hinaus in den Süden vorrücken und dann Schritt für Schritt die Verantwortung für Gebiete übernehmen, aus denen sich Israel zurückzieht.
Führt Frankreich die UN-Truppe?
Bislang besteht die Unifil aus etwa 2000 Soldaten, soll nun aber auf 15.000 Mann aufgestockt werden. Bei einer internationalen Truppenstellerkonferenz in New York am Donnerstag will auch Deutschland seine Überlegungen für eine Beteiligung vorstellen, über die heute die Koalitionsspitze berät. (Siehe auch: Koalition berät über Bundeswehr-Einsatz im Libanon) Gemeinsam mit weiteren 15.000 Soldaten der libanesischen Armee sollen die UN-Truppen im Südlibanon die Souveränität der Regierung in Beirut durchsetzen. Das Gebiet wurde bisher von der radikal-schiitischen Hizbullah kontrolliert, deren Entwaffnung der UN-Sicherheitsrat fordert.
Der UN-Vize-Generalsekretär für die Friedenstruppen Hedi Annabi sagte in New York, die Voraustruppe könne innerhalb von zehn bis fünfzehn Tagen einsatzbereit sein. Die ersten Schritte können noch vor der eigentlichen Stationierung getan werden, wenn der politische Wille dafür da ist. Die UN hofften darauf, daß Frankreich mit einer größeren Beteiligung das Rückgrat der Truppe bildet. Die ehemalige Mandatsmacht im Libanon ist für die Führung der gesamten Truppe im Gespräch.
Abzug könnte noch Monate dauern
Die Verhandlungen über die Zusammenstellung der UN-Truppe gelten als schwierig. Die Unifil geht davon aus, daß es bis zu einem Jahr dauert, bis die Truppe ihre volle Stärke erreicht. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach zuletzt von Monaten.
In Gesprächen mit Annan wollte die israelische Außenministerin Zipi Livni am Mittwoch die Sorgen ihres Landes darlegen. Israel warnt davor, daß die Hizbullah ein eventuelles Machtvakuum im Südlibanon für eine Rückkehr an die israelische Grenze nutzen könnte.
Nach früheren Aussagen über einen israelischen Abzug Israels innerhalb von sieben bis zehn Tagen sagte Armeechef Dan Haluz nun vor einem Parlamentsausschuß: Israel wird Kräfte im Libanon lassen, bis die multinationale Truppe da ist, auch wenn dies Monate dauern wird.
Hizbullah verspricht Entschädigung und Hilfe
Hunderte Libanesen haben sich am Mittwoch um Entschädigung für ihre zerstörten oder beschädigten Häuser bemüht. In provisorischen Meldezentren der Hizbullah-Miliz im ganzen Land stellten sie Anträge auf Schadenersatz, dessen Höhe auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätzt wird. Hizbullah-Führer Scheich Hassan Nasrallah hatte den Libanesen unmittelbar nach Inkrafttreten des Waffenstillstands am Montag Finanzhilfen für den Wiederaufbau zugesichert.
Bei den knapp fünfwöchigen israelischen Angriffen wurden nach Angaben Nasrallahs insgesamt 15.000 Häuser getroffen. Ein Hizbullah-Mitglied sagte am Mittwoch, allein in den südlichen Vororten Beiruts seien 190 Gebäude zerstört und 90 schwer beschädigt worden. Die Besitzer zerstörter Häuser würden von der Hizbullah Geld für neue Möbel und die Miete für ein Jahr erhalten. Die Bewohner beschädigter Häuser könnten diese entweder selbst reparieren und sich die Kosten ersetzen lassen oder die Reparaturen von Arbeitern der Hizbullah ausführen lassen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS